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Tupacs letzte Woche
109 Sekunden Boxkampf, vier Treffer, sechs Tage Intensivstation: Tupacs letzte Woche vom 7. bis zum 13. September 1996, Tag für Tag.
Am Abend des 7. September 1996 dauerte der Boxkampf zwischen Mike Tyson und Bruce Seldon im MGM Grand 109 Sekunden. Wenige Stunden später fielen an einer Ampel an der Koval Lane die Schüsse, und Tupac Shakur blieben noch sechs Tage.
Für seine Familie und seine Fans waren es Tage zwischen Hoffnung und Angst, für die Polizei Tage voller Schweigen, für Compton Tage der Gewalt. Diese Darstellung stützt sich auf die damaligen Meldungen und auf das, was die Ermittlungen später ergaben. Die Tat selbst beschreibt die Seite Das Shooting in Las Vegas 1996 ausführlich.
Samstag, 7. September 1996: Prügel in der Lobby, Schüsse an der Ampel
Tupac war mit Suge Knight und der Death-Row-Entourage nach Las Vegas gekommen, um Tyson boxen zu sehen. Seine Freundin Kidada Jones wartete im Hotel Luxor. Nach dem kurzen Kampf jubelte Tupac in eine Kamera, er habe fünfzig Schläge gezählt.
Auf dem Weg aus der Halle zeigte Death-Row-Begleiter Travon Lane auf einen jungen Mann: Orlando Anderson aus Compton. Tupac griff ihn an, die Gruppe trat mit ein, und die Hotelkameras zeichneten alles auf. Anderson verzichtete auf eine Anzeige.
Tupac zog sich im Luxor um, fuhr zu Suges Haus und machte sich gegen 22:30 Uhr im schwarzen BMW auf den Weg zum Club 662, Suge am Steuer. Nach einer kurzen Kontrolle durch eine Fahrradstreife hielten sie gegen 23:10 Uhr an der Ampel East Flamingo Road / Koval Lane. Um etwa 23:15 Uhr fielen aus einem weißen Cadillac die Schüsse. Tupac wurde viermal getroffen. Kurz vor Mitternacht lag er im University Medical Center (UMC) auf dem OP-Tisch.
Sonntag, 8. September: Die Ärzte entfernen einen Lungenflügel
Innerhalb weniger Stunden ging die Nachricht um die Welt, vor dem UMC sammelten sich Fans und Reporter. Suge Knight, von einem Splitter am Kopf gestreift, wurde entlassen.
Etwa 20 Stunden nach der ersten Operation kam Tupac ein zweites Mal in den OP, und die Ärzte entfernten den rechten Lungenflügel. „Er ist zurück in seinem Zimmer und weiterhin in kritischem Zustand“, sagte Klinik-Sprecher Dale Pugh. Zwischendurch sei Tupac bei Bewusstsein gewesen, stehe aber unter starken Medikamenten.
An seinem Bett wachten seine Mutter Afeni Shakur, Yaasmyn Fula, eine enge Vertraute der Familie, und Freunde. Jesse Jackson kam zu Besuch, dazu Vertreter der Nation of Islam und Labelkollege Hammer. Die Polizei befragte die Männer aus dem Konvoi, doch kaum einer sagte etwas. Sergeant Kevin Manning klagte, die Death-Row-Leute seien weder gesprächig noch kooperativ.
Montag, 9. September: Wachen vor der Intensivstation, Schüsse in Compton
Das Krankenhaus verstärkte die Sicherheit. Vor der Intensivstation standen Wachleute der Klinik, Polizisten und Bodyguards von Death Row. Draußen kam es zu einem Gerangel zwischen Polizei und Leuten aus Tupacs Umfeld, einige wurden kurz in Handschellen gelegt. Später sprach die Polizei von einem Missverständnis.
In Compton trafen sich an diesem Tag nach Angaben der dortigen Polizei Mitglieder mehrerer Bloods-Gruppen und berieten über Vergeltung an den Southside Crips. Bloods und Crips sind die beiden großen, verfeindeten Gang-Verbände im Raum Los Angeles. Am Nachmittag wurde am East Alondra Boulevard ein Mann angeschossen, dessen Name den Ermittlern in Las Vegas als möglicher Insasse des Cadillac genannt worden war. Mit ihm begann eine Serie von Schießereien.
