Tupacs Debütalbum 2Pacalypse Now erschien im November 1991 bei Interscope. Es war ein politisches Album: Songs wie Brenda’s Got a Baby, Trapped und Soulja’s Story erzählten von Armut, Polizeigewalt und Ohnmacht in den Schwarzen Vierteln Amerikas. Ein knappes Jahr später machte ein Kriminalfall das Album zum Wahlkampfthema.
Der Fall in Texas
Am 11. April 1992 hielt der texanische State Trooper Bill Davidson bei Edna in Texas einen gestohlenen Wagen mit defektem Scheinwerfer an. Der 19-jährige Fahrer Ronald Ray Howard schoss ihm in den Hals; Davidson starb drei Tage später. Howards Verteidigung argumentierte später, er habe zur Tatzeit eine Kassette von 2Pacalypse Now gehört, und die Polizeikritik in Tupacs Texten habe ihn beeinflusst. Eine Jury sprach Howard im Juni 1993 des Mordes schuldig, er wurde zum Tode verurteilt und 2005 hingerichtet.
„Kein Platz in unserer Gesellschaft“
Am 22. September 1992, mitten im Präsidentschaftswahlkampf, griff Vizepräsident Dan Quayle den Fall auf. Er erklärte, das Album habe „keinen Platz in unserer Gesellschaft“, und forderte die Plattenfirma auf, es zurückzuziehen. Die Los Angeles Times berichtete am nächsten Tag darüber.
Oft heißt es, Quayle habe „dafür gesorgt, dass das Album in den USA verboten wurde“. Das stimmt nicht: 2Pacalypse Now wurde weder verboten noch zurückgezogen. Die Debatte machte Tupac vielmehr landesweit bekannt. Auch beim Datum der Tat gibt es Irrtümer: Mitunter wird der 24. April 1992 genannt, richtig ist der 11. April.
Die Folgen
Die Familie des getöteten Polizisten verklagte Tupac, Interscope und Time Warner mit dem Argument, die Texte riefen zu Gewalt auf. Die Klage hatte keinen Erfolg: 1997 entschied ein Bundesrichter in Texas, das Album sei zwar „widerwärtig und beleidigend“, aber durch die Meinungsfreiheit geschützt. Der Fall wurde dennoch zu einem Bezugspunkt für die Kampagnen gegen Gangsta-Rap, die wenig später unter anderem C. Delores Tucker anführte.
Für Tupac war Quayle kein persönlicher Gegner, sondern ein Symbol. Er sprach in Interviews über die Kritik und darüber, dass ein Politiker sein Album verdammte, ohne über die Zustände zu reden, die es beschrieb. Mehr zur Gruppe, mit der das Album entstand, unter Underground Railroad.