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Der BMW 750iL: das Auto der Tatnacht
Schwarz, Baujahr 1996, von Death Row geleast: der BMW, in dem Tupac Shakur saß, als die Schüsse fielen. Die Fahrt, die Spuren und der Verbleib.
Am 7. September 1996 stand ein schwarzer BMW an einer roten Ampel in Las Vegas. Am Steuer saß Suge Knight, auf dem Beifahrersitz Tupac Shakur. Wenige Minuten später fielen Schüsse, und der Wagen wurde vom Statussymbol zum Tatort. Seit 2017 steht das Auto in Las Vegas zum Verkauf. Diese Seite trennt, was über den BMW belegt ist, von dem, was nur ein Händler behauptet. Den Ablauf der Tat beschreibt die Seite Das Shooting in Las Vegas 1996.
Ein Leasingwagen für Death Row
Das Fahrzeug war ein BMW 750iL in Schwarz, Modelljahr 1996. Als Langversion mit Zwölfzylindermotor war der 750iL damals das Spitzenmodell der 7er-Baureihe E38, die BMW von 1994 bis 2001 baute. Für ein Label wie Death Row Records, das Erfolg offensiv zur Schau stellte, war das ein typisches Repräsentationsauto. Nach übereinstimmenden Berichten gehörte der Wagen weder Tupac noch Suge Knight persönlich. Er war von Death Row geleast, und am Steuer saß in der Tatnacht Labelchef Suge Knight.
Ohne Nummernschilder über den Boulevard
Gegen 22:30 Uhr setzte sich ein Konvoi von rund zehn Autos an Knights Haus in Bewegung, Ziel war sein Club 662. Der BMW fuhr mit offenem Beifahrerfenster vorn. Auf dem Las Vegas Boulevard hielt eine Fahrradstreife der Polizei den Wagen an: Die Musik war zu laut, und am BMW fehlten die Nummernschilder. Nach wenigen Minuten durften Suge und Tupac ohne Strafzettel weiterfahren.
Vier Treffer an der Kreuzung
Gegen 23:10 Uhr stand der BMW an der roten Ampel an der Kreuzung East Flamingo Road und Koval Lane. Gegen 23:15 Uhr hielt rechts neben ihm ein weißer Cadillac. Vom Rücksitz aus feuerten die Täter auf die Beifahrerseite, also genau dorthin, wo Tupac saß. Er wurde viermal getroffen und versuchte noch, sich nach hinten zu werfen. Ein Splitter streifte Suge Knight am Kopf.
Mit zerschossenen Reifen zur Harmon Avenue
Der Cadillac bog in die Koval Lane ab und verschwand; die Polizei fand den Täterwagen nie. Suge Knight wendete den BMW und fuhr zurück Richtung Strip, obwohl Reifen zerschossen waren. Rund eine Meile vom Tatort entfernt blieb der Wagen an der Ecke Las Vegas Boulevard und Harmon Avenue stehen. Polizisten der Fahrradstreife umstellten das Auto sowie den Konvoi und ließen die Männer sich auf den Boden legen. Erst nach und nach wurde klar, wer verletzt im Wagen saß. Sanitäter brachten Tupac ins University Medical Center. Was dort und in den sechs Tagen danach geschah, steht auf den Seiten Die letzte Woche und Verletzungen und Todesursache.
Tatort und Beweismittel
Für die Ermittler war der BMW Tatort und Beweismittel zugleich. Einschusslöcher, Splitter und die auf der Straße liegenden Hülsen gehörten zu den wenigen greifbaren Spuren. Im August 2026 bekamen auch die Geschworenen im Prozess gegen Duane „Keffe D“ Davis diese Hülsen und Fotos aus jener Nacht zu sehen. Mehr dazu auf der Seite Der Prozess gegen Duane Davis.
