17.09.1997544 Wörter · 2 Min.
Ein Jahr danach: Tupacs Erbe in Musik, Film und Netz
September 1997: Labels und Studios streiten um Tupacs Nachlass. Was aus den Plänen wurde, und warum MTVs historische Korrektur selbst danebenlag.
Original: „Tupac Legacy Lives On In Music, Film, And Online“ · MTV News · ohne Autorenangabe · 17. September 1997
Ein Jahr nach Tupac Shakurs Tod zog MTV News Bilanz: nicht über sein Leben, sondern über das Geschäft danach. Unter Berufung auf die New York Post meldete der Sender, mehrere Parteien rängen um die Rechte an einer großen Zahl unveröffentlichter Songs. Auch die Film- und Videorechte an seiner Lebensgeschichte sowie an Gedichten und weiteren Texten standen damals noch zum Verkauf.
Plattenfirmen und Hollywood bringen sich in Stellung
Interesse an der Musik zeigten vor allem zwei Labels: Mercury Records fasste ein Album mit frühen Aufnahmen ins Auge, und Tupacs ursprüngliches Label Interscope plante mindestens zwei Alben aus seinen letzten Aufnahmen. Auch Filmproduzenten meldeten sich: Quincy Jones und Marvin Worth, Produzent von Malcolm X, wollten Tupacs Leben ins Kino bringen; der Sender HBO interessierte sich für eine Dokumentation.
Für die Ermittlungen zum Mord verwies MTV auf ein neues Online-Angebot der Las Vegas Sun. Die Zeitung bündelte dort ein ganzes Jahr Berichterstattung inklusive Fotos, Angaben aus der Sterbeurkunde und Zeitleisten.
Afeni Shakur übernimmt die Kontrolle, Hollywood lässt sich Zeit
Die unveröffentlichte Musik kam tatsächlich, allerdings zuerst über Tupacs Mutter. Afeni Shakurs Label Amaru brachte im November 1997 gemeinsam mit Interscope und Jive das Doppelalbum R U Still Down? heraus, das auf Platz 2 der Billboard-Charts einstieg. Weitere Nachlass-Alben folgten: 2001 erreichte Until the End of Time Platz 1.
Beim Film dauerte es deutlich länger. Die Dokumentation Tupac: Resurrection (2003), in der Tupac mit eigenen Worten durch sein Leben führt, entstand bei MTV Films und Amaru und wurde für den Oscar nominiert. Ein großer Kinospielfilm über sein Leben folgte erst 2017: All Eyez on Me, verliehen von Lionsgate, spielte laut Box Office Mojo weltweit rund 55,7 Millionen Dollar ein.
Später Schuldspruch im Mordfall von Las Vegas
Der Mordfall, den die Las Vegas Sun 1997 dokumentierte, blieb jahrzehntelang offen. Am 31. August 2026 sprach eine Jury in Las Vegas Duane „Keffe D“ Davis des Mordes schuldig; nach Darstellung der Anklage war er nicht der Schütze, sondern veranlasste die Tat. Das Strafmaß soll am 13. Oktober 2026 verkündet werden, Davis hat Berufung angekündigt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig (Stand Oktober 2026).
Eine Korrektur, die selbst danebenlag
Am Ende des Beitrags stand eine Richtigstellung. Kurt Loder hatte in The Week in Rock gesagt, Tupac sei nach den peruanischen Tupac-Amaru-Rebellen benannt. MTV korrigierte, Tupac und die Rebellen seien beide nach Tupac Amaru benannt, einem kubanischen Aufständischen, der vor etwa 50 Jahren aktiv gewesen sei.
Loders Satz war tatsächlich falsch: Die peruanische Guerilla MRTA entstand erst Anfang der Achtzigerjahre, Tupac wurde 1971 geboren. Die Korrektur war es aber ebenso. Namensgeber beider ist Túpac Amaru II, ein indigener Anführer, der 1780/81 in Peru einen Aufstand gegen die spanische Kolonialherrschaft führte und 1781 in Cusco hingerichtet wurde. Er selbst hatte seinen Namen von Túpac Amaru übernommen, dem letzten Inka-Herrscher.
Mit Kuba hat keiner von beiden etwas zu tun. Die Verwechslung lag 1997 nahe: Die MRTA war damals wegen der Geiselnahme in der japanischen Botschaftsresidenz in Lima weltweit in den Schlagzeilen.
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