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887 Wörter · 4 Min.

Unveröffentlichte Songs und OG-Versionen

152 Aufnahmen in einer Klageschrift, Bänder im Death-Row-Archiv, Remixe statt Originale: Was von Tupacs unveröffentlichter Musik belegt ist.

Im April 1997 stand eine Zahl in einer Klageschrift: 152. So viele unveröffentlichte Aufnahmen sollten nach dem Willen von Afeni Shakur unter gerichtliche Verwaltung gestellt werden, damit Death Row sie nicht allein verwerten konnte. Sieben Monate nach Tupacs Tod war seine ungehörte Musik bereits ein Streitgegenstand.

Diese Seite trennt, was über diesen Vorrat belegt ist, von dem, was in Fankreisen erzählt wird: wie viel es gab, wo es lag, was eine „OG-Version“ ist und was bis heute daraus wurde.

Wie viele Aufnahmen es gab, hängt davon ab, wer zählt

Die erste belastbare Zahl ist die aus der Klage vom 18. April 1997: 152 unveröffentlichte Aufnahmen (Meldung). Berichte vom Ende desselben Jahres sprachen von fast 200 unveröffentlichten Aufnahmen, deren Wert auf bis zu 100 Millionen Dollar geschätzt wurde. Auch 2007 nannte der Nachlass wieder bis zu 152 Stücke aus Tupacs letzter Zeit.

Andere Zahlen beschreiben Ausschnitte. Johnny „J“ nahm nach eigenen Angaben mit Tupac über hundert Songs auf, längst nicht alle erschienen. Aus den Sessions zum Makaveli-Album im Sommer 1996 wurden laut den Albumangaben 21 Stücke fertig, zwölf kamen auf die Platte.

Die Bänder lagen bei Death Row

Fast alles, was Tupac zwischen Oktober 1995 und September 1996 aufnahm, entstand bei Death Row Records, vor allem in den Can-Am Studios in Tarzana (Studios). Nach seinem Tod lagen die Bänder im Archiv des Labels. Death Row verlangte vom Nachlass 7,1 Millionen Dollar angeblicher Vorschüsse zurück, der Nachlass hielt mit eigenen Forderungen dagegen.

Im September 1997 ließ Death Row seine Forderung im Vergleich fallen. Afeni Shakur durfte nach einem Treffen mit Suge Knight im Gefängnis rund 100 Aufnahmen aus der Death-Row-Zeit veröffentlichen. Die Bänder von All Eyez on Me und The Don Killuminati blieben beim Label. Für die Veröffentlichungen gründete sie 1997 Amaru Entertainment, zunächst über Jive Records vertrieben.

Der Vergleich beendete den Streit nicht. Nach der Insolvenz von Death Row 2006 wollte der Insolvenzverwalter laut Nachlass bis zu 152 Tupac-Aufnahmen versteigern; Afeni Shakur beantragte im Juli 2007 eine einstweilige Verfügung (Meldung). Im selben Jahr erschien aus der Insolvenzmasse Beginnings: The Lost Tapes mit frühen Aufnahmen (Archivalben). 2009 kaufte die WIDEawake Entertainment Group den Katalog und kündigte ein Album mit unveröffentlichter Tupac-Musik an (Meldung).

Erst ein Vergleich mit dem späteren Eigentümer Entertainment One brachte 2018 die Wende: Alle unveröffentlichten Aufnahmen gingen an den Nachlass zurück, nach Angaben der Website The Blast genug für zwei bis drei Alben (Meldung). Als 2019 über den Brand im Universal-Archiv von 2008 berichtet wurde, erklärte Universal, Tupacs Masterbänder seien nicht verloren.

OG heißt: so, wie Tupac es aufnahm

In Fankreisen steht „OG“ für die Originalfassung eines Songs, also die Version mit dem Beat, über den Tupac selbst rappte. Das Gegenstück ist der posthume Remix: dieselbe Stimme, aber neue Musik, oft Jahre später gebaut.

Die Alben nach 1997 enthalten überwiegend solche Remixe. Für Until the End of Time (2001) wurde der Großteil der Stücke gegenüber dem Ausgangszustand neu abgemischt. Better Dayz (2002) führt die Doppelrolle offen in den Credits: Bei vielen Titeln steht Johnny „J“ als Produzent des Originals, daneben der Name dessen, der den Remix baute, etwa Jazze Pha, Frank Nitty oder E.D.I. Mean. Death Row selbst legte 2003 mit Nu-Mixx Klazzics neue Beats unter bekannte Lieder, ohne Beteiligung des Nachlasses.

Viele Fans bevorzugen die Originale. Sie kursieren als Bootlegs, also unautorisierte Mitschnitte, deren Herkunft und Vollständigkeit sich selten prüfen lässt.

Belegte Beispiele: vom Archiv auf die Platte

SongAufnahmeVeröffentlichtWas belegt ist
Changes19921998auf Greatest Hits, sechs Jahre nach der Aufnahme
Ghetto Gospel19922004ursprünglich für A Very Special Christmas 2, nie erschienen; neu produziert von Eminem
Runnin’ (Dying to Live)19932003Original von Easy Mo Bee, Neufassung von Eminem und Luis Resto
Hit ‘Em Up1995/19961996frühe Fassung vom Oktober 1995, endgültige Aufnahme im April 1996
Watch Ya Mouth1996nie offiziellaus den Makaveli-Sessions aussortiert, später im Netz aufgetaucht
Too Tight (für MC Hammer)1996nie offiziell2008 als Studio-Clip, 2016 in guter Tonqualität aufgetaucht

Changes zeigt, wie viel ein Archivfund bewirken konnte: Das Lied wurde 1998 zu Tupacs größtem Hit in Europa. Ghetto Gospel zeigt die andere Seite. Die Fassung von 1992 baute auf Tracy Chapmans Crossroads auf; Eminem ersetzte die Musik für Loyal to the Game durch ein Sample von Elton John. Beide Fassungen haben ihre Anhänger, offiziell gibt es nur die zweite.

Die Vorstufen von Hit ‘Em Up und Runnin’ beschreiben die jeweiligen Songseiten.

Was 2026 noch aussteht

Das letzte posthume Studioalbum war Pac’s Life (2006). Die nach dem Vergleich von 2018 angekündigten Alben sind bis Oktober 2026 nicht erschienen. Neue Tupac-Musik kam seither einzeln: Im Juli 2026 kündigte 50 Cent einen Titel mit Eminem und einer unveröffentlichten Tupac-Aufnahme für den Street Fighter-Film an, nach seinen Worten mit Zustimmung des Nachlasses (Meldung). Bis zum 22. Oktober 2026 war weder ein Titel noch ein Termin bekannt.

Wem Archivmaterial gehört, beschäftigt weiter die Gerichte. Im August 2026 warf Amaru Daz Dillinger in einem laufenden Verfahren vor, Archivstücke verkauft zu haben, darunter mindestens 40 Studiobänder. Das ist ein Parteivortrag, entschieden ist nichts (Nachlass und Tantiemen).

Fast dreißig Jahre nach der Klage von 1997 ist die Zahl der ungehörten Songs so unklar wie damals. Gewachsen ist nur die Zahl der Fassungen, in denen die gehörten existieren.

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