Hintergrund · R U Still Down?
Ein gutes Jahr nach Tupacs Tod kam kein neuer Death-Row-Sound auf den Markt, sondern Musik aus den Jahren davor. R U Still Down? (Remember Me) versammelt Aufnahmen von 1992 bis 1994, die bei Interscope liegen geblieben waren. Es war das erste Album, das ohne seine Mitwirkung zusammengestellt wurde. Herausgeberin war seine Mutter.
Afeni Shakur sichert das Archiv
Nach Tupacs Tod sicherte sich Afeni Shakur die Rechte an seinem unveröffentlichten Material. 1997 gründete sie das Label Amaru Entertainment, benannt nach dem Inka-Rebellen Túpac Amaru, auf den der Vorname ihres Sohnes zurückging. R U Still Down? war die erste Veröffentlichung des Labels.
Die Lieder stammen aus der Phase von Strictly 4 My N.I.G.G.A.Z., Thug Life und Me Against the World. Für viele Stücke baute das Produzententeam We Got Kidz neue Instrumentals, andere blieben weitgehend im Originalzustand. Das erklärt den gemischten Klang des Albums: Neben polierten R&B-Beats stehen raue Ostküsten-Produktionen von Live Squad aus dem Jahr 1993.
Alte Weggefährten treffen auf neue Beats
Als bekanntester Titel sticht I Wonder If Heaven Got a Ghetto heraus, das in zwei Fassungen vorliegt: Soulshock & Karlin produzierten die Albumversion neu, das Original stammte von Laylaw. Das Produzentenduo zeichnet auch für Do for Love mit Eric Williams von Blackstreet verantwortlich, aufgebaut auf Bobby Caldwells What You Won't Do for Love. Warren G steuerte Lie to Kick It und Definition of a Thug Nigga bei. 16 on Death Row und Only Fear of Death zeigen die düstere Seite der frühen Neunziger.
Bei den Gästen dominieren Weggefährten aus der Thug-Life-Zeit: Big Syke, Stretch, Spice 1, Richie Rich und Dramacydal, aus denen später die Outlawz wurden.
Platz 2 in den Charts und Vierfach-Platin
Das Album stieg auf Platz 2 der Billboard 200 ein und führte die R&B/Hip-Hop-Charts an. Noch im Dezember 1997 vergab die RIAA vierfaches Platin, da bei Doppelalben jede CD einzeln zählt. Im Herbst 1997 erschien I Wonder If Heaven Got a Ghetto als Single, gefolgt von Do for Love im Februar 1998. Letzteres kletterte auf Platz 21 der Hot 100, erreichte Platz 12 in Großbritannien und erhielt in den USA Gold.
26 Lieder und der Beginn der Remix-Debatte
Die Kritiken fielen gemischt aus. Spin fand das Material trotz aller selbstzerstörerischen Momente eindringlich, Entertainment Weekly hörte Tupacs rohes Talent durch die Nachbearbeitung hindurch. Kritisiert wurde vor allem der Umfang: 26 Lieder, von denen nicht alle fertig waren.
Mit R U Still Down? begann ein Muster, das die folgenden Jahre prägte. Die Fans verlangten nach neuem Material, der Nachlass lieferte, und zugleich begann die Debatte, wie stark Remixe und neue Beats das Original verändern dürfen.
