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Weitere Personen1995 bis 2026

Frank Alexander: Tupacs Leibwächter im letzten Jahr

Er fuhr in der Tatnacht direkt hinter Tupacs BMW: Wie Leibwächter Frank Alexander durch Tupacs letztes Jahr ging und von den Schüssen nie wieder loskam.

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In der Nacht des 7. September 1996 fuhr Frank Alexander im Wagen direkt hinter Tupac Shakurs BMW, als an der Kreuzung zur Koval Lane die Schüsse fielen. Kaum jemand hatte Tupac in seinem letzten Lebensjahr so oft aus nächster Nähe gesehen wie sein wichtigster Leibwächter bei Death Row Records, und er war in dieser Nacht in Las Vegas im Dienst. Später erzählte er das Geschehen in einem Buch und mehreren Filmen immer wieder nach. Seine Geschichte zeigt aber auch, wie schwer es war, in Tupacs Umfeld Zeuge zu sein: Für die einen war er der Mann, der versagt hatte, für die Polizei ein Zeuge, der mal dies und mal das sagte.

Aus Chicago an Tupacs Seite

Alexander, den alle „Big Frank“ nannten, stammte aus Chicago. Den Weg aus den Armenvierteln fand er über die Marines, wie Kirkus Reviews in der Besprechung seines Buchs festhielt. Später arbeitete er als Gefängniswärter in Südkalifornien; die Las Vegas Sun beschrieb ihn 1997 zudem als früheren Reservisten beim Sheriff von Orange County. Der Bodybuilder machte den Personenschutz schließlich zum Beruf.

1995 begann er für Suge Knight und Death Row zu arbeiten. Als Tupac im Oktober 1995 aus der Haft kam und bei dem Label unterschrieb, wurde Alexander bald dessen wichtigster Leibwächter. Auf seiner späteren Website nannte er sich Tupacs „handverlesenen persönlichen Bodyguard“. Er begleitete ihn ins Studio, zu Auftritten und auf Reisen, im Juni 1996 etwa mit Kidada Jones zur Modewoche nach Mailand.

7. September 1996: Unbewaffnet hinter dem BMW

Am Abend des Boxkampfs Tyson gegen Seldon begleitete Alexander Tupac in die Halle des MGM Grand. Er war unbewaffnet. Warum, darüber gibt es zwei Versionen: Reggie Wright Jr., damals Sicherheitschef von Death Row, sagte später, die Leibwächter hätten in Nevada keine Waffenlizenz bekommen können. Alexander selbst schrieb, die Waffen seien nur im Club 662 verboten gewesen; man habe sie im Hotelzimmer oder im Auto lassen dürfen.

Nach der Schlägerei in der Hotellobby stieg Tupac zu Suge Knight in den BMW. Alexander saß nicht im Wagen. Nach eigener Darstellung fuhr er an diesem Abend nicht sein eigenes Auto, sondern einen Wagen von Freunden Kidada Jones’, direkt hinter dem BMW, mit E.D.I. Mean und Yaki Kadafi als Mitfahrern. An der Kreuzung Flamingo Road und Koval Lane fielen schließlich die Schüsse aus dem weißen Cadillac (siehe Das Shooting in Las Vegas 1996).

Im Prozess gegen Duane Davis bestätigte Reggie Wright Jr. am 18. August 2026, dass Alexander in jener Nacht für Tupac eingeteilt und der einzige Mann aus seiner Firma an Tupacs Seite gewesen sei. Nach der Schlägerei im MGM Grand habe Alexander ihn nicht angerufen.

Erst „absolutely not“, dann acht Fotoreihen ohne Treffer

In der Tatnacht wurde Alexander von der Polizei befragt. Auf die Frage, ob er die Schützen erkennen könne, habe er nach Angaben der Polizei geantwortet: „Absolutely not.“ Ende Februar 1997 sagte er der Los Angeles Times dagegen, er könne den Schützen womöglich erkennen, doch die Polizei habe ihm nie Fotos gezeigt. Die Polizei in Las Vegas hielt ihm seine ersten Worte vor (Zwei Zeugen, zwei Versionen).

Der Termin kam trotzdem zustande. Am 19. März 1997 legten Ermittler ihm in einem Restaurant in Orange County acht Fotoreihen vor. Er erkannte niemanden. Mehr als dieses Kapitel blieb von Alexander als Zeugen nicht: Der Fall wurde Jahrzehnte später über die Aussagen von Duane Davis aufgerollt, nicht über die Begleiter im Konvoi.

Vom Vorwurf des Versagens zur Verschwörungsthese

Nach Tupacs Tod wandte sich Death Row von Alexander ab. In seinem Buch beklagt er, man habe ihn fallen lassen und zu dem Mann gestempelt, der zugelassen habe, dass auf Tupac geschossen wurde. Das Buch Got Your Back schrieb er mit der Journalistin Heidi Siegmund Cuda; es erschien 1998. Die Kritik lobte die Nähe zu Tupac, fand den Ton aber mal rührselig, mal selbst im Klischee gefangen. Es folgte der Film Before I Wake (2001).

2007 brachte Alexander mit dem Filmemacher Richard Bond Tupac Assassination heraus, eine zugespitzte Reihe mit der These, die Sicherheit um Tupac sei in jener Nacht gezielt geschwächt worden; die Spur führte zu Reggie Wright Jr. Wright wies das zurück und warf Alexander im Gegenzug vor, Tupac selbst nicht richtig geschützt zu haben und seinen Tod auszuschlachten.

Belege für die These gab es nie, Wright wurde nie beschuldigt oder angeklagt. Als ihn der Staatsanwalt 2026 unter Eid fragte, ob er etwas mit dem Mord zu tun habe, antwortete er: „Absolut nicht.“ Er sagte auch, hätte er von einem Anschlag gewusst, hätte er eine „Armee“ um Tupac gestellt.

Tod im Jahr 2013 und eine Festplatte bei der Auktion

Am 28. April 2013 wurde Frank Alexander in seinem Haus in Murrieta, Kalifornien, tot aufgefunden. Er war 54 Jahre alt. Die Polizei von Murrieta ging nach Angaben von Lieutenant Tony Conrad von einem Suizid aus; die abschließende Feststellung lag beim Coroner des Riverside County. Ein veröffentlichtes Endergebnis liegt in den Berichten nicht vor. Wer selbst in einer Krise steckt, findet Hilfe bei der Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111.

Alexanders Material blieb auch danach im Umlauf. Im Dezember 2021 bot ein Auktionshaus eine Festplatte aus seinem Besitz an, mit Fotos und Videos aus Tupacs letzten Jahren und einem Ausschnitt eines unveröffentlichten Songs (Meldung).

Das Urteil von 2026: Kein Raum für Alexanders Thesen

Die Jury in Las Vegas folgte im August 2026 der Version, nach der die Schützen aus dem Cadillac kamen und aus Rache für die Prügel im MGM Grand handelten. Duane „Keffe D“ Davis wurde am 31. August 2026 des Mordes ersten Grades unter Einsatz einer tödlichen Waffe schuldig gesprochen; das Strafmaß ist für den 13. Oktober 2026 angesetzt, Davis bestreitet die Tat und hat Berufung angekündigt, das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Für die Verschwörungsthese aus Alexanders Filmen fand das Gericht keinen Raum. Seine Erinnerungen an Tupacs letztes Jahr bleiben trotzdem eine der wenigen Stimmen aus nächster Nähe. Mehr: Der Prozess gegen Duane Davis und Verdächtige im Überblick.