Hintergrund · Loyal to the Game
Im Jahr 2004 trafen zwei Hip-Hop-Generationen aufeinander: Eminem, damals der erfolgreichste Rapper der Welt, produzierte fast alle Stücke und formte Aufnahmen aus den frühen Neunzigern zu einem Album im Klang von 2004. Kein posthumes Werk von Tupac hat so viele Diskussionen ausgelöst wie Loyal to the Game. Das Ergebnis stand auf Platz 1 der US-Charts und brachte mit Ghetto Gospel einen Nummer-eins-Hit in Großbritannien hervor.
Ein Brief an Afeni Shakur öffnet das Archiv
Eminem wandte sich nach eigener Darstellung brieflich an Afeni Shakur und bot an, mit unveröffentlichtem Material zu arbeiten. Erste Ergebnisse erschienen 2003 auf dem Soundtrack Tupac: Resurrection, darunter Runnin' (Dying to Live) mit The Notorious B.I.G.
Für Loyal to the Game erhielt er Zugriff auf Aufnahmen aus der Interscope-Zeit vor Death Row, also aus den Jahren 1991 bis 1994.
Neue Beats, zerschnittene Silben und Gäste aus Eminems Umfeld
Eminem und sein langjähriger Keyboarder Luis Resto bauten sämtliche Instrumentals neu. Um Tupacs Stimme an die neuen Tempi anzupassen, veränderten sie Tonhöhe und Geschwindigkeit. An einigen Stellen schnitten sie Silben sogar so zusammen, dass Tupac Wörter sagt, die er so nie aufgenommen hatte. Diese technischen Eingriffe blieben der Hauptgrund für die anhaltende Kritik am Album.
Die Gäste spiegeln Eminems damaliges Umfeld: G-Unit auf dem Titelsong, Obie Trice auf Hennessey, Jadakiss auf N.I.G.G.A. und Nate Dogg auf Thugs Get Lonely Too. Eminem selbst rappt auf Soldier Like Me und Black Cotton. Am erfolgreichsten wurde Ghetto Gospel, das auf Elton Johns Indian Sunset von 1971 aufbaut. Elton John gab dafür ausdrücklich seine Zustimmung.
Platin in den USA, Platz 1 in Großbritannien
Das Album stieg auf Platz 1 der Billboard 200 ein und wurde im Februar 2005 mit Platin ausgezeichnet. Thugs Get Lonely Too diente als Promo-Single, Ghetto Gospel war die eigentliche Auskopplung.
In Europa entwickelte sich die Single zum Hit: Das Lied stand im Sommer 2005 auf Platz 1 der britischen Singlecharts und erreichte Platz 3 in Deutschland. In den USA kam es nicht in die Hot 100.
Kritik an der bearbeiteten Stimme und zwei Lager unter den Fans
Die Kritiken fielen gemischt aus. AllMusic und der Rolling Stone vergaben jeweils drei von fünf Sternen, Vibe dreieinhalb. PopMatters (5 von 10) und The Independent (2 von 5) bemängelten vor allem die Bearbeitung der Stimme.
Viele Fans halten das Album für ein Eminem-Projekt mit Tupac als Gast, andere schätzen es gerade wegen der neuen Perspektive. Unstrittig ist der Erfolg von Ghetto Gospel: In Europa gehört das Lied unverändert zu Tupacs bekanntesten Titeln.