Dienstag, 10. September: eine leichte Besserung
Anfangs hatten die Ärzte Tupacs Überlebenschance auf eins zu fünf geschätzt. Am Dienstag hieß es, sein Zustand habe sich leicht gebessert. In den Medien kreisten die Spekulationen: die Fehde mit Bad Boy in New York, ein Bandenkrieg in Compton, Streit innerhalb von Death Row. Die Polizei nannte das alles reine Spekulation.
Laut Vibe sagte Bad Boy aus Sorge vor Racheakten Auftritte seiner Künstler ab. Afeni Shakur und Yaasmyn Fula wechselten sich am Krankenbett ab. Wer Tupac in diesen Tagen sah, beschrieb ihn als regungslos, an Schläuche und Maschinen angeschlossen.
Mittwoch, 11. September: Suge Knight hat nichts gesehen
Am Morgen wurde in Compton ein Mitglied der Southside Crips in seinem Auto erschossen. Bei der Polizei in Las Vegas gingen Hinweise ein, der Mann habe im Cadillac gesessen; belegt wurde das nie. In den folgenden Tagen wurden in Compton weitere Menschen getötet und verletzt.
Suge Knight sprach an diesem Tag mit den Ermittlern. Er habe etwas gehört, aber nichts gesehen, sagte er, und die Polizei stand ohne Spur da. Die Ermittler sahen sich die Aufnahmen der Hotelkameras aus dem MGM Grand an. Den Mann aus der Lobby schlossen sie zunächst als Verdächtigen aus.
Donnerstag, 12. September: künstliches Koma, keine Prognose
Tupacs Zustand verschlechterte sich. Er wurde beatmet, immer wieder schüttelten Krämpfe seinen Körper. Die Ärzte hielten ihn in einem künstlichen Koma, damit er sich nicht selbst verletzte. Eine Prognose wollten sie nicht mehr abgeben.
Für diesen Tag war in Los Angeles ein Gerichtstermin angesetzt: das Strafmaß in einem Waffenverfahren aus dem Jahr 1994, in dem Tupac sich im Frühjahr schuldig bekannt hatte. Der Termin fand nicht mehr statt.
Freitag, 13. September: 16:03 Uhr
Um 16:03 Uhr Ortszeit starb Tupac Amaru Shakur im University Medical Center. Die Klinik nannte Atemversagen und Herz-Kreislauf-Stillstand als Ursache. Er war 25 Jahre alt.
Vor dem Krankenhaus standen Hunderte Menschen, viele junge Leute, Familien, Reporter. Afeni Shakur verließ die Intensivstation gefasst, umgeben von der Familie. Aus der Station kamen auch Yaasmyn Fulas Sohn Yafeu „Yaki Kadafi“ Fula, Tupacs Patenbruder, und der Death-Row-Sänger Danny Boy. Suge Knight erschien mit verbundenem Kopf, sprach kurz mit der Familie und fuhr wieder. Autos rollten langsam am Krankenhaus vorbei und spielten Tupacs Songs.
In Compton wurden am selben Tag zwei Männer erschossen, nach Polizeiangaben Mitglieder der Bloods.
Danach: Asche, ein Album und ein verlorener Zeuge
Am 14. September wurde Tupacs Leichnam in Las Vegas eingeäschert. Eine öffentliche Trauerfeier gab es nicht. An der Kreuzung Flamingo und Koval legten Fans Blumen nieder.
Am 5. November 1996 erschien unter dem Namen Makaveli das Album The Don Killuminati: The 7 Day Theory, aufgenommen im Sommer. Der Titel und die Zahl Sieben nähren seitdem Spekulationen; mehr dazu unter Theorien.
Am 10. November 1996 wurde Yaki Kadafi in New Jersey erschossen. Er hatte im Auto hinter Tupac gesessen und der Polizei gesagt, er könne den Schützen vielleicht wiedererkennen. Wie die Ermittler ohne ihn weitersuchten, bis zur Anklage von 2023, steht auf der Seite Die Ermittlungen.