United Tupac.Com · Biografie
1971 bis 1996
Ein Leben in siebzehn Kapiteln


United Tupac.Com
Tupac
Amaru
Shakur
16. Juni 1971 bis 13. September 1996
Eine Biografie in siebzehn Kapiteln.
Mit Abbildungen, Jahresübersicht und Quellen.
United-Tupac.Com
Fanseite seit 2002 · Stand 9. Oktober 2026
Inhalt
„Did u hear about the rose that grew from a crack in the concrete?“
Im Frühjahr 1971 verteidigte sich eine schwangere Frau ohne Jurastudium in einem New Yorker Gerichtssaal selbst, und sie gewann. Fünf Wochen nach dem Freispruch kam ihr Sohn zur Welt. Tupac Amaru Shakur lebte danach 25 Jahre und war in dieser Zeit Theaterschüler, Tänzer, Rapper, Schauspieler, Häftling und einer der meistverkauften Musiker seiner Generation. Er schrieb über Armut, Polizeigewalt und Mütter, die ihre Kinder allein großziehen, und lebte zugleich das Bild, vor dem seine Kritiker warnten.
Diese Biografie beschreibt die politische Familie, in die er hineingeboren wurde, und die Brüche seiner letzten Jahre. Sie reicht über 1996 hinaus: bis zu den Veröffentlichungen nach seinem Tod und zum Urteil im Jahr 2026.
Übersicht
Die Jahre
24 Jahreszahlen aus dieser Biografie, von 1968 bis 2026. Jede führt zu dem Kapitel, in dem sie zuerst vorkommt.
- 1968I · Eine Mutter, die sich selbst verteidigte
- 1969I · Eine Mutter, die sich selbst verteidigte
- 1971I · Eine Mutter, die sich selbst verteidigte
- 1975III · Kindheit zwischen Harlem und Fahndungsliste
- 1981III · Kindheit zwischen Harlem und Fahndungsliste
- 1984III · Kindheit zwischen Harlem und Fahndungsliste
- 1986III · Kindheit zwischen Harlem und Fahndungsliste
- 1988III · Kindheit zwischen Harlem und Fahndungsliste
- 1989V · Marin City
- 1990VI · Vom Roadie zu 2Pac
- 1991V · Marin City
- 1992VII · Ein Debüt wird zum Politikum
- 1993VIII · Drei Filmrollen in drei Jahren
- 1994VIII · Drei Filmrollen in drei Jahren
- 1995VII · Ein Debüt wird zum Politikum
- 1996XIII · Zwei Alben auf einen Schlag
- 1997XV · Die Alben nach dem Tod
- 2003XV · Die Alben nach dem Tod
- 2010XVI · Ehrungen und Nachwirkung
- 2012XVI · Ehrungen und Nachwirkung
- 2016XV · Die Alben nach dem Tod
- 2017XVI · Ehrungen und Nachwirkung
- 2023XVI · Ehrungen und Nachwirkung
- 2026XVI · Ehrungen und Nachwirkung
I
Eine Mutter, die sich selbst verteidigte
Die Geschichte beginnt bei Afeni Shakur. Sie wurde 1947 als Alice Faye Williams in Lumberton, North Carolina, geboren und zog als Kind in die South Bronx. Ende der 1960er las sie sich in die Schwarze Geschichte ein, nahm den Yoruba-Namen Afeni an und trat 1968 der Black Panther Party in Harlem bei. Im November 1968 heiratete sie Lumumba Shakur. Dessen Familie war in der radikalen Bewegung so bekannt, dass andere den Namen Shakur als Zeichen der Verbundenheit übernahmen.
Am 2. April 1969 nahm die New Yorker Polizei 21 Panther fest, Afeni war darunter. Die Anklage lautete, sie hätten Anschläge auf Polizeiwachen und öffentliche Gebäude geplant. Der Fall der „Panther 21“ wurde zum bis dahin längsten und teuersten Strafprozess im Bundesstaat New York. Im Januar 1970 kam Afeni frei, gegen eine Kaution von 100.000 Dollar, die Unterstützer gesammelt hatten.
In dieser Zeit wurde sie schwanger. Der Vater war Billy Garland, ebenfalls Panther, nicht ihr Ehemann, der in Haft saß. Als sich Mitangeklagte dem Prozess entzogen, widerrief das Gericht Afenis Kaution, und sie verbrachte den größten Teil der Schwangerschaft wieder im Gefängnis. Vor Gericht vertrat sie sich selbst und nahm unter anderem einen verdeckten Ermittler ins Kreuzverhör. Am 13. Mai 1971 sprach die Jury alle 13 verbliebenen Angeklagten in sämtlichen 156 Anklagepunkten frei. Die Beratung hatte etwa anderthalb Stunden gedauert.
II
Ein Name zum Verstecken

