Zum Inhalt
Design:StandardSiebdruck
Die deutsche Tupac-Shakur-Seite · seit 2002 Leben, Werk, Umfeld und Tod Design:StandardSiebdruck
United·Tupac.Com Seit 2002
Menü

1.452 Wörter · 7 Min.

Der Prozess gegen Duane „Keffe D“ Davis (Las Vegas 2026)

Fast 30 Jahre nach den Schüssen der erste Mordprozess im Fall Tupac: Beweise, Zeugen, Schuldspruch vom 31.08.2026. Nicht rechtskräftig.

Immunität
Die Verteidigung argumentierte, die Gespräche mit Bundesermittlern von 2008 seien durch eine Proffer-Vereinbarung geschützt, also eine Absprache, die Aussagen in einem vertraulichen Gespräch mit Ermittlern vor Verwertung schützen soll. Die Richterin wies das im Januar 2025 ab; nach Darstellung der Anklage band die Vereinbarung den Bundesstaat Nevada nicht.
Durchsuchung
Am 17. Februar 2026 scheiterte ein Antrag, Beweise aus der nächtlichen Hausdurchsuchung vom Juli 2023 auszuschließen.
Das Buch
Am 30. Juni 2026 ließ Kierny Davis’ Autobiografie Compton Street Legend (2019) als Beweis zu: Davis habe sich den Text trotz Ghostwriter zu eigen gemacht.
Das Interview von 2008
Ende Juli 2026 entschied sie, dass auch die Aufzeichnungen des Gesprächs mit Ermittlern von 2008 gezeigt werden dürfen. Gang-Beweise wurden für das Motiv zugelassen.

Stand Oktober 2026: Eine Jury in Las Vegas hat Duane „Keffe D“ Davis am 31. August 2026 des Mordes an Tupac Shakur schuldig gesprochen. Das Strafmaß soll am 13. Oktober 2026 verkündet werden; ihm droht lebenslange Haft. Davis bestreitet die Tat und hat Berufung angekündigt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Der erste Zeuge hatte 1996 mit Tupac Shakur im Krankenwagen gesessen. Am 17. August 2026 erzählte der frühere Polizist Garry Dale den Geschworenen in Las Vegas, wie er den Schwerverletzten nach dem Schützen gefragt hatte. Tupac habe sinngemäß geantwortet: „Nein, wir kümmern uns selbst darum.“ (siehe Letzte Worte).

Fast 30 Jahre nach den Schüssen stand damit zum ersten Mal ein Mensch wegen des Mordes an Tupac vor Gericht. Wie es zur Anklage kam, steht auf der Seite Die Ermittlungen, den Tathergang beschreibt die Seite Das Shooting in Las Vegas 1996.

Die Anklage

Davis, zum Prozessbeginn 63 Jahre alt, war am 29. September 2023 in Henderson bei Las Vegas festgenommen worden. Eine Grand Jury hatte ihn wegen Mordes unter Einsatz einer tödlichen Waffe angeklagt, mit dem Zusatz, die Tat habe einer kriminellen Gang gedient. Am 2. November 2023 plädierte er auf nicht schuldig. Die Staatsanwaltschaft von Clark County verzichtete auf die Todesstrafe.

Selbst geschossen habe Davis nicht, so die Anklage. Als Anführer seiner Gruppe der Southside Compton Crips habe er nach der Prügel gegen seinen Neffen Orlando Anderson im MGM Grand eine Waffe besorgt, sei mit drei Begleitern im Cadillac nach Tupac und Suge Knight „auf die Jagd“ gegangen und habe die Waffe nach hinten gereicht. Nach dem Recht in Nevada kann wegen Mordes verurteilt werden, wer eine Tat plant, anordnet oder vorsätzlich ermöglicht. Die drei anderen Männer aus dem Wagen sind tot und wurden nie angeklagt.

Die Beschlüsse vor dem Prozess

Der Termin wurde mehrfach verschoben, und Davis wechselte mehrmals die Verteidiger. Am Ende vertrat ihn Michael Sanft, nach eigenen Angaben ohne Honorar. Den Vorsitz führte Richterin Carli Kierny vom District Court in Las Vegas.

