GedichtTeil „Nothing Can Come Between Us“
What I See!
Mit geschlossenen Augen sieht er die Chance, die sie aus Angst verpasst: In „What I See!“ wirbt der Sprecher nach alten Verletzungen um neues Vertrauen.
- Buch
- The Rose That Grew from Concrete (1999)
- Teil
- Nothing Can Come Between Us
- Originaltext
- nicht abgedruckt (Urheberrecht); nachzulesen im Buch
Das Ausrufezeichen im Titel ist kein Versehen: Es steht im Buch genau so gedruckt. What I See! gehört zum zweiten Teil von The Rose That Grew from Concrete („Nothing Can Come Between Us“) und reiht sich dort in eine Gruppe von Liebesgedichten ein, in denen Amor als Figur auftaucht. Der Text setzt auf Nachdruck statt zögerliche Andeutungen: Es ist das Werben um eine Partnerin, die vor ihren eigenen Gefühlen zurückschreckt.
Mit geschlossenen Augen sieht er die Chance
Das Gedicht beginnt mit einem Paradox: Ausgerechnet mit geschlossenen Augen sieht der Sprecher, dass beide eine Chance auf großes Glück haben. Die Angesprochene dagegen ist von „Wolken des Zweifels“ blind gemacht und fürchtet die Gefühle, die sie finden könnte. Er weiß, dass sie früher verletzt wurde, lässt das aber nicht als Ausrede gelten, die Saat zu ignorieren, die Amor gepflanzt hat.
Der Hauptteil arbeitet mit Bildern aus der Natur. Das junge Gefühl soll atmen und wachsen dürfen. Eine vernachlässigte Blume verwelkt und stirbt; mit Ehrlichkeit, Leidenschaft und gegenseitigem Respekt dagegen könnten beide über den Himmel hinausfliegen. Am Ende bittet er sie, nicht dem zu folgen, was sie sieht, sondern dem Rhythmus in ihrem Herzen. Sie soll ihm glauben, auch wenn sie im Dunkeln nicht erkennen kann, was dort liegt.
Diesmal braucht die Rose Fürsorge
Die Blume, die gepflegt werden muss, ist ein Lieblingsbild des jungen Tupac. Am bekanntesten ist das Titelgedicht The Rose That Grew from Concrete, in dem eine Rose ohne jede Pflege aus dem Beton wächst. In What I See! ist die Lage umgekehrt: Hier braucht das Pflänzchen Fürsorge, sonst stirbt es. Das Motiv der verletzten Partnerin, die sich nicht öffnen kann, kehrt in When I Do Kiss U wieder.
Überzeugungsrede statt Klage
Auffällig ist, wie selbstbewusst der Sprecher wirbt: Nicht er zweifelt, sondern sie. Das Gedicht ist damit weniger Klage als Überzeugungsrede. Datiert ist es nicht; laut dem Vorwort von Afeni Shakur entstanden die Gedichte zwischen 1989 und 1991.
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