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Weitere Personen1965 bis 2026

Duane „Keffe D“ Davis

Gangführer aus Compton, Onkel von Orlando Anderson, Erzähler der Tatnacht: der Einzige, der im Mordfall Tupac schuldig gesprochen wurde. Stand Oktober 2026.

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Stand Oktober 2026: Am 31. August 2026 wurde Duane „Keffe D“ Davis in Las Vegas des Mordes ersten Grades unter Einsatz einer tödlichen Waffe schuldig gesprochen. Das Strafmaß ist für den 13. Oktober 2026 angesetzt. Davis bestreitet die Tat und hat Berufung angekündigt, das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Es gibt keine Tatwaffe, kein Auto und keine Spur vom Tatort, die Duane Keith Davis belastet. Geschossen hat er nach keiner Version selbst. Dennoch ist er der einzige Mensch, der je für den Mord an Tupac Shakur schuldig gesprochen wurde. Überführt haben ihn nach Überzeugung der Jury seine eigenen Worte: Erzählungen gegenüber Ermittlern, in einem Buch, im Fernsehen und auf YouTube, die er heute allesamt als erfunden bezeichnet. Den Prozess selbst beleuchtet Der Prozess gegen Duane Davis.

Watts, Compton und die Southside Crips

Davis wurde im Viertel Watts im Süden von Los Angeles als eines von zwölf Kindern geboren. 1965 zog die Familie nach Compton. Als seine Mutter 1980 an Darmkrebs starb, war er 15 Jahre alt. So schildert er es in seiner Autobiografie, die CBS News 2023 zusammenfasste. Nach eigener Darstellung schloss er sich 1971 den Crips an und stieg zum „Shot-Caller“ auf, einem Mann, der die Ansagen macht. Die Anklage nannte ihn 2026 einen Anführer der Southside Compton Crips, die Los Angeles Times bezeichnete ihn als Kopf ihres Ablegers an der Burris Street.

Sein Geld verdiente er mit Drogen. Er selbst sprach von einem landesweiten Geschäft in Millionenhöhe und saß nach eigenen Angaben von 1985 bis 1989 wegen Drogenhandels in Haft. 1998 holte ihn ein Bundesverfahren wegen des Verkaufs von zwei Kilogramm Kokain ein. Nach dem Urteil 2026 behauptete er, mit dem Bandenleben schon 1988 abgeschlossen zu haben. Belegt ist das nicht.

Suge Knight kannte er nach eigenen Worten seit der Kindheit vom Football. Ein im Prozess gezeigtes FBI-Protokoll von 1998 hält fest, er sei mit Knight befreundet gewesen, bevor dessen Leute seinen Neffen verprügelten. Dieser Neffe war Orlando „Baby Lane“ Anderson.

Der 7. September 1996

Nach Darstellung der Anklage hielt sich Davis am Abend des Tyson-Kampfs in Las Vegas auf, war an der Schlägerei in der Lobby des MGM Grand jedoch nicht beteiligt. Danach besorgte er laut Anklage eine Waffe und fuhr mit Anderson sowie zwei weiteren Männern in einem weißen Cadillac durch die Stadt. Als sie neben dem BMW von Knight und Tupac hielten, reichte Davis die Waffe nach hinten. Die Jury folgte dieser Version. Den genauen Ablauf schildern Das Shooting in Las Vegas 1996 und Die Ermittlungen.

Eine Geschichte in vielen Fassungen

1998, FBI. In einem vertraulichen Gespräch während seines Kokainverfahrens erklärte Davis, er sei nach der Prügelei mit Anderson und ihren Freundinnen im Hotel Excalibur geblieben. Er vermutete, Polizisten aus Compton hätten im Auftrag Knights geschossen. Sein Neffe sei nicht beteiligt gewesen.

