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686 Wörter · 3 Min.

Von Dannemora zu Death Row: Tupacs Haft 1995

Im Dezember 1994 ging er hinter Gitter, im Oktober 1995 kam er als Death-Row-Künstler frei. Tupacs Monate in Rikers Island und Dannemora.

Als Tupac am 23. Dezember 1994 hinter Gitter ging, war er ein Rap-Star mit einem frischen Gerichtsurteil. Als er das Gefängnis im Oktober 1995 wieder verließ, war er ein Künstler von Death Row, der innerhalb weniger Tage ein Doppelalbum aufnehmen sollte. Dazwischen lagen knapp zehn Monate Haft. Sie wurden zu einem der wichtigsten Wendepunkte seines Lebens. (Warum er überhaupt verurteilt wurde, steht unter Der Fall in New York.)

Von Bellevue nach Rikers Island

Da er die Kaution von drei Millionen Dollar nicht aufbringen konnte, stellte sich Tupac den Behörden. Zuerst verlegte man ihn in die Gefängnisstation des Bellevue Hospital in Manhattan, später nach Rikers Island in den North Infirmary Command (Wikipedia). Dort besuchte ihn im Januar 1995 der Journalist Kevin Powell für ein Vibe-Interview, das im April 1995 unter dem Titel „Ready to Live“ erschien. Tupac äußerte darin den unbewiesenen Verdacht, dass Menschen aus dem Umfeld von The Notorious B.I.G. vom Überfall auf ihn gewusst hätten (Ost gegen West).

Verlegung an die kanadische Grenze

Nach seiner Verurteilung im Februar 1995 kam Tupac in die Clinton Correctional Facility in Dannemora, ein Hochsicherheitsgefängnis im Norden des Bundesstaats New York, nahe der kanadischen Grenze. Das genaue Datum der Verlegung ist widersprüchlich überliefert. Wikipedia nennt den März 1995. Ein Häftlingsausweis, der 2019 bei einer Auktion für 30.000 Dollar verkauft wurde, war laut Heritage Auctions jedoch bereits am 14. Februar ausgestellt worden. Ein zweiter, ersetzter Ausweis wurde 2023 angeboten, ergänzt durch ein Fahndungsfoto vom 28. Februar 1995 (NME, Musikexpress).

Schreiben in der Zelle

Über den Alltag im Gefängnis gibt es wenige belastbare Berichte. Nach Darstellungen, die später kursierten, saß Tupac wegen seiner Prominenz in Schutzhaft und verbrachte viel Zeit in der Zelle. Solche Details stammen meist aus zweiter Hand und sind nicht gesichert. Belegt ist hingegen, dass er schrieb: Laut BET entstand in der Haft ein unverfilmtes Drehbuch namens Live 2 Tell. Der Schauspieler Tony Danza erklärte 2012, er habe 1995 Briefe mit Tupac gewechselt. Da er die Dokumente nie öffentlich machte, stützt sich diese Darstellung allein auf seine Aussage (Meldung).

Am 14. März 1995 erschien Me Against the World und kletterte eine Woche später auf Platz 1 der US-Charts, während Tupac in Dannemora einsaß (Album). Am 29. April 1995 heiratete er im Gefängnis seine Freundin Keisha Morris. Etwa zehn Monate später wurde die Ehe annulliert.

Ein Vertrag für die Kaution

Tupacs Anwälte legten Berufung ein. Am 9. Mai 1995 setzte das Berufungsgericht die Kaution auf 1,4 Millionen Dollar fest, eine Summe, die er nicht zahlen konnte. Im Herbst 1995 reiste Suge Knight nach Dannemora. Bei diesem Besuch unterschrieb Tupac einen handschriftlichen Vertrag über drei Alben bei Death Row, im Gegenzug stellte das Label die Kaution. Wer das Geld im Hintergrund aufbrachte, wird unterschiedlich berichtet: Nach Darstellung von Interscope-Chef Jimmy Iovine kam es über Interscope, Billboard nannte Atlantic und Interscope (Interscope Records).

Noch in der Nacht ins Studio

Am 12. Oktober 1995 verließ Tupac Dannemora. Er war frei gegen Kaution, bis das Gericht über seine Berufung entscheiden würde. Nach den Daten der Great American Trials verbüßte er knapp acht Monate; rechnet man die Untersuchungshaft ab dem 23. Dezember 1994 hinzu, waren es rund neuneinhalb.

Noch in der Nacht flog er nach Los Angeles und nahm die ersten Songs für All Eyez on Me auf. Um den 18. Oktober traf ihn der Reporter Chuck Philips von der Los Angeles Times in einem Studio in Tarzana. Das Gespräch erschien am 25. Oktober 1995 unter dem Titel „I Am Not a Gangster“ (Interview). Über den Fall selbst sprach Tupac auf Rat seiner Anwälte nicht.

Über die Berufung entschied das Gericht nie. Tupac starb, bevor es dazu kam.

Neubeginn in Kalifornien

Aus der Haft ging Tupac mit einem Vertrag, der ihn an Death Row band, und mitten in den Konflikt mit New York. Die ersten Monate in Freiheit wurden zur produktivsten Zeit seiner Karriere: Im Februar 1996 erschien All Eyez on Me (Death Row Records). Im Interview vom Oktober 1995 gab er sich kämpferisch. Wie er die Haft im Rückblick sah, ist heute nur noch durch vereinzelte Aussagen belegt.

Personen in diesem Text

Keisha MorrisSuge Knight