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1.213 Wörter · 6 Min.

Verdächtige im Mordfall Tupac: Namen, Belege, Dementis

Von Orlando Anderson bis Duane Davis: wer im Mordfall Tupac unter Verdacht geriet, was belegt ist, was bestritten wird. Stand Oktober 2026.

2002
Die Los Angeles Times schrieb in einer Recherche von Chuck Philips, The Notorious B.I.G. habe den Crips Geld für den Mord geboten. Biggies Familie bestritt das und legte Belege vor, er sei an jenem Abend in New Jersey gewesen. Bewiesen wurde der Vorwurf nie. Zur späteren Glaubwürdigkeitskrise des Reporters siehe Der LA-Times-Skandal um Chuck Philips.
2008
Davis behauptete gegenüber Ermittlern, Sean „Puffy“ Combs habe über einen Mittelsmann eine Million Dollar auf Tupac und Suge Knight ausgesetzt. Greg Kading veröffentlichte das 2011 in Murder Rap. Combs ließ die Darstellung als „pure Fiktion“ zurückweisen und hat jede Beteiligung stets bestritten.

Stand Oktober 2026: Verurteilt wurde im Mordfall Tupac Shakur bisher nur Duane „Keffe D“ Davis (Schuldspruch 31.08.2026, Strafmaß angesetzt für 13.10.2026, Berufung angekündigt, nicht rechtskräftig). Alle anderen auf dieser Seite genannten Personen wurden im Fall Shakur nie angeklagt. Für Lebende gilt: Verdacht ist kein Beweis.

Im Dezember 1996, drei Monate nach den Schüssen auf Tupac Shakur, machte die Polizei in Las Vegas ein bemerkenswertes Eingeständnis. Sie glaube zu wissen, wer geschossen habe, erklärte sie, aber sie habe keinen Fall, der vor Gericht bestehe. Danach vergingen fast drei Jahrzehnte ohne Anklage.

In diese Lücke rückten viele Namen. Manche stammen aus Polizeiakten, manche aus Büchern und Dokumentationen, manche von Menschen, die selbst ein Interesse an ihrer Version hatten. Die alte united-tupac.com führte dazu eine Seite „Verdächtigte“. Diese Fassung ordnet die Namen neu und hält bei jedem fest, wer ihn verdächtigte, was belegt ist und was bestritten wird.

Die Argumente der großen Theorien stehen auf der Seite Theorien, der Verlauf der Ermittlungen auf Ermittlungen, der Prozess auf Der Prozess gegen Duane Davis.

1996: Ein Cadillac, aber keine Gesichter

Am Tatabend fuhr ein weißer Cadillac neben den BMW, in dem Suge Knight am Steuer und Tupac auf dem Beifahrersitz saßen. Die Polizei suchte zwei bis vier Männer, eine genauere Beschreibung gab es nicht. Zeugen aus dem Konvoi schwiegen oder erkannten auf Fotos niemanden.

Dieselbe Erklärung vom Dezember 1996, in der die Polizei von einem Verdacht ohne gerichtsfesten Fall sprach, hielt noch etwas fest: Suge Knight sei kein Verdächtiger.

Vier Männer im Wagen, nach Davis’ eigener Erzählung

Wer im Cadillac saß, ist vor allem durch einen Mann bekannt, der selbst dabei gewesen sein will. Nach der Version, die Duane Davis ab 2008 Ermittlern und ab 2018 öffentlich erzählte und die die Anklage 2026 übernahm, saßen vier Mitglieder der Southside Compton Crips im Wagen, einer Gang aus Compton bei Los Angeles.

Duane „Keffe D“ Davis. Andersons Onkel, nach Angaben der Ermittler ein Anführer der Gang. Er schilderte jahrelang selbst, er habe auf dem Beifahrersitz gesessen und die Waffe nach hinten gereicht. 2023 wurde er angeklagt, 2026 sprach ihn eine Jury schuldig. Davis bestreitet heute jede Beteiligung und nennt seine früheren Erzählungen erfunden. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Orlando „Baby Lane“ Anderson. Der Mann, den Tupac und seine Begleiter am Abend in der Lobby des MGM Grand verprügelten. Informanten der Polizei in Compton nannten ihn schon wenige Tage nach der Tat als Schützen, die Los Angeles Times tat es 2002 ebenso. Im Oktober 1996 wurde er festgenommen und ohne Anklage freigelassen.

Anderson bestritt die Tat bis zuletzt: Tupac sei für ihn ein Held gewesen. Am 29. Mai 1998 wurde er in Compton bei einer Schießerei getötet, die die Polizei nicht mit dem Fall Shakur in Verbindung brachte.

DeAndre „Dre“ Smith. Laut Davis saß er hinten. Ein Zeuge vor der Grand Jury, dem Geschworenengremium, das über eine Anklage entscheidet, sagte 2023, Smith habe ihm gestanden, die tödlichen Schüsse abgegeben zu haben. Davis dagegen sagte 2008 laut einem früheren Ermittler, die Waffe sei zuerst an Smith gegangen, geschossen habe aber Anderson. Smith starb 2004 und wurde nie angeklagt.