2008, LAPD-Taskforce. Diesmal drohte ihm wegen PCP- und Kokainhandels lebenslange Haft. Die Ermittler um Greg Kading wollten über den Mord an The Notorious B.I.G. sprechen, in dem Davis kurzzeitig selbst als verdächtig galt. Er bestritt jede Rolle dabei und sagte dann von sich aus: „We did the other one.“ Er habe die Waffe nach hinten zu DeAndre „Big Dre“ Smith gegeben. Weil Smith zögerte, habe Anderson sie genommen und geschossen. Außerdem behauptete er, Sean Combs habe über einen Mittelsmann Geld dafür geboten, Tupac und Knight zu töten. Combs hat das stets bestritten und wurde im Fall Shakur nie angeklagt. Auch die Anklage im Prozess 2026 erhob keinen Vorwurf gegen ihn. Im März 2009 wurde Davis als vertraulicher Informant geführt, nach Aussage eines Ermittlers ohne Wissen der Polizei in Las Vegas.

2011, das Buch eines anderen. Kading machte die Gespräche in Murder Rap öffentlich. Nach Darstellung der Anklage verärgerte das Davis so sehr, dass er die Geschichte von nun an selbst erzählen wollte.

2018 und 2019, öffentlich. In der BET-Reihe Death Row Chronicles sagte er, er habe im Wagen gesessen, die Schüsse seien vom Rücksitz gekommen. Den Schützen nenne er wegen des „Straßenkodex“ nicht. Er habe Krebs und nichts mehr zu verlieren. In YouTube-Interviews, etwa bei VladTV, wurde er deutlicher: „Orlando rolled down the window, and popped him.“ 2019 erschien sein Buch Compton Street Legend, das den Schützen lediglich als „einen meiner Jungs“ bezeichnet.

2025, aus der Haft. Im ersten Fernsehinterview nach seiner Festnahme sagte er, er sei unschuldig und damals Hunderte Meilen entfernt gewesen. Das Buch habe er weder geschrieben noch gelesen.

2026, nach dem Urteil. Dem Hollywood Reporter erklärte er, die Erzählung von 2008 sei ein einstudiertes „Skript“ gewesen, um einer Anklage im Drogenverfahren zu entgehen. In der Tatnacht sei er in einer Bar in Los Angeles gewesen. Auch die Behauptung über Combs nannte er nun erfunden. Belege für ein Alibi existieren nicht, und kein Gericht hat diese Version geprüft.

Festnahme und Haft

Die Polizei in Las Vegas rollte den Fall 2018 wieder auf. Davis’ Buch und seine Interviews hätten die Ermittlungen „neu belebt“, erklärten die Beamten nach seiner Festnahme am 29. September 2023. Seitdem sitzt er in Haft. 2024 setzte das Gericht zwar eine Kaution von 750.000 Dollar fest, lehnte die Freilassung aber ab, weil die Richterin an der Herkunft des Geldes zweifelte.

Hinter Gittern kam ein weiteres Verfahren hinzu. Nach einer Schlägerei mit einem Mithäftling am 23. Dezember 2024 sprach ihn eine Jury im April 2025 schuldig. Im September 2025 folgten 16 bis 40 Monate Haft. Im Mordprozess sagte Davis nicht aus; sein Anwalt habe ihn gewarnt, dies schade der Berufung.

Nach eigenen Angaben erkrankte er 2014 an Darmkrebs. Während des Prozesses berichteten Medien, die Krankheit sei zurückgekehrt. Davis versicherte danach, es gehe ihm gut.

Das Warten auf das Strafmaß

Am 13. Oktober 2026 soll Richterin Carli Kierny das Strafmaß verkünden. Davis droht eine lebenslange Haftstrafe. Verteidiger Michael Sanft will die Berufung vor allem gegen die Zulassung der Aufnahmen von 2008 richten. Davis selbst rechnet fest mit seiner Freilassung. Unabhängig davon läuft seit April 2026 eine Zivilklage der Familie Shakur wegen unrechtmäßigen Todes gegen ihn und noch unbekannte Beteiligte.

Ein Name, zwei Schreibweisen

Der Spitzname wird uneinheitlich geschrieben. Die Behörden in Las Vegas, die Nachrichtenagentur AP und der Titel seines Buchs schreiben „Keffe D“, viele Hip-Hop-Medien hingegen „Keefe D“. Davis selbst erklärte 2026, auf dem Buchumschlag sei nicht einmal sein Name richtig geschrieben. Diese Seite folgt der Schreibweise der Behörden.