Gut einen Monat später, am 16. Juni 1971, kam Afenis Sohn in East Harlem zur Welt. Die oft zu lesende Angabe Brooklyn ist falsch. In die Geburtsurkunde ließ Afeni den Namen Lesane Parish Crooks eintragen (dort in der Reihenfolge „Parish Lesane Crooks“). Den Nachnamen lieh sie sich von ihrer Freundin und früheren Zellengenossin Carol Crooks. Das Kind sollte nicht sofort als „Panther-Baby“ zu erkennen sein.
Etwa ein Jahr später bekam der Junge den Namen, unter dem die Welt ihn kennt: Tupac Amaru Shakur, nach dem peruanischen Rebellen Túpac Amaru II., den die spanischen Kolonialherren 1781 hingerichtet hatten. Afeni erklärte später, sie habe ihm den Namen revolutionärer, indigener Menschen geben wollen. Er sollte wissen, dass er Teil einer Weltkultur war und nicht nur einer Nachbarschaft. Woher seine übrigen Namen stammen, steht auf der Seite Namen und Aliase.
Afenis Ehe mit Lumumba zerbrach kurz nach der Geburt. Billy Garland spielte in Tupacs Kindheit keine Rolle, und Tupac glaubte lange, sein leiblicher Vater sei tot.

III
Kindheit zwischen Harlem und Fahndungsliste
In den 1970ern zog die Familie oft um, zwischen Wohnungen in Harlem und der Bronx. Zum Umfeld gehörten Menschen, deren Namen später zur Familiengeschichte wurden: Assata Shakur gilt als Tupacs Patentante, der Panther Geronimo Pratt als sein Pate. 1975 heiratete Afeni den Aktivisten und Akupunkteur Mutulu Shakur, im selben Jahr kam Tupacs Halbschwester Sekyiwa zur Welt. Mutulus Sohn Maurice Harding, später als Rapper Mopreme Shakur bekannt, wurde Tupacs Stiefbruder.
Ruhig wurde es nie. Afeni und Mutulu trennten sich 1982, und Mutulu wurde zur Fahndung ausgeschrieben. Er galt als Planer des bewaffneten Überfalls auf einen Brink's-Geldtransporter am 20. Oktober 1981 in Nanuet, New York, bei dem ein Wachmann und zwei Polizisten starben. 1982 setzte ihn das FBI auf die Liste der zehn meistgesuchten Flüchtigen. Gefasst wurde er erst im Februar 1986, verurteilt 1988 zu 60 Jahren Haft.
Afeni fand in diesen Jahren kaum Arbeit und rutschte in die Drogenabhängigkeit. Tupac flüchtete sich ins Schreiben und auf die Bühne. Mit zwölf kam er zum 127th Street Repertory Ensemble in Harlem. 1984 spielte er im Apollo Theater den Travis Younger in A Raisin in the Sun, bei einer Benefizaufführung für die Präsidentschaftskampagne von Jesse Jackson.
IV
Baltimore: Theater, Ballett und erste Reime

Noch 1984 zog Afeni mit Tupac und Sekyiwa nach Baltimore, in eine Erdgeschosswohnung an der Greenmount Avenue 3955 im Viertel Pen Lucy. Tupac war 13 und ging in die achte Klasse der Roland Park Middle School. Im Schulbus lernte er den Beatboxer Dana „Mouse“ Smith kennen, und die beiden schrieben jeden Nachmittag Reime. Im November 1985 gewannen sie einen Rap-Wettbewerb der Stadtbibliothek Enoch Pratt. Tupacs handgeschriebener „Library Rap“ liegt heute in deren Sondersammlung.
Nach einem Jahr an der Paul Laurence Dunbar High School sprach Tupac an der Baltimore School for the Arts vor und wurde als Theaterschüler aufgenommen. Die zwei Jahre dort, etwa 1986 bis 1988, nannte er später eine glückliche Zeit. Er spielte Shakespeare, studierte Ibsen und Sam Shepard, nahm Ballettunterricht und tanzte im Nussknacker den Mäusekönig. Sein Lehrer Donald Hicken erinnerte sich an einen ungewöhnlich charismatischen Schüler, der die Mittagspause lesend in der Bibliothek verbrachte.
Hier lernte er Jada Pinkett kennen. Die Freundschaft hielt bis zu seinem Tod, er schrieb ihr Gedichte wie Jada. Mit Freunden gründete er die Gruppe Born Busy, deren Kassettenaufnahmen als seine ersten Songs gelten; am Mikrofon nannte er sich damals MC New York. 2006 spendete Jada Pinkett Smith der Schule eine Million Dollar, und der neue Theatersaal bekam Tupacs Namen.
V
Marin City
Im Sommer 1988, kurz vor seinem letzten Schuljahr, musste Tupac Baltimore verlassen. Afeni schickte die Kinder nach Marin City bei San Francisco, wo ein Bekannter aus der Panther-Zeit auf sie aufpassen sollte, und kam später nach. Marin City war eine arme Siedlung mitten in einer der reichsten Gegenden Kaliforniens.

