1997-09471 Wörter · 2 Min.
Ein Jahr ohne Tupac (Teil 2): Klagen, Ermittlungen, Biggie
Klagen ums Erbe, Informanten in Compton und der Schatten von Biggies Tod: Wie MTV im September 1997 das erste Jahr ohne Tupac bilanzierte.
Original: „Tupac Review, Pt. II“ · MTV, The Week in Rock · Kurt Loder, Chris Connelly · September 1997
Ein Jahr nach den Schüssen von Las Vegas bestimmten Anwälte das Bild. Im September 1997 bilanzierte MTV bei The Week in Rock die ersten zwölf Monate ohne Tupac, zwischen stockenden Ermittlungen, Rechnungen und Trauer.
Schmuck, Tantiemen und zehn Millionen
Chris Connelly zählte die Fronten auf: Afeni Shakur forderte Rechenschaft von Death Row und klagte gleich doppelt, wegen unerlaubter Fanartikel und zurückgehaltener Tantiemen. Death Row verlangte angebliche Vorschüsse für Autos und Schmuck zurück. Tupacs leiblicher Vater forderte die Hälfte des Nachlasses, während seine schärfste Kritikerin C. Delores Tucker zehn Millionen Dollar Schmerzensgeld für eine einzige Songzeile verlangte.
Informanten in Compton, Ratlosigkeit in Las Vegas
Bei den Ermittlungen herrschte Stillstand: Las Vegas habe nur „zwei bis vier schwarze Männer“ im Tatfahrzeug, sagte Sergeant Kevin Manning. Compton-Informanten nannten Orlando Anderson als Schützen, der im CNN-Interview knapp erklärte: „I didn’t do it.“ Die Polizei gab offiziell an, sie glaube zu wissen, wer es war, rechne aber nicht mit einer Festnahme.
Schneller Abschied von Biggie, ein Jahr Stille für Tupac
Der Mord an The Notorious B.I.G. im März 1997 wurde sofort mit Tupacs Tod verglichen. MTV beobachtete einen Unterschied: Biggies Freunde ehrten ihn sofort und öffentlich, etwa Puff Daddy bei den Video Music Awards. Für Tupac dauerte es ein Jahr bis zur ersten großen Hommage, Treachs Song Mourn You Til I Join You. Zum Schluss: Afeni Shakur einigte sich mit Death Row und gründete ihr eigenes Label.
Was aus den Verfahren wurde
Die meisten Verfahren sind heute abgeschlossen. Durch den Vergleich von 1997 erhielt Afeni Shakur die Rechte an den unveröffentlichten Aufnahmen und brachte sie über Amaru heraus. Billy Garland verlor im Dezember 1997 vor Gericht: Ein Richter in Los Angeles befand seinen Beitrag zur Erziehung seines Sohnes als „minuscule“. Tuckers Klage wegen der Zeilen in How Do U Want It blieb erfolglos.
Orlando Anderson wurde nie angeklagt; er starb im Mai 1998 bei einer anderen Schießerei in Compton. 2026 wurde sein Onkel Duane „Keffe D“ Davis in Las Vegas des Mordes an Tupac schuldig gesprochen (nicht rechtskräftig, Stand Oktober 2026).
Der Namensirrtum und das Autopsiefoto
Eine Angabe von MTV ist falsch: Afeni benannte ihren Sohn nicht nach der peruanischen Guerillagruppe MRTA, sondern nach Túpac Amaru II., einem Nachfahren der Inka-Herrscher, der 1781 nach einem Aufstand gegen die spanische Kolonialmacht hingerichtet wurde. Die Guerilla hatte sich selbst nach ihm benannt.
Zwei weitere Meldungen stimmen: An der University of California in Berkeley lief 1997 ein von Studierenden geleiteter Kurs über Tupacs Lyrik. Und Kathy Scotts Buch The Killing of Tupac Shakur sorgte mit einem Autopsiefoto für Streit.