Hintergrund · Until the End of Time
29 Lieder auf zwei CDs, aufgenommen 1995 und 1996 in denselben Nächten wie All Eyez on Me und The Don Killuminati: Viereinhalb Jahre nach Tupacs Tod erschien mit Until the End of Time das erste große Album mit unveröffentlichtem Material aus seiner Death-Row-Zeit. Es stieg direkt auf Platz 1 ein und warf die Frage auf, wie viel vom Original in einer posthumen Veröffentlichung stecken muss.
Kampf um die Bänder: Amaru und Death Row einigen sich
Bei Death Row hatte Tupac 1995 und 1996 weit mehr aufgenommen, als auf zwei Alben passte. Nach Tupacs Tod lagen die Rechte bei Death Row, während seine Mutter Afeni Shakur um die Kontrolle über den Nachlass kämpfte.
Until the End of Time entstand als gemeinsames Projekt von Amaru und Death Row. Suge Knight saß zu dieser Zeit selbst im Gefängnis, wird aber dennoch als ausführender Produzent geführt.
Neue Instrumentals, doppelte Fassungen und ungeborene Kinder
Fast alle Lieder wurden für das Album neu bearbeitet. Zum Teil blieben Johnny „J“s Originalbeats erhalten, zum Teil wurden die Instrumentals komplett ausgetauscht. Mehrere Stücke stehen gleich in zwei Fassungen auf dem Album, etwa Thug N U Thug N Me mit K-Ci & JoJo oder Let 'Em Have It, einmal mit SKG und einmal als Remix mit Lisa „Left Eye“ Lopes von TLC.
Der Titelsong mit R.L. von der Band Next baut auf Broken Wings von Mr. Mister auf; eine zweite Fassung enthält Gesang von Mr.-Mister-Sänger Richard Page. Die Outlawz sind auf zahlreichen Stücken zu hören, darunter Breathin', All Out und Runnin' on E. Mit Letter 2 My Unborn und Words 2 My First Born (mit Above the Law, produziert von DJ Quik) richtet sich Tupac an Kinder, die er nie hatte.
Mit 427.000 Verkäufen an die Spitze der Billboard 200
Das Album stieg mit rund 427.000 verkauften Exemplaren auf Platz 1 der Billboard 200 ein. Die Single Until the End of Time erreichte Platz 52 der Hot 100, in Großbritannien aber Platz 4 und in Deutschland Platz 33. Im Sommer 2001 folgte Letter 2 My Unborn.
2014 vergab die RIAA vierfaches Platin, wobei jede CD des Doppelalbums einzeln zählt. Eine oft genannte Zahl von „über drei Millionen verkauft“ ließ sich nicht belegen. 2021 erschien eine Jubiläumsausgabe zum 20. Jahrestag.
Glatte Remixe gegen den rauen Death-Row-Klang
Kritiker lobten Tupacs Strophen, bemängelten aber die Masse an Material und die oft glatte Nachproduktion im Stil von 2001. Viele Fans kritisieren, dass die neuen Beats den rauen Charakter der Death-Row-Originale verwässern; ursprüngliche Fassungen kursieren seit Jahren als Bootlegs.
Gleichzeitig war das Doppelalbum für viele jüngere Hörer der erste Kontakt mit Tupac. Es bewies, dass sein Name auch Jahre nach seinem Tod die Charts anführen konnte, und markierte den Beginn einer Debatte über Remixe, die den Umgang mit seinem musikalischen Nachlass prägen sollte.