Tupac ging auf die Tamalpais High School im benachbarten Mill Valley. Eine Lehrerin nannte seine Lesung von Shakespeares Othello die beste, die sie je gehört habe. Zu Hause dagegen lief es schlecht. Afenis Crack-Sucht wurde schlimmer, Tupac zog aus, kam zeitweise bei Freunden unter und verkaufte nach eigenen Angaben Drogen, um sich Essen leisten zu können. Einen Schulabschluss machte er nicht, den GED holte er später nach.
1989 besuchte er in Oakland die Poesiekurse von Leila Steinberg. Sie wurde seine Mentorin und erste Managerin, besorgte Auftritte für seine Gruppe Strictly Dope mit dem Rapper Ray Luv und machte ihn mit Atron Gregory bekannt, dem Manager von Digital Underground. Aus den Strictly-Dope-Aufnahmen jener Jahre wurde 2007 das Album Beginnings: The Lost Tapes 1988-1991.
VI
Vom Roadie zu 2Pac


1990 holte Atron Gregory ihn als Roadie und Tänzer zu Digital Underground, einer verspielten Funk-Rap-Gruppe aus Oakland um Shock G. Auf Tour mit Public Enemy freundete er sich mit Treach von Naughty by Nature an.
Im Hintergrund blieb er nicht lange. Im Januar 1991 erschien die Single Same Song, und darauf rappte zum ersten Mal ein gewisser 2Pac. Der Song lief im Film Nothing But Trouble (deutscher Titel Valkenvania), in dem Digital Underground einen Kurzauftritt hatten: Tupacs erste Filmszene. Über die Gruppe lernte er auch den Rapper Randy „Stretch“ Walker aus Queens kennen, mit dem er in den folgenden Jahren oft auftrat.
Bald hatte er einen eigenen Vertrag. Über Gregorys Firma kam Tupac zu Interscope Records, einem jungen Label in Los Angeles, das ihn bis zu seinem Wechsel zu Death Row betreute.
VII
Ein Debüt wird zum Politikum
Im Oktober 1991, kurz vor seinem ersten Album, hielten ihn zwei Polizisten in Oakland an, weil er bei Rot über die Straße gegangen war. Nach seiner Darstellung würgten sie ihn, warfen ihn zu Boden und schlugen seinen Kopf auf den Asphalt. Er verklagte die Stadt auf zehn Millionen Dollar und erhielt in einem Vergleich rund 43.000 Dollar.
Am 12. November 1991 erschien 2Pacalypse Now, ein Album über Rassismus, Polizeigewalt, Armut und Teenagerschwangerschaften. Brenda's Got a Baby erzählt von einem zwölfjährigen Mädchen, das sein Neugeborenes in den Müll legt; Tupac hatte von einem solchen Fall in der Zeitung gelesen. Ein Hit wurde die Platte nicht: Platz 64 der Billboard-Charts, Gold erst 1995.


Bekannt machte sie ein Skandal. Im April 1992 erschoss der 19-jährige Ronald Ray Howard in Texas einen State Trooper, und sein Verteidiger machte die Musik von 2Pacalypse Now mitverantwortlich. Im September 1992 sagte US-Vizepräsident Dan Quayle über das Album: „There's no reason for a record like this to be released. It has no place in our society.“ Für so eine Platte gebe es keinen Grund. Tupac antwortete, er habe über das rappen wollen, was junge Schwarze Männer betrifft, und sei plötzlich für alle zur Zielscheibe geworden.
VIII
Drei Filmrollen in drei Jahren



