Hintergrund · All Eyez on Me
Im Oktober 1995 kam Tupac aus der Haft frei, gegen eine Kaution von 1,4 Millionen Dollar. Aufgebracht hatten sie Death-Row-Chef Suge Knight und Interscope-Mitgründer Jimmy Iovine, die Gegenleistung war ein Vertrag über drei Alben. Gut vier Monate später erschien All Eyez on Me: zwei CDs, 27 Lieder, aufgenommen in rund zwei Monaten. Es wurde sein erfolgreichstes Studioalbum.
Zwei Alben in einem Rutsch
Das Doppelalbum erfüllte gleich zwei der drei vereinbarten Platten. Der Arbeitstitel lautete Euthanasia, geplant war eine Veröffentlichung zu Weihnachten 1995. Doch Tupac nahm so viel auf, dass sich der Termin auf Februar verschob.
Mitstreiter wie Johnny „J“ und Daz beschrieben später, wie er in den Can-Am Studios mehrere Lieder pro Nacht einsang. Nach ihren Erzählungen entstand Ambitionz az a Ridah schon in der ersten Nacht nach der Entlassung.
Der Ton unterscheidet sich deutlich von Me Against the World. Wo dort Zweifel herrschten, stehen jetzt Siegerpose, Party und Abrechnung: mit der Polizei, mit falschen Freunden und, zwischen den Zeilen, mit den Leuten, die er für den Überfall von 1994 verantwortlich machte.
Death Row auf dem Höhepunkt
Den Grundton setzt Johnny „J“, der zusammen mit Tupac rund ein Drittel des Albums produzierte, darunter How Do U Want It, Life Goes On und den Titelsong mit Big Syke. Daz Dillinger lieferte düstere Westcoast-Beats für Ambitionz az a Ridah, 2 of Amerikaz Most Wanted und I Ain't Mad at Cha.
Dr. Dre steuerte den Remix von California Love bei und Can't C Me mit George Clinton. Unter All About U (mit Nate Dogg und Snoop Doggy Dogg) liegt ein Sample von Cameos Candy; DJ Quik produzierte Heartz of Men, DeVante Swing No More Pain.
Die Gästeliste zeigt das Label in seiner stärksten Phase: Snoop, Nate Dogg, Daz und Kurupt, dazu Method Man und Redman aus New York, Bay-Area-Größen wie E-40, B-Legit und Richie Rich. Auf When We Ride treten die Outlawz erstmals als Gruppe auf.
105 Wochen in den Charts
All Eyez on Me stieg auf Platz 1 der Billboard 200 ein und hielt sich insgesamt 105 Wochen in den Charts. California Love und How Do U Want It erreichten als Doppel-A-Seite Platz 1 der Hot 100. Als weitere Singles folgten 2 of Amerikaz Most Wanted und I Ain't Mad at Cha, dessen Video kurz nach Tupacs Tod im September 1996 lief.
Warum Diamant nicht zehn Millionen Käufer heißt
Bei Doppelalben zählt die RIAA jedes verkaufte Exemplar doppelt. Deshalb erhielt das Album schon im April 1996 fünffach Platin und erreichte 2014 den Diamant-Status (zehn Millionen Einheiten). Nach Nielsen-Zahlen wurden in den USA rund 5,9 Millionen Exemplare verkauft. Auch die verbreitete Angabe, es seien über zehn Millionen Alben verkauft worden, beruht auf dieser Zählweise.
Vom Verkaufserfolg zum Klassiker
Zeitgenössische Kritiken lobten die Produktion, vermissten aber teils den sozialen Blick der frühen Alben. Inzwischen gilt All Eyez on Me als Klassiker des Westcoast-Rap. 1997 nominierte die Recording Academy es als bestes Rap-Album, Rolling Stone führt es auf seiner Liste der 500 besten Alben (2020: Platz 436). Am 11. Februar 2026 wurde es in die Grammy Hall of Fame aufgenommen.
Es blieb das letzte Album, das zu Tupacs Lebzeiten erschien. Sieben Monate nach der Veröffentlichung wurde er in Las Vegas erschossen, und die Siegerpose der Platte bekam einen bitteren Nachklang.
