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1.086 Wörter · 5 Min.

Tupac und die Black Panther Party: Erbe, Panther-21-Prozess und das FBI

Vor Gericht noch vor der Geburt: Wie der Panther-21-Prozess, die Jagd des FBI und das Erbe einer zerschlagenen Bewegung Tupacs Blick auf die Welt prägten.

Wenige Menschen hatten ihren ersten Gerichtstermin noch vor der Geburt. Als im Frühjahr 1971 in New York die Geschworenen im Prozess gegen die „Panther 21“ berieten, war Afeni Shakur schwanger. Einen Monat später kam Tupac zur Welt. Seine Mutter hatte sich selbst verteidigt, ohne juristische Ausbildung, und sie gewann. Tupacs Wut, sein Misstrauen gegen die Polizei und sein Sinn für Gemeinschaft begannen genau hier.

Für wichtige Weggefährten gibt es eigene Seiten: Afeni Shakur, Lumumba Shakur, Mutulu Shakur, Geronimo Pratt und Assata Shakur. Dieser Text fasst zusammen, was die Partei forderte, wie der Staat gegen sie vorging und was Tupac daraus machte.

Zehn Punkte, kostenloses Frühstück und geladene Waffen

Huey P. Newton und Bobby Seale gründeten die Black Panther Party 1966 in Oakland. Als marxistisch-leninistische Organisation der Black-Power-Bewegung forderte sie im Zehn-Punkte-Programm Arbeit, Wohnungen, bessere Schulen, ein Ende der Polizeigewalt und Wehrdienstbefreiung für Schwarze Männer, dazu ein Frühstücksprogramm für Kinder. Sichtbar wurde die Gruppe, weil ihre Mitglieder offen Waffen trugen. Um 1969/70 zählte sie nach Schätzungen bis zu 5.000 Mitglieder in gut dreißig Ortsgruppen. 1982 löste sie sich auf.

Das Erbe der Partei ist umstritten. Ältere Darstellungen sahen in ihr eher eine kriminelle als eine politische Gruppe. Andere beschrieben sie vor allem als Opfer eines repressiven Staates. Beide Lesarten gelten heute als zu einseitig. Neuere Arbeiten sprechen von einem der einflussreichsten Black-Power-Zusammenschlüsse mit einem „tragischen“ Ende, das auch auf Streit im Inneren zurückging.

156 Anklagepunkte und ein Freispruch nach 90 Minuten

Am 2. April 1969 stürmte die New Yorker Polizei im Morgengrauen die Wohnungen von 21 Mitgliedern der New Yorker Ortsgruppe, darunter Afeni und ihr Mann Lumumba Shakur. Bezirksstaatsanwalt Frank Hogan warf ihnen vor, Morde an Polizisten und Sprengstoffanschläge auf vier Polizeiwachen, fünf Kaufhäuser, Bahnlinien und weitere Ziele geplant zu haben. Die Kaution betrug 100.000 Dollar pro Person. Weil kaum jemand das Geld aufbringen konnte, blieben die meisten monatelang auf Rikers Island.

Der Fall wurde zum Salongespräch: Am 14. Januar 1970 lud der Dirigent Leonard Bernstein 90 Gäste zu einer Spendenparty ein, über die Tom Wolfe unter dem Titel „Radical Chic“ spottete. Der Prozess gegen die verbliebenen 13 Angeklagten begann am 19. Oktober 1970 unter Richter John M. Murtagh. Er zählte zu den längsten und teuersten in der Geschichte des Staates New York. Die Anklage stützte sich auf verdeckte Ermittler der Polizei und beschlagnahmtes Material. Murtagh erklärte, es sei kein politischer Prozess, obwohl viel Beweismaterial politisch war.

Afeni lehnte laut dem Biografen Jeff Pearlman einen Pflichtverteidiger ab, weil er ihr nicht laut genug war; sie verteidigte sich selbst. Im Kreuzverhör brachte sie den verdeckten Ermittler Ralph White zu Eingeständnissen über die Rolle der Spitzel. Am 13. Mai 1971 sprachen die Geschworenen nach etwa 90 Minuten Beratung alle Angeklagten in sämtlichen 156 Punkten frei, auch die beiden, die während des Prozesses ins Ausland geflohen waren. Die Geschworenen folgten der Anklage in keinem einzigen Punkt.