Zur selben Zeit begann seine Filmkarriere, fast aus Zufall. Tupac begleitete seinen Bandkollegen Money-B zu einem Casting und bat, selbst vorsprechen zu dürfen. Er bekam die Rolle des Roland Bishop in Juice, der am 17. Januar 1992 in die Kinos kam. Bishop, ein Jugendlicher aus Harlem, der nach einem Überfall die Kontrolle verliert, war die stärkste Figur des Films. Peter Travers nannte ihn im Rolling Stone die magnetischste Erscheinung darin.
1993 spielte er in John Singletons Poetic Justice den Postboten Lucky an der Seite von Janet Jackson, 1994 in Above the Rim den Gangster Birdie. Andere Rollen verlor er. Aus Menace II Society flog er, nachdem er Regisseur Allen Hughes angegriffen hatte; aus Singletons Higher Learning wurde er nach einer Festnahme gestrichen, weil das Studio nicht mitzog.
Musikalisch legte er im Februar 1993 nach. Strictly 4 My N.I.G.G.A.Z. stieg auf Platz 24 ein, wurde Platin und enthielt I Get Around und Keep Ya Head Up, eine Hymne an Frauen und ihre Würde. Den Titel las Tupac als „Never Ignorant, Getting Goals Accomplished“.
Um dieselbe Zeit entstand THUG LIFE, ursprünglich politisch gemeint: als Anklage gegen eine Gesellschaft, die ihre Kinder im Stich lässt. 1992 ließ sich Tupac die zwei Worte auf den Bauch tätowieren. Mit Mutulu Shakur schrieb er einen Verhaltenskodex für die Straße, und er gründete die gleichnamige Gruppe, deren einziges Album Thug Life: Volume 1 im September 1994 erschien.
1993 lernte er in Los Angeles einen jungen Rapper aus Brooklyn kennen: Christopher Wallace, bald bekannt als The Notorious B.I.G. Die beiden freundeten sich an, besuchten sich in New York und Los Angeles, und Tupac holte Biggie bei eigenen Konzerten auf die Bühne. Nach dem Überfall von 1994 zerbrach die Freundschaft.


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Rot gerahmt: in der Biografie groß abgebildet
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16IX
Anklagen und Prozesse
Ab 1993 häuften sich die Anklagen. Manche endeten mit Verurteilungen, andere mit Freisprüchen oder eingestellten Verfahren. Die wichtigsten Fälle:
Für den Angriff auf Allen Hughes saß Tupac Anfang 1994 15 Tage in Haft. Bei einem Konzert an der Michigan State University im April 1993 soll er mit einem Baseballschläger auf einen anderen Rapper losgegangen sein; im September 1994 bekannte er sich eines Vergehens schuldig. Schwerer wog ein Todesfall: Bei einem Festival in Marin City starb im August 1992 der sechsjährige Qa'id Walker-Teal durch eine Kugel aus einer auf Tupac registrierten Waffe. Angeklagt wurde niemand, die Zivilklage der Familie endete 1995 mit einem Vergleich.
Am 31. Oktober 1993 schoss Tupac in Atlanta auf zwei Männer, die sich als Polizisten außer Dienst herausstellten, die Brüder Mark und Scott Whitwell. Die Darstellungen widersprachen sich. Einige Zeugen sagten aus, die beiden hätten zuvor einen Schwarzen Autofahrer bedrängt und Mark Whitwell habe zuerst geschossen. Scott Whitwell räumte ein, eine Waffe aus einer Asservatenkammer bei sich gehabt zu haben. Die Staatsanwaltschaft ließ alle Anklagen fallen, gegen beide Seiten.
Am schwersten wog ein Verfahren in New York. Im November 1993 zeigte eine 19-jährige Frau Tupac und drei Begleiter wegen sexueller Gewalt in seinem Hotelzimmer an. Tupac bestritt die Vorwürfe. Am 1. Dezember 1994 sprach ihn die Jury vom Vorwurf des erzwungenen Oralverkehrs und von den Waffendelikten frei, verurteilte ihn aber wegen sexuellen Missbrauchs ersten Grades in drei Fällen. Die Frau blieb bei ihrer Darstellung; eine spätere Zivilklage endete mit einem Vergleich.
X
Schüsse in der Lobby am Times Square

In der Nacht zum 30. November 1994, während die Jury noch beriet, wollte Tupac in den Quad Recording Studios am Times Square eine Strophe für einen anderen Künstler aufnehmen. In der Lobby überfielen ihn drei bewaffnete Männer. Er wehrte sich, wurde geschlagen und angeschossen und verlor Schmuck im Wert von rund 40.000 Dollar. Er selbst sprach von fünf Treffern.
Nach einer Notoperation verließ er das Krankenhaus gegen ärztlichen Rat. Am nächsten Tag saß er im Rollstuhl und mit Verbänden im Gerichtssaal. Die folgenden Wochen erholte er sich im Haus der Schauspielerin Jasmine Guy, bewacht von der Fruit of Islam und früheren Panthern. Nach dem Überfall meldete sich auch Billy Garland wieder, und Vater und Sohn sahen sich zum ersten Mal seit Tupacs früher Kindheit.
Tupac war überzeugt, in eine Falle gelockt worden zu sein. Er verdächtigte Leute aus dem Umfeld des Labels Bad Boy, die an diesem Abend im Gebäude waren; sie bestritten das. 2011 behauptete ein in New York inhaftierter Mann, einer der Täter gewesen zu sein. Vor Gericht kam der Überfall nie. Die ganze Geschichte steht auf der Seite Shooting 1994.