Versteigert, restauriert und umstritten
Was nach der Tat mit dem Auto geschah, lässt sich nur schwer belegen. Nach Medienberichten stellte die Polizei in Las Vegas den BMW sicher und gab ihn später zur Versteigerung frei; seitdem habe er mehrere Besitzer gehabt. Zwar wird oft das Jahr 1997 für diese Auktion genannt, eine belastbare Quelle fehlt jedoch. Offizielle Unterlagen sind nicht veröffentlicht, die meisten Berichte stützen sich auf Angaben des späteren Händlers.
Diesem zufolge ließ der letzte Vorbesitzer den Wagen vollständig restaurieren. Nach einem Bericht von Carscoops ersetzte man dabei beschädigte Karosserieteile und erneuerte die Frontscheibe. Laut duPont Registry wurden wieder die Felgen montiert, die auch in der Tatnacht am Auto waren. In einer Tür sei noch eine kleine Delle zu sehen, bei der es sich laut Inserat vermutlich um einen Einschuss handle. Unter Sammlern war die Restaurierung umstritten: Für manche hat das Auto mit den ersetzten Türen genau das verloren, was es besonders machte.
Seit 2017 auf dem Markt
Im Herbst 2017 tauchte der BMW bei Celebrity Cars Las Vegas auf, einem Händler für Fahrzeuge mit prominenter Vorgeschichte. Das Branchenportal duPont Registry meldete das Angebot am 2. November 2017 für 1,5 Millionen Dollar. Laut Carscoops war der Wagen auch in der TV-Sendung Pawn Stars zu sehen, ohne dass ein Verkauf zustande kam. Anfang 2020 lag der Preis bereits bei 1,75 Millionen Dollar.
Im Januar 2026 machte das Auto erneut Schlagzeilen, wieder für 1,75 Millionen Dollar bei demselben Händler (Meldung vom 12.01.2026). Laut dem Sender KTNV wies der Tacho rund 121.000 Meilen aus. Neu waren vor allem die Hürden für Interessenten: Wer Näheres erfahren will, muss eine rückzahlbare Anzahlung von 20.000 Dollar leisten und eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben. Ein Verkauf ist bis heute (Stand Oktober 2026) nicht bekannt.
Ist es wirklich der Wagen aus der Tatnacht?
Eine unabhängige Prüfung der Herkunft, etwa durch einen Abgleich mit Polizeiakten, wurde nie veröffentlicht. Der Händler veröffentlichte die Fahrgestellnummer und verweist auf Unterlagen, die beim Kauf übergeben würden. Medienberichte von 2017, 2020 und 2026 übernahmen diese Angaben, ohne sie selbst zu überprüfen. Dass der Wagen echt ist, gilt damit als plausibel, aber nicht als unabhängig belegt.
Ein Sammlerstück oder geschmacklose Ware?
Das Verkaufsangebot löst jedes Mal dieselbe Debatte aus. Für die einen ist der BMW ein greifbares Stück Musik- und Kriminalgeschichte. Für die anderen ist es das Auto, in dem ein 25-Jähriger tödlich verletzt wurde, und ein Preis von fast zwei Millionen Dollar macht aus dieser Tatsache eine Ware. Tupacs Familie hat sich, soweit bekannt, nicht öffentlich zu dem Verkauf geäußert.
Verwechslungen und Mythen
- Der Wagen gehörte Tupac. Nein. Er war nach Berichten von Death Row geleast, gefahren hat Suge Knight.
- Der Wagen ist im Originalzustand mit allen Einschusslöchern. Nein. Er wurde restauriert, beschädigte Teile wurden ersetzt.
- Der Wagen wurde im Prozess 2026 gezeigt. Davon berichteten die Prozessbeobachter nicht. Gezeigt wurden Fotos und Hülsen vom Tatort.
- Tupac fuhr selbst. Nein. Er saß auf dem Beifahrersitz, und auf diese Seite zielten die Schüsse.
Den Streit, der den Schüssen vorausging, schildert Die Schlägerei im MGM Grand. Wo der BMW an jenem Abend stand und wie der Ort heute aussieht, beschreibt Flamingo Road und Koval Lane.
Personen in diesem Text
Suge KnightAfeni Shakur: Panther, Mutter, Nachlassverwalterin