Hintergrund · 2Pacalypse Now
Im November 1991 kannten die meisten Hörer Tupac Shakur höchstens als Tänzer und Gastrapper von Digital Underground. Dann erschien 2Pacalypse Now. Darauf rappte ein Zwanzigjähriger über Polizeigewalt, Armut und Teenager-Schwangerschaften, so direkt, dass sich bald das Weiße Haus mit ihm beschäftigte. Ein Hit war das Debüt nicht, aber es machte ihn zum Thema.
Ein Jahr im Studio nördlich von Oakland
Tupac war 1990 über Shock G zu Digital Underground gekommen. Auf deren EP This Is an EP Release war er zum ersten Mal auf Platte zu hören. Parallel nahm er eigene Stücke auf, mit dem Produzentenkreis um die Band, der sich The Underground Railroad nannte. Manager Atron Gregory brachte das Projekt bei Interscope unter. Das Label war damals jung und setzte bewusst auf unbequemen Rap.
Die Lieder entstanden über gut ein Jahr verteilt im Starlight Sound in Richmond, nördlich von Oakland. Klanglich blieb das Album nah am Funk der Bay Area jener Zeit, also der Region um die Bucht von San Francisco: harte Drums, Funk-Samples, wenig Glanz. Samples sind Ausschnitte aus fremden Aufnahmen, die neu zusammengesetzt werden. Das Gewicht lag ohnehin auf den Texten.
Reportagen aus dem Viertel
Trapped beschreibt, wie es sich anfühlte, als junger Schwarzer in Oakland ständig von der Polizei kontrolliert und eingesperrt zu werden. Brenda's Got a Baby erzählt in drei Strophen von einem zwölfjährigen Mädchen, das ein Kind bekommt und auf der Straße endet. Nach Tupacs Aussage ging das Lied auf eine Zeitungsmeldung zurück.
Soulja's Story und I Don't Give a Fuck sind wütender und zielen auf Polizei und Staat. In Words of Wisdom und Part Time Mutha zeigt sich schon die Mischung aus Anklage, Selbstbehauptung und Sozialreportage, die seine späteren Alben prägen sollte.
Brenda kam am weitesten
Ausgekoppelt wurden Trapped (September 1991), Brenda's Got a Baby und If My Homie Calls. Den größten Erfolg hatte Brenda's Got a Baby mit Platz 23 der R&B/Hip-Hop-Singles und Platz 3 der Rap-Charts.
Ein Vizepräsident gegen ein Rap-Album
Im April 1992 erschoss der neunzehnjährige Ronald Ray Howard in Texas einen State Trooper, einen Beamten der Staatspolizei. Seine Verteidigung argumentierte, das Album habe ihn beeinflusst. Im Wagen sei eine Kassette von 2Pacalypse Now gelaufen.
Vizepräsident Dan Quayle griff den Fall auf und erklärte, es gebe keinen Grund, eine solche Platte zu veröffentlichen. Die Debatte machte Tupac landesweit bekannt, bevor er einen echten Hit hatte. Die Witwe des Polizisten verklagte ihn später zivilrechtlich, die Klage blieb ohne Erfolg.
Gold erst im vierten Jahr
Kommerziell war das Debüt ein langsamer Erfolg. In den Billboard 200 kam es nur auf Platz 64, verkaufte sich aber über Jahre weiter. Im April 1995 erhielt es Gold für 500.000 Exemplare, und Tupac war inzwischen ein Star.
AllMusic vergab dreieinhalb von fünf Sternen, das britische Magazin Q vier. Gelobt wird meist die Ernsthaftigkeit der Texte, bemängelt eine eher unauffällige Produktion.
Alles schon da, nur roher
Rückblickend ist 2Pacalypse Now das politischste Album seiner Karriere. Viele Themen, die Tupac später erfolgreicher verarbeitete, sind hier schon angelegt: die Mutterfigur, Gewalt in der Nachbarschaft, das Misstrauen gegenüber Polizei und Justiz. Sie klingen roher und kommen ohne die großen Refrains der späteren Jahre aus.
Seine Themen hatte der Zwanzigjährige aus Oakland also schon gefunden. Was ihm noch fehlte, waren die Hits.