XI
Nummer eins aus der Zelle
Am 23. Dezember 1994 stellte sich Tupac den Behörden, Anfang 1995 kam er nach Rikers Island. Am 7. Februar 1995 verurteilte ihn ein Richter zu anderthalb bis viereinhalb Jahren Gefängnis. Im März wurde er in die Clinton Correctional Facility in Dannemora verlegt, ganz im Norden des Bundesstaats.
Dort erlebte er seinen ersten Nummer-eins-Erfolg. Am 14. März 1995 erschien Me Against the World, aufgenommen vor der Haft, und stieg auf Platz 1 der Billboard-Charts ein. Tupac war damit der erste Künstler, der ein Nummer-eins-Album hatte, während er im Gefängnis saß. Es ist sein persönlichstes Werk. Dear Mama erzählt ohne Beschönigung von Afenis Sucht und ihrer Liebe; So Many Tears und Temptations folgten als Singles. Im Video zu Temptations traten Freunde wie Jada Pinkett, Ice-T und Coolio an seiner Stelle auf.
Im Gefängnis las er wieder viel, darunter Machiavellis Der Fürst und Sun Tzus Die Kunst des Krieges. Am 29. April 1995 heiratete er dort seine Freundin Keisha Morris, eine Jurastudentin; die Ehe wurde etwa zehn Monate später annulliert. In Interviews kündigte er an, mit THUG LIFE abzuschließen.



XII
Freiheit für 1,4 Millionen Dollar


Die Anwaltskosten hatten ihn ruiniert, und Afeni drohte ihr Haus zu verlieren. Über Keisha Morris kam der Kontakt zu Suge Knight zustande, dem Chef von Death Row Records in Los Angeles, dem Label von Dr. Dre und Snoop Dogg. Knight besuchte Tupac in Dannemora. Am 12. Oktober 1995 kam Tupac frei, weil Death Row eine Kaution von 1,4 Millionen Dollar stellte; sein Berufungsverfahren lief weiter. Der Preis war ein Vertrag über drei Alben.
Noch in derselben Nacht stand er in Los Angeles im Studio. Die Monate danach waren die produktivste Zeit seines Lebens: Er nahm Song um Song auf, drehte Filme und Videos und sammelte eine neue Crew um sich, die Outlawz. Der Journalist Kevin Powell, der ihn noch auf Rikers interviewt hatte, erlebte ihn nach der Entlassung aggressiver, wie verwandelt.
Sein Arbeitstempo wurde berühmt. Freunde und Produzenten erzählten später, wie er an einem Tag mehrere Songs schrieb und einsang, oft in zwei Studioräumen gleichzeitig, und danach direkt zum Filmset fuhr. Viele Aufnahmen aus diesen elf Monaten erschienen erst nach seinem Tod. Den Outlawz gab er Kampfnamen nach Diktatoren und Gegnern der USA: Kadafi, Napoleon, Hussein Fatal, E.D.I. Mean. Sich selbst nannte er bald Makaveli.
XIII
Zwei Alben auf einen Schlag
Am 13. Februar 1996 erschien All Eyez on Me. Das Doppelalbum gilt als erstes des Hip-Hop und erfüllte auf einen Schlag zwei der drei vertraglich vereinbarten Alben. In der ersten Woche verkaufte es sich 566.000-mal, im April 1996 war es fünffach Platin, 2014 folgte Diamant (zehnfach Platin). California Love mit Dr. Dre und How Do U Want It erreichten Platz 1 der Billboard Hot 100.



Der Ton war gegenüber Me Against the World ein anderer: lauter, triumphaler, oft Party, oft Drohung. Mit Bad Boy lag Tupac inzwischen offen im Streit. Er beschuldigte The Notorious B.I.G. und Sean Combs, vom Überfall im Quad gewusst zu haben, und veröffentlichte im Juni 1996 den Diss Hit 'Em Up. Schon im März 1996 waren beide Lager bei den Soul Train Music Awards aneinandergeraten. Aus dem Streit zweier Labels von Ost- und Westküste wurde eine Fehde, die Medien und Fans weiter anheizten.
Das Jahr 1996 war voll. Tupac war Gast bei den Grammys, flog im Juni mit seiner Freundin Kidada Jones zu den Modeschauen nach Mailand und gab am 4. Juli in Los Angeles das Konzert, das später als Live at the House of Blues erschien. Er drehte Gridlock'd und Gang Related, und im Sommer nahm er unter dem neuen Namen Makaveli in wenigen Tagen ein weiteres Album auf.

