Hintergrund · The Rose That Grew from Concrete
Bevor Tupac rappte, schrieb er Gedichte. Im November 2000, ein Jahr nach dem Erscheinen seines Gedichtbands The Rose That Grew from Concrete, folgte ein Album unter demselben Titel: Schauspieler, Dichter, Rapper und Musiker lesen und vertonen darin seine Texte. Es ist das ungewöhnlichste Werk in seiner Diskografie, und das einzige, auf dem Tupac selbst kaum zu hören ist.
Wie die Verse aus Marin County ins Studio kamen
Die Gedichte entstanden um 1989 bis 1991, als Tupac als Teenager in Marin County lebte. Leila Steinberg, eine Lehrerin und Lyrik-Veranstalterin, die ihn damals förderte und kurzzeitig managte, hatte die Blätter gesammelt und aufbewahrt. 1999 erschienen sie als Buch, komplett mit Faksimiles der handschriftlichen Seiten (mehr dazu bei den Büchern).
Für das Album übernahmen Afeni Shakur und Steinberg gemeinsam mit dem früheren Black-Panther-Aktivisten und Filmemacher Jamal Joseph die Leitung. Im Mittelpunkt stehen nicht Gesangsspuren, sondern seine geschriebenen Texte. Nur das kurze Tupac Interlude zu Beginn und einzelne eingestreute Aufnahmen bringen ihn selbst zu Gehör.
Dichter, Weggefährten und Rapper leihen Tupac ihre Stimmen
Die Besetzung reicht weit über den Hip-Hop hinaus. Mos Def trägt Can U C the Pride in the Panther in zwei Fassungen vor, Dead Prez machen aus U R Ripping Us Apart!!! einen Rap-Track. Die Dichterinnen Sonia Sanchez und Nikki Giovanni lesen When Ure Heart Turns Cold und das Titelgedicht. Schauspieler Danny Glover spricht A River That Flows Forever gemeinsam mit Afeni Shakur, begleitet von Mitgliedern des Ensembles von Der König der Löwen.
Weitere Beiträge kommen von Q-Tip (The Fear in the Heart of a Man), Quincy Jones und Mac Mall (Starry Night, produziert von QDIII) sowie Russell Simmons, Rev Run, Jasmine Guy und Malcolm-Jamal Warner. Auf In the Event of My Demise treffen die Outlawz auf Geronimo Ji-Jaga Pratt, den früheren Black-Panther-Anführer und Paten Tupacs. K-Ci singt mit 4th Avenue Jones Wife 4 Life.
Kein Charterfolg, aber ein Blick hinter das Thug-Life-Image
Kommerziell blieb das Album eine Randerscheinung: Platz 89 in den Billboard 200, bis 2011 laut Nielsen-Zahlen rund 263.000 verkaufte Exemplare in den USA. Für viele Fans ist es dennoch ein wichtiges Dokument. Es zeigt eine Seite, die in der Debatte um „Thug Life“ oft untergeht: den jungen Dichter, der über Liebe, Gott, Rassismus und Verletzlichkeit schreibt.
Die Bandbreite der Stimmen macht das Album uneinheitlich, manche Beiträge wirken eher wie Lesungen als wie Lieder. Gerade darin liegt aber sein Reiz: Es zeigt, wie viele verschiedene Menschen sich auf Tupacs Worte berufen. 2005 folgte mit The Rose, Vol. 2 eine Fortsetzung mit deutlich stärkerem Rap-Anteil.
