Hintergrund · The Rose, Vol. 2
Wo der erste Teil noch wie eine Dichterlesung klang, liefen fünf Jahre später die Drumcomputer. Auf The Rose, Vol. 2 legte Amaru Entertainment eine Fortsetzung vor, die sich deutlich vom Vorgänger The Rose That Grew from Concrete abhob: Statt die Gedichte nur vorzutragen, bauten die Mitwirkenden eigene Hip-Hop-Tracks um Tupacs Verse. Nur an wenigen Stellen wird noch rezitiert.
Rapper statt Schauspieler: Ein neues Konzept für jüngere Hörer
Wie beim ersten Teil stammten die Texte aus Tupacs Gedichtband, den seine frühere Förderin Leila Steinberg bewahrt hatte und der 1999 als Buch erschien. Diesmal ging das Projekt allerdings bewusst auf jüngere Hörer zu. Statt Dichterinnen und Schauspielern standen Rapper im Vordergrund, die 2005 aktuell waren, dazu einige Weggefährten. Das Album erschien über Koch Records, das in jenen Jahren mehrere Tupac-Veröffentlichungen vertrieb.
Von Talib Kweli bis Memphis Bleek
Talib Kweli eröffnet mit Fallen Star (produziert von 88-Keys) den konzeptionell stärksten Teil des Albums. Ludacris macht aus In the Depths of Solitude einen nachdenklichen Track, während Bone Thugs-n-Harmony The Power of a Smile singen und rappen. Lyfe Jennings schrieb und produzierte Movin' On selbst. Auf Life Through My Eyes mit Memphis Bleek ist Tupac schließlich auch mit eigener Stimme zu hören.
Weggefährten, Outlawz und Stimmen aus Harlem
Mehrere Beiträge schlagen eine Brücke zu Tupacs Biografie. Shock G, der ihn 1990 zu Digital Underground geholt hatte, produzierte und sang And 2morrow. Die Outlawz vertonen When Ure Heart Turns Cold, das auf dem ersten Teil noch von Sonia Sanchez gelesen wurde. Die Rapperin Yo-Yo, eine enge Freundin Tupacs, übernimmt Only 4 the Righteous. Dead Prez, schon auf Vol. 1 dabei, schließen mit If I Fail den Kreis.
Am Ende stehen Kinder: Die Impact Kids, eine Jugendtheatergruppe aus Harlem, tragen When Ure Hero Falls vor, und zwei Mädchen der Pacskids lesen das Abschlussstück Poetry.
Kaum Echo in den Charts, aufschlussreich für Sammler
Das Album erhielt wenig Aufmerksamkeit in Presse und Charts; verlässliche Chartdaten oder Zertifizierungen ließen sich für diese Seite nicht finden. Ältere Tracklisten kursieren mit leicht verschriebenen Namen (etwa „Talib Kwali“); hier steht die korrigierte Schreibweise. Für Sammler ist die Veröffentlichung dennoch interessant: Sie zeigt, wie eine neue Rap-Generation Tupacs frühe Lyrik las, verglichen mit Vol. 1 geschlossener, aber auch konventioneller.