XIV
Sieben Tage in Las Vegas
Am 7. September 1996 sah Tupac mit Suge Knight im MGM Grand in Las Vegas den Boxkampf zwischen Mike Tyson und Bruce Seldon. In der Hotellobby zeigte ein Death-Row-Begleiter auf Orlando Anderson, ein Mitglied der South Side Compton Crips, der ihm Monate zuvor eine Death-Row-Kette hatte abnehmen wollen. Tupac und Knights Leute schlugen Anderson zusammen, eine Überwachungskamera zeichnete die Szene auf.
Später am Abend fuhren Knight und Tupac in einem schwarzen BMW 750iL in Richtung von Knights Club 662, gefolgt von einem Konvoi. Gegen 23:15 Uhr hielten sie an einer roten Ampel an der Kreuzung East Flamingo Road und Koval Lane, vor dem Maxim Hotel. Ein weißer Cadillac fuhr rechts heran, aus dem Fond fielen Schüsse. Tupac wurde viermal getroffen: zweimal in die Brust, in den Arm und in den Oberschenkel. Knight erlitt Splitterverletzungen am Kopf. Leibwächter Frank Alexander saß nicht im Wagen.
Im University Medical Center wurde Tupac mehrfach operiert, der rechte Lungenflügel wurde entfernt, er lag im künstlichen Koma. Am Freitag, dem 13. September 1996, um 16:03 Uhr starb er an Atem- und Herzversagen infolge der Schussverletzungen. Er war 25 Jahre alt. Am nächsten Tag wurde sein Körper eingeäschert. Die Einzelheiten der Tatnacht stehen auf der Seite Shooting 1996.
XV
Die Alben nach dem Tod

R U Still Down?1997
Greatest Hits1998
Still I Rise1999
Until the End of Time2001
Better Dayz2002
Tupac: Resurrection2003
Tupac hinterließ Hunderte unveröffentlichte Aufnahmen. Schon am 5. November 1996 erschien unter dem Namen Makaveli The Don Killuminati: The 7 Day Theory, aufgenommen im Sommer zuvor, und stieg auf Platz 1 ein. Es folgten R U Still Down? (Remember Me) (1997), Greatest Hits (1998), Still I Rise mit den Outlawz (1999), Until the End of Time (2001), Better Dayz (2002), der Soundtrack zu Tupac: Resurrection (2003), Loyal to the Game (2004) und Pac's Life (2006). Die meisten erreichten Platin.
Über das Werk wachte Afeni Shakur, die inzwischen nüchtern war. 1997 gründete sie das Label Amaru Entertainment und eine Stiftung, die heute Tupac Amaru Shakur Foundation heißt und junge Menschen in den Künsten fördert. 1999 erschien Tupacs Gedichtband The Rose That Grew from Concrete mit Gedichten aus seiner Jugend; viele davon stehen auf unserer Seite Gedichte. Auch auf der Leinwand war er weiter zu sehen: in Bullet (1996), Gridlock'd und Gang Related (beide 1997).
Im Dezember 1997 wies ein Gericht in Los Angeles die Forderung von Billy Garland nach der Hälfte des Erbes ab: Seine Beiträge zu Tupacs Unterhalt seien verschwindend gering gewesen. Eine geplante Beisetzung der Asche in Soweto zum zehnten Todestag 2006 sagte Afeni kurzfristig ab. Der größte Teil ruht Berichten zufolge in ihrer Heimatstadt Lumberton. Afeni Shakur starb am 2. Mai 2016 in Sausalito, Kalifornien.
XVI
Ehrungen und Nachwirkung
Mit über 75 Millionen verkauften Tonträgern gehört Tupac zu den erfolgreichsten Musikern der Welt. Der Dokumentarfilm Tupac: Resurrection, fast nur mit seiner eigenen Stimme erzählt, kam im November 2003 in die Kinos und wurde für den Oscar nominiert. 2010 nahm die Library of Congress Dear Mama in das National Recording Registry auf, das Klangarchiv der Vereinigten Staaten. Am 15. April 2012 stand bei Coachella eine Projektion von ihm neben Dr. Dre und Snoop Dogg auf der Bühne.
Am 7. April 2017 wurde Tupac im ersten Jahr, in dem er dafür in Frage kam, in die Rock & Roll Hall of Fame aufgenommen; die Laudatio hielt Snoop Dogg. Am 16. Juni 2017, seinem 46. Geburtstag, startete das Biopic All Eyez on Me. Im April 2023 lief die Dokuserie Dear Mama von Allen Hughes über Afeni und Tupac an. Am 7. Juni 2023 erhielt er posthum einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame, den Sekyiwa Shakur entgegennahm.