Viel hing schon vorher von den Beschlüssen über das Beweismaterial ab:

Damit drehte sich der Prozess um das, was Davis selbst über die Nacht erzählt hatte.

Neun Verhandlungstage, 24 Zeugen

Am 10. August 2026 begann im Regional Justice Center die Auswahl der Geschworenen. Am 13. August stand die Jury: zwölf Geschworene und vier Ersatzleute. Am 17. August folgten die Eröffnungsplädoyers. „Duane Davis hat nicht abgedrückt“, sagte Staatsanwalt Binu Palal, aber er habe dafür gesorgt, dass die Schützen bewaffnet waren. Verteidiger Sanft hielt dagegen, es gebe keinen echten Beweis, nicht einmal dafür, dass Davis an jenem Abend in Las Vegas war.

Die Anklage rief in neun Verhandlungstagen 24 Zeugen auf und spielte über acht Stunden Aufnahmen vor, meist von Davis selbst. Die Verteidigung brauchte für ihre drei Zeugen am 27. August weniger als zwei Stunden. Davis sagte nicht aus.

Die Beweise der Anklage

Physische Spuren, die Davis mit der Tat verbinden, gab es nicht. Die Anklage baute ihren Fall aus anderen Teilen:

  • Davis’ Aussagen: das Proffer-Gespräch von 2008, ein Interview von 2009, die BET-Dokuserie Death Row Chronicles (2018), YouTube-Interviews und das Buch. In einer im Schlussplädoyer zitierten Aufnahme von 2009 sagt er: „He gave me the gun.“
  • Ein Mitschnitt aus der Haft: In einem Telefonat aus dem Gefängnis 2023 sagt Davis, er habe „Blut an meinem Geld“.
  • Das Video aus dem MGM Grand: Ein Ermittler von MGM Resorts bestätigte die Echtheit der VHS-Aufnahmen von 1996, räumte aber ein, dass einzelne Personen darauf schwer zu erkennen seien.
  • Spurensicherung und Obduktion: Am 18. August sahen die Geschworenen Hülsen vom Tatort und Fotos aus der Obduktion. Einige Angehörige verließen vorher den Saal. Mehr dazu unter Verletzungen und Todesursache.
  • Details, die nur ein Beteiligter kennen könne: etwa Davis’ Angabe von 2008, ein Chrysler Sebring sei ihnen nach den Schüssen gefolgt, dazu eine Hotelquittung des Excalibur auf Andersons Namen und ein Sammelalbum mit Artikeln über Tupac und Biggie aus Davis’ Haus.

Die Zeugen

Nach Garry Dale sagte der damalige Ermittler Brent Becker aus, kein Zeuge habe den Schützen erkannt. In den folgenden Tagen hörten die Geschworenen unter anderem:

  • die Gerichtsmedizinerin Dr. Lisa Gavin, die anhand der Akten die Todesursache erläuterte, weil der Obduzent von 1996 nicht mehr lebt;
  • James McDonald, früher Sicherheitschef im Club 662 und nach eigenen Angaben Mitglied der Mob Piru, ein erkennbar unwilliger Zeuge;
  • Reggie Wright Jr., früher Polizist in Compton und Sicherheitschef von Death Row. Auf die Frage des Staatsanwalts, ob er etwas mit dem Mord zu tun habe, antwortete er: „Absolut nicht.“;
  • den früheren FBI-Agenten Wade Lee über ein Gespräch mit Davis von 1998, in dem dieser noch eine ganz andere Version erzählte;
  • den früheren LAPD-Detective Daryn Dupree über die Gespräche von 2008. Davis habe damals gesagt, die Waffe sei zuerst an DeAndre Smith gegangen, dann habe Anderson geschossen;
  • den Bandenexperten Robert Ladd, der Davis als „Shot-Caller“ beschrieb, als jemanden, der in der Gang die Befehle gibt;
  • am 25. August Malcolm Greenidge, als E.D.I. Mean von den Outlawz bekannt, der im Auto hinter Tupac saß. Er sah „den Arm und die Waffe“, aber keine Gesichter.