Terrence „T-Brown“ Brown. Laut Davis der Fahrer. Er wurde 2015 in Compton erschossen und nie angeklagt.

Wer von den beiden auf dem Rücksitz abdrückte, hat kein Gericht entschieden. Für das Urteil gegen Davis war das nicht nötig.

Suge Knight: der älteste Verdacht, ohne Beleg

Gegen den Death-Row-Chef richtet sich die älteste Gegentheorie. Er habe Tupac loswerden wollen, heißt es darin, weil dieser das Label verlassen wollte. Belege dafür gibt es nicht.

Knight saß am Steuer, direkt neben Tupac, als die Schüsse die Beifahrerseite trafen, und ein Splitter streifte ihn am Kopf. Die Polizei schloss ihn 1996 als Verdächtigen aus. Er hat jede Beteiligung immer bestritten und wurde nie beschuldigt.

2017 drehte Knight die Frage um. In einer eidesstattlichen Erklärung seines Anwalts für die Dokumentation Tupac Assassination: Battle for Compton behauptete er, eigentlich habe der Anschlag ihm gegolten, geplant von seiner Ex-Frau Sharitha und dem Death-Row-Sicherheitschef Reggie Wright Jr. Sharitha Knight nannte das „lächerlich“ und kündigte rechtliche Schritte an.

Auch Wright bestreitet jede Beteiligung. Im Prozess 2026 fragte ihn der Staatsanwalt unter Eid, ob er etwas mit dem Mord zu tun habe. Wright antwortete: „Absolut nicht.“ Keiner der beiden wurde je beschuldigt oder angeklagt.

Knight verbüßt seit 2018 eine Haftstrafe von 28 Jahren wegen Totschlags in einem Fall, der mit Tupac nichts zu tun hat. Er stand 2026 auf der Zeugenliste, trat nach den vorliegenden Berichten aber nicht als Zeuge auf.

Eine Spur nach Compton, der das FBI nicht nachging

1998 erzählte Davis in einem Gespräch mit dem FBI eine ganz andere Geschichte als später. Nach der Prügel sei er mit Anderson im Hotel geblieben, und vielleicht hätten Polizisten aus Compton im Auftrag Knights geschossen. Der damalige FBI-Agent räumte im Prozess ein, dieser Spur nicht nachgegangen zu sein. Belegt wurde sie nie.

2026 griff die Verteidigung den Gedanken wieder auf. Ein Zeuge sagte aus, er habe in der Tatnacht einen hellen Cadillac vom Anwesen Knights wegfahren sehen. Die Jury folgte dieser Linie nicht.

Bad Boy und Sean Combs: zwei Behauptungen, kein Beweis

Seit dem Überfall im Quad Studio 1994 und Hit ‘Em Up wurde immer wieder über eine Rolle von Bad Boy spekuliert. Zwei Behauptungen haben das geprägt:

Combs wurde im Fall Shakur nie beschuldigt oder angeklagt. Auch die Anklage im Prozess 2026 erhob keinen Vorwurf gegen ihn, und nach dem Urteil sagte Davis, er habe die Behauptung über Combs erfunden. Die Zivilklage der Familie vom April 2026, eine Klage wegen widerrechtlicher Tötung, richtet sich gegen Davis und noch unbekannte Beteiligte, nicht namentlich gegen Combs.

Ein Leibwächter, tote Männer in Compton und ein Zeuge

Ein früherer Leibwächter, Kevin Hackie, und mehrere Dokumentationen der 2000er-Jahre verbreiteten Thesen gegen Knight, ohne Belege vorzulegen. Genannt werden außerdem Männer, die in den Tagen nach der Tat in Compton angeschossen oder getötet wurden und die Hinweisgeber mit dem Cadillac in Verbindung brachten. Eine Beteiligung wurde für keinen von ihnen belegt (mehr dazu unter Die letzte Woche).

Dazu kommen Theorien über FBI und Staat, die auf der Seite Theorien geprüft werden. Der Outlawz-Rapper Yafeu „Yaki Kadafi“ Fula, der im Auto hinter Tupac saß, war kein Verdächtiger, sondern ein möglicher Zeuge. Er wurde im November 1996 in New Jersey erschossen.

Eine Spur, die trug, und eine offene Frage

Alle Ermittlungsstränge, die vor Gericht getragen haben, führen zu den Southside Compton Crips und zur Rache für die Prügel im MGM Grand. Ein Auftraggeber wurde nie ermittelt. Ob weitere Menschen beteiligt waren, versucht die Familie nun über ihre Zivilklage zu klären.

Die Liste der Namen ist in fast drei Jahrzehnten lang geworden, die Liste der Belege kurz geblieben. Diese Seite wird nach dem Strafmaß am 13. Oktober 2026 aktualisiert.