2000Album
Beginnings: The Lost Tapes und The Prophet Returns
Kassetten aus einem Keller, Zusammenstellungen aus dem Death-Row-Archiv: drei Alben am Rand der Diskografie und die Streits, die sie auslösten.
- Titel
- The Lost Tapes: Circa 1989 (USA, 2000), The Lost Tapes (Deutschland, 2000), ab 2007 Beginnings: The Lost Tapes 1988-1991
- Veröffentlichung
- 18. April 2000 (USA, Herb ‘N Soul), 31. Mai 2000 (Deutschland, ZYX), 12. Juni 2007 (USA, Koch Records / Amaru Entertainment)
- Aufnahmen
- um 1989, Bay Area
- Produktion
- Chopmaster J, Strictly Dope; Wikipedia nennt außerdem Shock G
- Mit
- Strictly Dope, darunter Ray Luv
- Titel
- 10, Spielzeit rund 43 Minuten
- Bekanntester Titel
- Panther Power
Anfang 2000 stößt Jimi „Chopmaster J“ Dright im Keller seiner Mutter auf Kassetten, die er seit 1991 für verloren hielt. Darauf: ein achtzehnjähriger Tupac, der um 1989 mit seiner ersten Gruppe rappt. Was danach folgte, war kein Fund für die Vitrine, sondern ein Rechtsstreit über fast zwei Jahrzehnte.
Diese Seite versammelt drei Veröffentlichungen am Rand der Diskografie. Beginnings bringt die frühesten Aufnahmen. The Prophet: The Best of the Works und The Prophet Returns sind Zusammenstellungen, die Death Row aus dem eigenen Katalog zusammensetzte. Nur eines der drei erschien auch unter dem Namen von Tupacs Nachlassfirma Amaru, und alle drei erzählen etwas darüber, wem Tupacs Aufnahmen nach seinem Tod gehörten.
Kassetten aus der Zeit mit Strictly Dope
Die Bänder stammen aus der Zeit, als Tupac in Marin City lebte und mit Ray Luv die Gruppe Strictly Dope bildete. AllHipHop datierte die Aufnahmen 2001 auf den Sommer 1989. Zu hören sind zehn Stücke, darunter Panther Power, The Case of the Misplaced Mic in zwei Teilen, Minnie the Moocher und zwei Mixe von Static.
Schon vorher war Material aus derselben Quelle im Umlauf. Chopmasters Buch Static: My Tupac Shakur Story erschien 1999 mit einer CD, und in Australien kam 1997 die CD 1 in 21 mit der Single Static heraus.
Ein Rückruf, ein Vergleich, eine Klage
Die erste Ausgabe vom April 2000 hatte Tupacs Nachlass nicht genehmigt. Der Nachlass bat Händler schriftlich, die CD nicht zu verkaufen; laut Wikipedia wurde sie zurückgezogen. AllHipHop nennt als Herausgeber Drights Firma Network One. Im Mai 2001 einigten sich beide Seiten, die Platte durfte wieder in den Handel (Meldung). In Deutschland war sie bei ZYX erschienen (Meldung).
Die Neuauflage von 2007 erschien laut Wikipedia mit Zustimmung von Afeni Shakur, unter neuem Titel und mit neuem Cover. Ruhe brachte das nicht. Im September 2013 verklagte Afeni Entertainment One, die frühere Koch, auf mehr als 1,1 Millionen Dollar; Complex nannte als Anlass ausgebliebene Tantiemen für Beginnings (Meldung). Erst 2018, nach Afenis Tod, endete der Streit mit einem Vergleich (Meldung).
Ein Dokument, kein Meisterwerk
Die Kritik war sich einig, dass hier ein Anfänger zu hören ist. Max Helke von laut.de nannte die Tonqualität schlecht, weil die Aufnahmen von gewöhnlichen Kassetten stammen, und hörte eher frühen Miami Bass als Westcoast-Rap; für Sammler hielt er die CD trotzdem für Pflicht. AllMusic vergab anderthalb von fünf Sternen, Jason Birchmeier fand den Vortrag engagiert, aber unbeholfen und nachahmend.
Death Row bedient sich selbst
- Titel: The Prophet: The Best of the Works
- Veröffentlichung: 7. Juli 2003
- Label: Death Row Records
- Aufnahmen: 1994 bis 1996
- Inhalt: 14 Titel, rund 68 Minuten, sechs aus All Eyez on Me, fünf aus The Don Killuminati, dazu Soundtrack-Titel
- Charts: Irland Platz 41, Neuseeland Platz 40
- Zertifizierung: Platin in Neuseeland (15.000 Einheiten, Streaming eingerechnet)
Nach Tupacs Tod blieben die Aufnahmen aus seiner Zeit bei Suge Knights Label dort. Während Amaru mit Interscope neue Alben herausbrachte, stellte Death Row bekannte Titel neu zusammen. The Prophet reiht Stücke wie Only God Can Judge Me, Me and My Girlfriend, Against All Odds und California Love aneinander. Neues Material enthält das Album nicht.
Die Fortsetzung mit Koch
- Titel: The Prophet Returns
- Veröffentlichung: 3. Oktober 2005
- Label: Death Row Records / Koch Records
- Aufnahmen: 1992 bis 1996
- Inhalt: 15 Titel, rund 75 Minuten, davon neun aus All Eyez on Me
Zwei Jahre später folgte der zweite Teil, diesmal über Koch vertrieben, das auch die Remix-Reihe Nu-Mixx Klazzics betreute. Neben Albumtiteln wie No More Pain und Picture Me Rollin’ steht die B-Seite Hit ‘Em Up, dazu Hail Mary und ein Titel aus dem Soundtrack Gang Related. Chartplätze sind nicht belegt.
Wie umkämpft dieses Archiv war, zeigte sich 2007: Als Death Row in der Insolvenz unveröffentlichte Tupac-Aufnahmen anbot, ging Afeni Shakur laut XXL vor Gericht dagegen vor. Was aus diesem Material wurde, erzählt die Seite Unveröffentlichte Songs. Die drei Alben sind deshalb mehr als Fußnoten. Sie markieren die Jahre, in denen Tupacs Stimme mehreren Besitzern gleichzeitig gehörte.