Dupree gab auch Davis’ Behauptung von 2008 wieder, Sean „Puffy“ Combs habe Geld für den Mord an Tupac und Suge Knight in Aussicht gestellt. Das ist eine wiedergegebene Behauptung, kein Beweis. Combs hat jede Beteiligung stets bestritten; er wurde im Fall Shakur nie beschuldigt oder angeklagt, und auch die Anklage im Prozess erhob keinen Vorwurf gegen ihn. Davis selbst nannte die Behauptung nach dem Urteil erfunden.

Ein Verteidiger gegen die Geschichten seines Mandanten

Sanft wählte eine ungewöhnliche Linie: Er griff die Glaubwürdigkeit seines eigenen Mandanten an. Davis habe seine Geschichte für Geld und Aufmerksamkeit ausgeschmückt, das Buch sei zum großen Teil Fiktion, die Versionen widersprächen sich. Kein Video, keine Telefondaten, kein Hotelzeuge lege ihn in jener Nacht nach Las Vegas. Selbst Ankläger Marc DiGiacomo nannte das Buch weitgehend „Müll“. Der Kern aber sei stabil: Davis saß im Cadillac.

Die drei Zeugen der Verteidigung waren frühere Beamte der Polizei von Las Vegas. Einer berichtete, er habe in der Tatnacht einen hellen Cadillac vom Anwesen Suge Knights wegfahren sehen. Ein anderer musste einräumen, dass Akten verloren gegangen waren. Ein früherer Detective sagte, er hätte Davis schon 2009 festnehmen wollen; laut Rolling Stone sei ihm damals bedeutet worden, sich zurückzuhalten.

Das Urteil am Abend des 31. August

Am 31. August 2026 hielten beide Seiten ihre Schlussplädoyers. Kurz zuvor hatte die Anklage den Gang-Zusatz fallen gelassen. Die Geschworenen berieten ab etwa 14 Uhr knapp drei Stunden und sprachen Davis gegen 17:15 Uhr schuldig: Mord ersten Grades unter Einsatz einer tödlichen Waffe. Er ist der Erste, der für den Mord an Tupac verurteilt wurde.

Im Saal saßen Angehörige, darunter Tupacs Schwester Sekyiwa Shakur, die beim Urteil weinte. Davis blieb ruhig und sagte der Richterin, er wolle Berufung einlegen. Die Familie erklärte am Tag darauf, sie sei „begeistert und erleichtert“, und würdigte Afeni Shakur. Eine Zivilklage der Familie gegen Davis läuft seit April 2026.

Strafmaß und Berufung stehen noch aus

Das Strafmaß soll Richterin Kierny am 13. Oktober 2026 verkünden; bis dahin bleibt Davis ohne Kaution in Haft. Ihm droht lebenslange Haft. Sanft kündigte an, das gesetzliche Mindestmaß zu beantragen.

Eine Berufung ist erst nach dem Strafmaß möglich. Als Hauptpunkt nannte Sanft die Zulassung der Aussagen von 2008, dazu die kurze Beratungszeit und die Berichterstattung vor dem Prozess. Bis zu einer Entscheidung des Nevada Supreme Court rechnet er mit bis zu einem Jahr. Im Hollywood Reporter beteuerte Davis am 4. September seine Unschuld: Er sei in jener Nacht nicht in Las Vegas gewesen, Buch und Interviews seien erfunden. Das hat kein Gericht geprüft.

Was das Urteil klärt und was nicht

Wer im Cadillac abdrückte, musste das Gericht nicht entscheiden; Davis nannte 2008 Anderson, ein Zeuge vor der Grand Jury 2023 DeAndre Smith. Ob jemand den Mord in Auftrag gab, blieb offen. Die früheren Spuren und Verdächtigungen ordnet die Seite Verdächtige im Überblick ein. Nach dem 13. Oktober 2026 wird diese Seite aktualisiert.

Verurteilt wurde ein Mann, dessen eigene Aussagen den Kern der Anklage bildeten. Wer geschossen hat, ist weiterhin nicht gerichtlich festgestellt.