Zum Inhalt
Design:StandardSiebdruck
Die deutsche Tupac-Shakur-Seite · seit 2002 Leben, Werk, Umfeld und Tod Design:StandardSiebdruck
United·Tupac.Com Seit 2002
Menü

25.10.1995594 Wörter · 3 Min.

„I Am Not a Gangster“: Tupac in der Los Angeles Times (Oktober 1995)

Sechs Tage nach der Haftentlassung spricht Tupac im Studio mit Chuck Philips über Gefängnis, Medien, Shakespeare und den Vorwurf, Gewalt zu verherrlichen.

Original: „Q & A with Tupac Shakur: ‘I Am Not a Gangster’“ · Los Angeles Times, Ressort Calendar · Chuck Philips · 25. Oktober 1995

Wann und wo

Häufig wird dieses Interview auf den 25. August 1995 datiert. Das kann nicht stimmen: Tupac saß im August noch in Haft. Erschienen ist das Gespräch am 25. Oktober 1995 in der Los Angeles Times. Chuck Philips, damals Musikreporter der Zeitung, traf Tupac laut Artikel „sechs Tage nach seiner Entlassung“also um den 18. Oktober, im abgedunkelten Regieraum eines Tonstudios in Tarzana bei Los Angeles, den Can-Am Studios, in denen Death Row damals aufnahm.

Am 12. Oktober hatte Death Row eine Kaution von 1,4 Millionen Dollar hinterlegt, damit Tupac das Hochsicherheitsgefängnis Clinton Correctional Facility in Dannemora (New York) verlassen konnte, solange seine Berufung lief. Die Times schrieb von Rikers Island; tatsächlich hatte er den größten Teil der Haft in Dannemora verbüßt. Verurteilt worden war er wegen sexuellen Missbrauchs nach einem Vorfall in einem Hotel in Manhattan 1993. Seine Anwälte hatten ihm geraten, über den Fall nicht zu sprechen, er hielt sich daran.

Die Lage im Herbst 1995

Tupac war 24 Jahre alt und hatte ein Jahr hinter sich, das für mehrere Leben gereicht hätte: fünf Schüsse im New Yorker Quad-Studio im November 1994, der Prozess, die Haft. Gleichzeitig war Me Against the World während seiner Haft auf Platz 1 eingestiegen, „Dear Mama“ war ein Top-10-Hit. In Texas lief eine Zivilklage, die seinen frühen Songs eine Mitschuld am Tod eines Polizisten gab.

Im Studio spielte er Philips das gerade fertige Duett mit Snoop Doggy Dogg vor, „2 of Amerikaz Most Wanted“laut Artikel schon das 14. Stück seit der Entlassung. Zusammen mit Produzent Johnny „J“ arbeite er, „bis die Leute umfallen“. Daraus wurde einige Monate später das Doppelalbum All Eyez on Me.

Worüber gesprochen wurde

Philips fragte nach der Haft, nach den Schüssen und nach dem Ruf als „Gangsta-Rapper“. Tupac erzählte, wie sehr ihn die Witze von Talkmastern über seine Verletzungen getroffen hätten und wie viel ihm Briefe von Fans, Müttern und Kindern bedeutet hätten, sogar Schauspieler Tony Danza habe ihm geschrieben. Er räumte eigene Fehler ein und wollte „nach vorne schauen“.

Den Kern des Interviews bildet seine Abgrenzung vom Gangster-Image:

„Let me say for the record, I am not a gangster and never have been.“ Tupac Shakur, Los Angeles Times, 25. Oktober 1995

Er sei kein Dieb und kein Gewalttäter, sondern „ein Bruder, der sich wehrt“und ein Künstler mit Job. Gewalt komme in seinen Songs vor, weil sie im Leben vorkomme. Banden gebe es überall: Er zählte FBI, ATF, Polizei, Kirchen und beide großen Parteien auf, die alle ihre eigene „Clique“ hätten.

Shakespeare und „Dear Mama“

Am meisten ärgerte ihn, dass seine leisen Songs übersehen würden. Er nannte Don McLeans „Vincent“ als Vorbild für Texte, die berühren, und erzählte von seiner Zeit an der Baltimore School for the Arts. Romeo und Julia deutete er als Geschichte zweier verfeindeter Gangs, Macbeth als Drama über Verführung und Wahn. Auf die Frage nach abwertenden Begriffen für Frauen antwortete er ausweichend, betonte aber, er spiele jedes Album zuerst seiner Mutter Afeni Shakur vor; „Dear Mama“ habe er geschrieben, weil er ihr „etwas Tiefes schuldete“.

Bedeutung

Es war Tupacs erstes großes Zeitungsinterview nach der Haft und das erste, das ihn als Death-Row-Künstler zeigt. Der Satz „I am not a gangster“ wurde zu einem seiner meistzitierten. Chuck Philips blieb an dem Thema dran: Nach Tupacs Tod schrieb er für die Times mehrere viel diskutierte Recherchen zu den Schüssen von 1994 und 1996.

Weiterlesen: Shooting 1994 · Interview mit MTV, Oktober 1995