Für die einen war sie eine Freiheitskämpferin, für die anderen eine verurteilte Polizistenmörderin auf der Flucht. Für Tupac war Assata Shakur Teil der Familie: Er betrachtete sie als seine Patentante. Gelegentlich wird sie „Tupacs Tante“ genannt, im Sinn der politischen Shakur-Familie stimmt das, verwandt waren die beiden nicht.
Von JoAnne Byron zu Assata Shakur
Sie wurde am 16. Juli 1947 als JoAnne Deborah Byron in Flushing, Queens, geboren; aus einer kurzen Ehe stammte der Nachname Chesimard, unter dem sie in US-Akten bis heute geführt wird. Anfang der 1970er-Jahre legte sie ihn ab und nannte sich Assata Shakur. Wie Mutulu Shakur gehörte sie zu den jungen Aktivisten, die Saladin Shakur, der Vater von Lumumba und Zayd Shakur, als Ziehvater betrachteten. Sie war Mitglied der Black Panther Party und später der Black Liberation Army (BLA), einer bewaffneten Untergrundgruppe.
Der 2. Mai 1973
In der Nacht zum 2. Mai 1973 hielten zwei Beamte der New Jersey State Police auf dem New Jersey Turnpike bei East Brunswick ein Auto wegen eines defekten Rücklichts an. Darin saßen Sundiata Acoli, Assata Shakur und Zayd Malik Shakur. Es kam zu einem Schusswechsel. Der Polizist Werner Foerster wurde getötet, sein Kollege James Harper verletzt. Zayd Shakur starb, Assata wurde an beiden Armen schwer verletzt. Sie hat stets erklärt, niemanden erschossen zu haben; als sie getroffen wurde, habe sie die Hände erhoben gehabt.
In mehreren weiteren Verfahren wegen Banküberfällen und Schüssen auf Polizisten wurde sie freigesprochen oder die Anklagen fielen weg. Für den Turnpike-Vorfall aber sprach eine Jury sie 1977 unter anderem des Mordes an Foerster schuldig; das Urteil lautete lebenslange Haft.
Flucht und Exil
Am 2. November 1979 kamen Mitglieder der BLA als Besucher getarnt in das Frauengefängnis Clinton in New Jersey, nahmen zwei Wärter als Geiseln und brachten Assata mit einem Gefängnistransporter hinaus. Mitunter heißt es, die Befreiung sei „ohne Waffengewalt“ geschehen, das stimmt nicht. Mutulu Shakur wurde 1988 unter anderem für seine Rolle bei dieser Aktion verurteilt.
Assata tauchte unter und erschien 1984 in Kuba, wo Fidel Castro ihr politisches Asyl gewährte. Dort schrieb sie Assata: An Autobiography, die Ende der 1980er-Jahre erschien und bis heute gelesen wird. Der Fall belastete die Beziehungen zwischen den USA und Kuba über Jahrzehnte. 2013 setzte das FBI sie auf seine Liste der meistgesuchten Terroristen; die Belohnungen für ihre Ergreifung summierten sich auf zwei Millionen Dollar.
Bedeutung für Tupac und den Hip-Hop
Assatas Geschichte wurde Teil der Hip-Hop-Kultur. Public Enemy erwähnte sie 1988 in Rebel Without a Pause, Common widmete ihr 2000 A Song for Assata. Tupac wuchs mit den Geschichten dieser Panther-Generation auf. NPR schrieb in ihrem Nachruf, Assata habe der Familie Shakur sehr nahegestanden und Tupac habe sie als seine Patentante betrachtet.
Tod in Havanna
Assata Shakur starb am 25. September 2025 mit 78 Jahren in Havanna; das kubanische Außenministerium nannte Gesundheitsprobleme und hohes Alter als Ursache, ihre Tochter Kakuya Shakur bestätigte den Tod. Unterstützer würdigten sie als Symbol des Widerstands. Der Gouverneur von New Jersey und die Staatspolizei erklärten, sie sei gestorben, ohne zur Rechenschaft gezogen worden zu sein, und kündigten an, sich gegen eine Überführung ihrer sterblichen Überreste in die USA zu stellen. Sundiata Acoli, der ebenfalls für Foersters Tod verurteilt worden war, war 2022 nach 49 Jahren Haft auf Bewährung freigekommen.