Stand Oktober 2026: Sean Combs wurde im Fall Tupac Shakur nie angeklagt; auch die Anklage im Prozess gegen Duane „Keffe D“ Davis 2026 erhob keinen Vorwurf gegen ihn. Combs bestreitet jede Beteiligung. Davis, der ihn jahrelang belastet hatte, nannte seine Behauptung nach dem Urteil erfunden. In dieser Frage gilt für Combs die Unschuldsvermutung.
Sean Combs, geboren am 4. November 1969 in Harlem, wurde als Puffy, Puff Daddy, P. Diddy und Diddy bekannt. Für Tupac war er ab 1994 der Kopf des gegnerischen Lagers. Diese Seite trennt, was über Combs im Zusammenhang mit Tupac belegt ist, von dem, was über ihn behauptet wurde. Den Verlauf der Fehde erzählt Ost gegen West.
Uptown und Bad Boy
Combs studierte zwei Jahre an der Howard University und begann 1990 als unbezahlter Praktikant bei Uptown Records, dem Label von Andre Harrell. Er stieg rasch zum Leiter der Künstlerabteilung auf und holte 1992 den jungen Christopher Wallace zu Uptown. 1993 wurde er entlassen und schloss im selben Jahr für sein eigenes Label Bad Boy einen Vertrag mit Arista. Zu den ersten Künstlern gehörten Craig Mack und Wallace, der als The Notorious B.I.G. zum wichtigsten Rapper der Ostküste wurde.
Die Nacht im Quad
Am 30. November 1994 war Combs in den Quad Studios in Manhattan, als Tupac in der Lobby überfallen und angeschossen wurde (siehe Shooting 1994). Tupac deutete im Vibe-Interview vom April 1995 an, die Leute oben im Studio hätten mehr gewusst. Combs antwortete, man habe sich um den Verletzten gekümmert (seine Stellungnahme). Im September 1996 legte er in Vibe nach: Warum hätte er Tupac in eine Falle locken sollen? Tupac wisse genau, wer auf ihn geschossen habe, und suche sich Sündenböcke.
2008 legte ein Artikel der Los Angeles Times nahe, Combs habe von dem Überfall gewusst. Er nannte das „beyond ridiculous and completely false“; die Zeitung zog den Text zurück, weil er auf gefälschten FBI-Papieren beruhte (Der LA-Times-Skandal). Die spätere Spur zu dem Manager James „Jimmy Henchman“ Rosemond führte nie zu einer Anklage wegen des Überfalls; eine Verbindung zu Combs wurde nicht belegt.
Death Row gegen Bad Boy
Bei den Source Awards am 3. August 1995 im Paramount Theater des Madison Square Garden spottete Suge Knight über Labelchefs, die in den Videos ihrer Künstler auftauchen. „I couldn’t believe what he said … I thought we was boys“, erinnerte sich Combs. Er rief auf der Bühne zur Einheit von Ost und West auf und umarmte Snoop Doggy Dogg. Als im September 1995 in Atlanta Knights Freund Jake Robles erschossen wurde, warf Knight ihm laut Combs noch vor Ort eine Beteiligung vor. Combs sagte, er habe neben Knight gestanden, als die Schüsse fielen. Die Tat wurde nie aufgeklärt.
Nach seiner Haftentlassung im Oktober 1995 machte Tupac den Streit zu seinem eigenen. In Hit ‘Em Up griff er Combs namentlich an, im Video zu 2 of Amerikaz Most Wanted trat eine Combs-Karikatur auf. Combs gab sich in Vibe betont unkriegerisch: „I ain’t a gangster, so why y’all gonna tell me to start acting like a gangster?“ Er hoffe, der Streit ende schnell und friedlich. Das Heft lag am Kiosk, als Tupac in Las Vegas angeschossen wurde.
Nach Tupacs Tod
Im Februar 1997 riefen Combs und Snoop Doggy Dogg gemeinsam zum Frieden auf, im März wurde Biggie erschossen. Auf seiner Tour im November 1997 ließ Combs das Publikum Tupacs Hail Mary singen, Los Angeles ließ er aus (MTV-Bericht).
Die Behauptung von Keffe D
Die schwerste Belastung stammt von Duane „Keffe D“ Davis. 2008 erzählte er einer Sondereinheit von LAPD und Bundesbehörden, Combs habe eine Million Dollar dafür geboten, Tupac und Suge Knight zu töten; das Geld habe über den New Yorker Drogenhändler Eric „Zip“ Martin fließen sollen, erhalten habe er es nie. Martin starb 2012. Greg Kading, Leiter der Einheit, machte das 2011 in Murder Rap öffentlich. Combs schrieb der LA Weekly: „This story is pure fiction and completely ridiculous.“ 2016 sagte er im Radio: „We don’t talk about things that are nonsense.“
Die Behauptung kehrte immer wieder: in Eminems Killshot 2018 (Meldung) und im Juli 2024 in einem Schriftsatz der Anklage im Fall Davis (Meldung). Die Polizei in Las Vegas erklärte daraufhin, Combs sei nie als Verdächtiger betrachtet worden. Im Oktober 2024 beauftragte Tupacs Familie den Anwalt Alex Spiro, mögliche Verbindungen zu prüfen. Die Netflix-Serie Sean Combs: The Reckoning zeigte im Dezember 2025 Aufnahmen aus Davis’ Vernehmungen; Combs’ Sprecher nannte die Serie „a shameful hit piece“. Die Zivilklage, die Tupacs Stiefbruder Mopreme Shakur im April 2026 einreichte, richtet sich gegen Davis und unbekannte Mitbeteiligte, nicht gegen Combs (Meldung).
Im Prozess gab der frühere LAPD-Detective Daryn Dupree im August 2026 die Behauptung als Teil von Davis’ Aussagen von 2008 wieder. Die Anklage erhob keinen Vorwurf gegen Combs und nannte als Motiv die Rache für die Prügel im MGM Grand. Ein Sprecher von Combs verwies gegenüber CNN darauf, dass Davis seine eigenen Angaben inzwischen bestreite. Nach dem Urteil sagte Davis, er habe die Geschichte über Combs erfunden. Davis selbst wurde am 31. August 2026 des Mordes ersten Grades unter Einsatz einer tödlichen Waffe schuldig gesprochen; das Strafmaß ist für den 13. Oktober 2026 angesetzt, er bestreitet die Tat und hat Berufung angekündigt, das Urteil ist nicht rechtskräftig.
Combs’ eigenes Verfahren
Mit dem Fall Tupac hat Combs’ Bundesstrafverfahren in New York nichts zu tun. Er ist seit September 2024 in Haft. Am 2. Juli 2025 sprach ihn eine Jury vom Vorwurf der Verschwörung zur organisierten Kriminalität und von zwei Anklagepunkten des Menschenhandels frei; schuldig gesprochen wurde er in zwei Punkten wegen Beförderung von Personen zur Prostitution. Am 3. Oktober 2025 verhängte Richter Arun Subramanian 50 Monate Haft und eine Geldstrafe von 500.000 Dollar. Über die Berufung, die am 9. April 2026 vor dem Bundesberufungsgericht in New York verhandelt wurde, war Anfang Oktober 2026 noch nicht entschieden.