Früh nahm ihn auch die Wissenschaft ernst. Die Universität Berkeley bot schon 1997 ein Seminar über seine Lyrik an, Harvard veranstaltete im April 2003 ein Symposium mit dem Titel „All Eyez on Me: Tupac Shakur and the Search for the Modern Folk Hero“. Der Rolling Stone führt ihn unter den 100 größten Künstlern aller Zeiten. Viele heutige Rapper nennen ihn als ihren wichtigsten Einfluss, und sein Gesicht prangt auf Wandbildern von Harlem bis Rio de Janeiro.
Auch Städte erinnern an ihn. Oakland benannte 2023 einen Abschnitt des MacArthur Boulevard in „Tupac Shakur Way“, Baltimore im Mai 2026 ein Stück der Greenmount Avenue nahe seinem Jugendhaus. Mutulu Shakur kam im Dezember 2022 nach fast 37 Jahren Haft wegen einer Krebserkrankung frei und starb im Juli 2023. Auch die Literatur greift ihn auf: Angie Thomas benannte The Hate U Give nach seinem THUG-LIFE-Motto.
XVII
Ein Urteil nach dreißig Jahren
Fast drei Jahrzehnte lang wurde wegen des Mordes niemand angeklagt. Orlando Anderson, früh als Verdächtiger genannt, bestritt jede Beteiligung und wurde 1998 bei einer anderen Schießerei getötet. Yafeu „Yaki Kadafi“ Fula von den Outlawz, der im Wagen hinter Tupac gesessen hatte, wurde schon im November 1996 in New Jersey erschossen.
Bewegung brachte erst Duane „Keffe D“ Davis, Andersons Onkel und früherer Anführer der South Side Compton Crips. Er hatte Ermittlern schon 2008 geschildert, wie es zu der Tat kam, unter der Zusicherung, dass seine Aussagen nicht gegen ihn verwendet würden. Später wiederholte er die Geschichte in einer Fernsehdoku und in seinem Buch Compton Street Legend (2019). Im Juli 2023 durchsuchte die Polizei ein Haus seiner Frau in Henderson, am 29. September 2023 wurde Davis nach einer Anklage wegen Mordes festgenommen. Er plädierte auf nicht schuldig.
Nach mehreren Verschiebungen begann der Prozess im August 2026 in Las Vegas. Am 31. August 2026 sprach die Jury Davis des Mordes ersten Grades mit einer tödlichen Waffe schuldig. Die Anklage hatte nicht behauptet, dass er selbst geschossen habe, sondern dass er die Waffe besorgt und den Angriff veranlasst habe. Wer abdrückte, ist gerichtlich nicht festgestellt. Davis kündigte Berufung an, das Urteil ist nicht rechtskräftig; das Strafmaß soll am 13. Oktober 2026 verkündet werden (Stand Oktober 2026). Alle Einzelheiten stehen auf der Seite Ermittlungen.
Quellen
24 Belege. Stand des Textes: 9. Oktober 2026.
- 1TIME (2023): Afeni Shakur und der Panther-21-Prozesstime.com
- 2The New Yorker (30.10.2023): Rezension von Staci Robinson, „Tupac Shakur: The Authorized Biography“newyorker.com
- 3People: All About Tupac Shakur's Parents and Siblingspeople.com
- 4New York Amsterdam News (13.09.2016): Tupac Amaru Shakur: Native Harlemiteamsterdamnews.com
- 5Baltimore Magazine: Tupac Shakur spent his formative years in Baltimorebaltimoremagazine.com
- 6Marin Magazine: Tupac Shakur's life in Marinmarinmagazine.com
- 7New York Times (30.11.1994): Rap Artist Tupac Shakur Shot in Robberynytimes.com
- 8New York Times (02.12.1994): Wounded Rapper Gets Mixed Verdict in Sex Abuse Casenytimes.com
- 9New York Times (08.02.1995): Rapper Faces Prison Term for Sex Abusenytimes.com
- 10Billboard: Me Against the World: Jubiläumsartikel (Chartstart Nr. 1)billboard.com
- 11NBC News (2023): Tupac Shakur's stepfather reflects on freedom after 35 years behind barsnbcnews.com