COINTELPRO: Das FBI erklärt die Partei zum Staatsfeind

Die Panther beschäftigten nicht allein die örtliche Polizei. Das FBI hatte 1967 ein Geheimprogramm (COINTELPRO, kurz für Counterintelligence Program) gegen „Schwarze Nationalisten“ gestartet. Laut dem Bericht des Church-Komitees im US-Senat von 1976 beschrieb FBI-Chef J. Edgar Hoover die Panther bereits im September 1968 als „the greatest threat to the internal security of the country“. Ab Juli 1969 waren sie das Hauptziel: Am Ende richteten sich 233 von 293 genehmigten Aktionen gegen „Black Nationalist“-Gruppen gegen sie. Zu den Methoden gehörten anonyme Briefe, die Streit säen sollten, und Versuche, Gewalt zwischen Panthern und anderen Gruppen zu schüren. Das Komitee nannte es „deplorable“, dass Beamte solche Mittel einsetzten, und fand es „equally disturbing“, wie stolz sie auf angerichtetes Blutvergießen waren.

Die Tötung von Fred Hampton und Mark Clark am 4. Dezember 1969 bei einem Polizeieinsatz in Chicago wurde zum Symbol. Der Sicherheitschef der Chicagoer Gruppe, William O’Neal, hatte für das FBI gespitzelt und der Polizei einen Plan der Wohnung geliefert; das wurde 1973 bekannt. Für Tupacs Umfeld war der Staat ein offener Gegner: Sein Pate Geronimo Pratt saß 27 Jahre in Haft, bis ein Gericht 1997 das Urteil aufhob, weil die Anklage verschwiegen hatte, dass der Kronzeuge Informant war. Sein angeheirateter Onkel Zayd Shakur starb 1973 bei einem Schusswechsel auf dem New Jersey Turnpike, bei dem auch ein Polizist getötet wurde. Assata Shakur, im Wagen dabei, wurde 1977 dafür verurteilt und bestritt die Tat stets.

Zwischen Panther-Sohn und Straßen-Rider: Tupacs Wurzeln

Tupac sprach früh und oft von dieser Herkunft. Gegenüber dem Journalisten Tony Patrick zählte er seine Familie auf: Mutter Afeni, Stiefvater Mutulu, Pate Pratt, „Tante“ Assata. Er komme aus einer langen Reihe von „Soldaten“, jeder Tag sei ein Test gewesen. Dass Frauen es in dieser Welt am schwersten hatten, erlebte er früh: „I grew up watching that.“ Im Vibe-Gespräch vom Februar 1996 beschrieb er sich als zerrissen zwischen dem Sohn einer Black Panther und dem „Rider“ von der Straße. Seine Mutter habe ihn die Ideale gelehrt, er ihr das Leben in der realen Welt.

Die Spuren ziehen sich durch sein gesamtes Werk. Als Elfjähriger soll Tupac ein Heft mit Gedichten und Haikus geschrieben haben, das er inhaftierten Panthern aus dem Freundeskreis seiner Mutter widmete; Sotheby’s bot es 2022 zur Versteigerung an. In Marin City nahm er 1989 mit Ray Luv den Song Panther Power auf, der erst 2003 veröffentlicht wurde. Im Gedichtband The Rose That Grew from Concrete steht Can U C the Pride in the Panther, und sein Produktionsprojekt taufte er nach dem Fluchthelfer-Netz von Harriet Tubman Underground Railroad. Als er sich im Dezember 1994 nach den Schüssen im Quad-Studio bei der Schauspielerin Jasmine Guy erholte, bewachten laut Wikipedia die Fruit of Islam und frühere Panther das Haus.

Ein politisches Vokabular statt eines Parteibuchs

Der Journalist Dean Van Nguyen zeichnet Tupac in Words for My Comrades (Doubleday, 2025) als Überträger der Panther-Ideologie an ein Publikum von heute, bis zu dem Satz, er sei „America’s last great revolutionary figure“. Publishers Weekly hielt das Porträt für „avid yet muddled“: Es stehe im Widerspruch zu seiner Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs (siehe Frauenbild).

Jeff Pearlman zeichnet ein nüchterneres Bild. Nach Complex trat Tupac in Baltimore kurz auch der Young Communists League bei; seine politische Bildung war also breiter als die Panther-Linie. Seine Mutter war nach Pearlmans Worten, so fasst es NPR zusammen, eine Heldin, aber keine Mutter im Alltag: Afeni verfiel in den 1980ern der Crack-Sucht. Als Tupac erwachsen wurde, gab es die Partei nicht mehr, sie endete 1982. Sein Erbe war ein Vokabular, kein Parteibuch.

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