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Hit 'Em Up
Juni 1996, drei Monate vor seinem Tod: Tupacs Abrechnung mit Bad Boy und Biggie, versteckt auf einer B-Seite. Heute über eine Milliarde Streams.
- Veröffentlichung
- Juni 1996 (Wikipedia nennt den 4. Juni), B-Seite von How Do U Want It
- Label
- Death Row Records / Interscope Records
- Produktion
- Johnny „J“
- Aufnahme
- Can-Am Studios, Tarzana (Los Angeles); eine frühe Fassung vom 31. Oktober 1995, die endgültige Aufnahme im April 1996 (die Quellen nennen den 19. und den 29. April)
- Mit
- Outlawz (Hussein Fatal, Yaki Kadafi, E.D.I. Mean)
- Album
- keins; später auf Greatest Hits (1998)
Am 3. Juni 1996 standen in einer Lagerhalle an der Slauson Avenue in Los Angeles Doppelgänger vor der Kamera: ein falscher Biggie, ein falscher Puffy, eine falsche Lil’ Kim. Tupac und die Outlawz rappten dazu, was sie von den Originalen hielten. Der Song erschien im selben Monat, als B-Seite der Single How Do U Want It. Drei Monate später war Tupac tot.
Hit ‘Em Up ist der härteste Song, den er je veröffentlicht hat, und einer der bekanntesten Diss-Tracks der Rapgeschichte, also Songs, die einen Rivalen offen angreifen. Er nennt Namen, droht und beleidigt. So wurde er zum Sinnbild der Fehde zwischen Death Row und Bad Boy.
Ein Entwurf aus dem Herbst 1995
Die erste Fassung entstand im Oktober 1995, kurz nach Tupacs Haftentlassung. Die endgültige Version nahm er im Frühjahr 1996 mit den Outlawz auf. Tupac rappt die erste und dritte Strophe, Hussein Fatal die zweite, Yaki Kadafi die vierte und E.D.I. Mean die fünfte.
Bass und Schlagzeug-Loop sind nach Don’t Look Any Further von Dennis Edwards nachgespielt, also neu eingespielt statt gesampelt. Dieselbe Vorlage hatten schon Eric B. & Rakim in Paid in Full (1987) verwendet. Der Refrain spielt auf Player’s Anthem der Junior M.A.F.I.A. an, einer Gruppe aus dem Bad-Boy-Umfeld.
Produzent Johnny „J“ beschrieb Tupacs Zorn später als echt. Er habe ihn nie so wütend erlebt, nichts davon sei gespielt gewesen. So geben es Bücher über Tupacs Studiojahre wieder; ein O-Ton ist nicht greifbar. Ein Stück dieser Größenordnung habe er danach nicht noch einmal aufnehmen wollen.
Eine Rechnung aus dem Quad-Studio
Der Auslöser lag anderthalb Jahre zurück: der Überfall vom 30. November 1994 in den Quad Studios (Shooting 1994). Tupac glaubte, The Notorious B.I.G., Sean „Puffy“ Combs und ihr Umfeld hätten davon gewusst. Beweise dafür gab es nie; Biggie und Combs wiesen es zurück. Verschärft hatte den Streit Biggies Who Shot Ya?, das Tupac als Verhöhnung hörte. Den ganzen Hintergrund erzählt die Seite Ost gegen West.
Ein Rundumschlag mit vielen Zielen
Im Song greift Tupac neben Biggie und Combs auch Lil’ Kim, Junior M.A.F.I.A., Mobb Deep und Chino XL an. Er behauptet außerdem, mit Biggies Frau Faith Evans geschlafen zu haben. Evans hat das stets bestritten.
Der Reporter Chuck Philips sah sie 1995 zwar im Can-Am-Studio, wo sie Hintergrundgesang für einen anderen Tupac-Song aufnahm. Ein Beleg für die Behauptung ist das nicht. Auf die Zeile über Prodigys Krankheit antworteten Mobb Deep noch 1996 mit Drop a Gem on ‘Em.
Kein belegter Weg vom Song zu den Morden
Ein belegter Zusammenhang zwischen dem Song und den Morden an Tupac und Biggie besteht nicht. Im Prozess um Tupacs Tod sprach eine Jury in Las Vegas am 31. August 2026 Duane „Keffe D“ Davis schuldig; das Urteil ist nicht rechtskräftig. Als Motiv nannte die Anklage Rache für einen Angriff auf seinen Neffen im MGM Grand, nicht den Song (siehe Ermittlungen).
Ein Video mit Doppelgängern
Produziert hat den Clip Look Hear Productions. Tupac und die Outlawz rappen darin in weißen, schwarzen und vergitterten Räumen. Einige der Doubles spielten schon im Clip zu 2 of Amerikaz Most Wanted mit. Wer Regie führte, ist nicht gesichert (IMVDb nennt J. Kevin Swain). Mehr dazu unter Videoclips.
Im Radio gefragt, in der Szene umstritten
Zunächst lief der Song viel im Radio, denn die Fehde zog Hörer an. Einige Sender wie KPWR in Los Angeles spielten ihn nicht. Kritik kam aus der Szene selbst. Ice-T erzählt in seinen Erinnerungen, er habe Tupac vor der Veröffentlichung geraten, mit Biggie zu reden. Kool Moe Dee und Chuck D schrieben später, Tupac sei zu weit gegangen. Zugleich führten Billboard und The Ringer ihn 2024 unter den besten Diss-Tracks überhaupt.
Ein Beat, an dem sich andere messen
Neu erschien der Song auf Greatest Hits (1998), als Remix auf Nu-Mixx Klazzics (2003) und live mit dem Konzertmitschnitt vom 4. Juli 1996 (Live at the House of Blues). Eminem lehnte sich mit Quitter (2000) an das Muster an. Im Spielfilm All Eyez on Me (2017) wird der Song nachgestellt. Kendrick Lamar rappte über den Beat einen Freestyle, den der Radiomoderator Big Boy im April 2018 veröffentlichte (Meldung).
Beim Streaming gehört der Titel zu Tupacs größten. Die Single-Version kam bis zum 7. Oktober 2026 auf rund 1,09 Milliarden Spotify-Streams (Zählung nach kworb.net). Zertifizierungen gibt es unter anderem in Großbritannien (Platin, 2024), Deutschland (Gold, 2026), Italien (Gold, 2024) und Neuseeland (5-fach Platin, 2026).
Alle vier Auszeichnungen kamen fast drei Jahrzehnte nach der Veröffentlichung. Die Fehde ist lange vorbei, ihr lautester Song läuft weiter.
Personen in diesem Text
Johnny JThe Outlawz: Tupacs eigene CrewFaith EvansChino XLMobb DeepSuge Knight