- 12Rolling Stone (2016): Afeni Shakur, Mother of Tupac Shakur and Activist, Dead at 69rollingstone.com
- 13Rock & Roll Hall of Fame: Tupac Shakur (Aufnahme 2017)rockhall.com
- 14Hollywood Walk of Fame: Tupac Shakur erhält posthum einen Sternwalkoffame.com
- 15CBS News (2010): Tupac Shakur honored by Library of Congresscbsnews.com
- 16Installation International: Musion Eyeliner projects Tupac's ghost at Coachella (2012)installation-international.com
- 17The Assembly: Tupac Shakur und Lumberton (Grabstätte der Asche)theassemblync.com
- 18CBS News (31.08.2026): Guilty verdict in Tupac Shakur's 1996 murdercbsnews.com
- 19NPR (01.09.2026): Jury convicts a man of first-degree murder for the 1996 killing of Tupac Shakurnpr.org
- 20Al Jazeera (01.09.2026): Keffe D found guilty of killing Tupac Shakur (Prozessbeginn, Strafmaßtermin)aljazeera.com
- 21Wikipedia (Einstieg): Tupac Shakuren.wikipedia.org
- 22Wikipedia (Einstieg): Murder of Tupac Shakuren.wikipedia.org
- 23Wikipedia (Einstieg): Panther 21en.wikipedia.org
- 24Alte Seite: Tupac Shakur Biografie (thug-life.de, 2006/2010)thug-life.de
Verzeichnis der Abbildungen
- 1Porträt, undatiert.2
- 2Kinderbild, undatiert. Die Personen sind nicht bestimmt.12
- 3Geronimo Pratt, Tupacs Pate. Undatiert.14
- 4Porträt, undatiert.16
- 5Porträt, undatiert.19
- 6Shock G von Digital Underground. Undatiert.20
- 7Auf der Bühne, undatiert.20
- 82Pacalypse Now, 1991.23
- 9Brenda’s Got a Baby, Single.23
- 10Juice, 1992.24
- 11Poetic Justice, 1993.24
- 12Above the Rim, 1994.24
- 13Strictly 4 My N.I.G.G.A.Z., 1993.25
- 14Thug Life: Volume 1, 1994.25
- 15Vor einer Graffitiwand, undatiert.30
- 16Dear Mama, Single von 1995.32
- 17Me Against the World, 1995.33
- 18So Many Tears, Single.33
- 19Temptations, Single.33
- 20Suge Knight, Chef von Death Row Records. Undatiert.34
- 21Am Mikrofon, undatiert.34
- 22All Eyez on Me, 1996.37
- 23California Love, Single.37
- 24How Do U Want It, Single.37
- 25Im Wagen, undatiert.38
- 26The Rose That Grew from Concrete, 1999.40
- 27Tupac: Resurrection, 2003.43
- 28Snoop Dogg. Undatiert.43
- 29Porträt, undatiert.43
Alle Bilder aus dem Fan-Material von united-tupac.com und thuglove.de (2002 bis 2012), für diese Ausgabe in Graustufen gesetzt, nie vergrößert. Hüllen und Plakate: Werke der jeweiligen Rechteinhaber.
Register
- 2Pacalypse Now22
- Above the Rim24
- Afeni Shakur10
- All Eyez on Me36
- Billy Garland10
- Brenda's Got a Baby22
- California Love36
- Dear Mama32
- Digital Underground18
- Ermittlungen44
- Gedichte40
- How Do U Want It36
- I Get Around24
- Jada16
- Jada Pinkett16
- Juice24
- Keep Ya Head Up24
- Keisha Morris32
- Kidada Jones36
- Me Against the World32
- Mopreme Shakur14
- Mutulu Shakur14
- Namen und Aliase12
- Outlawz34
- Poetic Justice24
- Sekyiwa14
- Shock G20
- Shooting 199430
- Shooting 199638
- Snoop Dogg42
- Strictly 4 My N.I.G.G.A.Z.24
- Suge Knight34
- The Don Killuminati: The 7 Day Theory40
Weiterlesen
- Lesane, Tupac, 2Pac, Makaveli: ein Leben in Namen
- Konzerte und Live-Auftritte: Was belegt ist
- Die Timeline 1968 bis heute
- Die Shootings 1994 und 1996
Zu dieser Ausgabe
Stand des Textes: 9. Oktober 2026.
United-Tupac.Com, die deutsche Tupac-Shakur-Seite. Fanseite seit 2002.
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