06.09.1997399 Wörter · 2 Min.
Ein Jahr nach Tupacs Tod: Stillstand
Keine Tatwaffe, kein Verdächtiger, Stillstand: Im September 1997 bilanziert Cathy Scott ein Jahr Mordermittlungen, Erbstreitigkeiten und Suge Knights Haft.
Original: „The death of Tupac Shakur one year later“ · Las Vegas Sun · Cathy Scott · 6. September 1997
Ein Jahr nach den Schüssen zog Sergeant Kevin Manning ein ernüchterndes Fazit: „We’re at a standstill.“ Hinweise gebe es ständig, auch viele falsche, aber keinen Fortschritt. Die Tatwaffe war nicht gefunden, niemand hatte einen Verdächtigen benannt, und der Fall könne womöglich nie gelöst werden. Zum ersten Jahrestag zog Cathy Scott, die Polizeireporterin der Las Vegas Sun, eine lange Bilanz der Ermittlungen.
Ein heller Cadillac und zwei weitere Tote
Scott rekonstruierte die Nacht: Tupac und Suge Knight im gemieteten BMW auf dem Weg zum Club 662, wo Tupac nach dem Boxkampf Tyson gegen Seldon auftreten sollte; ein heller Cadillac, ein Schütze auf dem Rücksitz. Anschließend fächerte sie die offenen Fragen auf: Eifersucht, Geld, Gangs oder die Ost-West-Rivalität.
Sie erinnerte an zwei weitere Tote. Yafeu Fula alias Yaki Kadafi von den Outlawz saß in der Tatnacht im Wagen hinter Tupac und hatte als Einziger gesagt, er könne den Schützen vielleicht erkennen. Im November 1996 wurde er in New Jersey erschossen; die Polizei sah keinen Zusammenhang. Und im März 1997 starb The Notorious B.I.G. auf ähnliche Weise in Los Angeles.
Klagen um den Nachlass und neun Jahre Haft für Knight
Der zweite Teil fasste die Klagen um den Nachlass zusammen: Afeni Shakur gegen Death Row, die bei einem Konzert verletzte Jacquelyn McNealey, die Rap-Kritikerin C. DeLores Tucker und Tupacs Vater Billy Garland.
Der dritte Teil galt Knight. Scott trug seine Las-Vegas-Vergangenheit zusammen: Football an der UNLV, eine Festnahme 1987 nach Schüssen bei einem Streit, eine Verurteilung wegen Körperverletzung nach einem Kieferbruch 1990. Nun saß er neun Jahre wegen des Bewährungsverstoßes im MGM Grand; seine Frau Sharitha führte Death Row.
26 Jahre Stillstand bis zum Schuldspruch
Korrekturen zum Archivtext: Tupac wurde viermal getroffen, nicht dreimal. Kadafi starb am 10. November 1996, nicht am 13. Zwischen den Morden an Tupac und Biggie lagen sechs Monate, nicht fünf. Knight saß seit dem 22. Oktober 1996 in Haft, wegen eines Verstoßes gegen Bewährungs-, nicht Haftentlassungsauflagen.
Mannings Satz, der Fall könne nie gelöst werden, galt dennoch 26 Jahre lang. Erst 2023 wurde Duane „Keffe D“ Davis angeklagt, Onkel des im MGM Grand verprügelten Orlando Anderson; am 31. August 2026 sprach ihn eine Jury in Las Vegas schuldig (nicht rechtskräftig, Stand Oktober 2026). Auch die Frage nach dem Motiv beantwortete die Anklage lokal: Rache für die Prügelei.