Im Februar 2003 betrat ein junger Mann Mekka, um zu pilgern. Wenige Jahre zuvor trug er auf der Bühne noch eine Waffe bei sich und trank jeden zweiten Tag eine Flasche Cognac. Als Napoleon stand Mutah Beale an Tupacs Seite und lebte das Death-Row-Jahr 1996 im Exzess. Heute ist er Unternehmer in Saudi-Arabien. Kein Mitglied der Outlawz hat einen so weiten Weg hinter sich. Vieles über seine Kindheit und sein Innenleben stammt aus seinen eigenen Erzählungen; diese Seite kennzeichnet es entsprechend.
Blutvergießen in New Jersey
Mutah Beale, laut Los Angeles Times mit vollem Namen Mutah Wasin Shabazz Beale, wurde 1977 geboren und wuchs in New Jersey auf. Nach den Angaben zu seiner Biografie lebte er in Irvington. Als er drei Jahre alt war, wurden seine muslimischen Eltern vor seinen Augen und denen seiner Brüder erschossen. So schilderte er es 2003 der Los Angeles Times und 2012 im Dokumentarfilm Napoleon: Life of an Outlaw. Wer die Tat beging und warum, erklärte er in Interviews unterschiedlich; belastbare Quellen dazu fehlen.
Seine christliche Großmutter zog ihn auf. In der Kirche fühlte er sich nach eigenen Angaben „nie zu Hause“, dafür umso mehr auf der Straße: Er stahl, prügelte sich und handelte mit Drogen. Doch schon als Jugendlicher schrieb er Gedichte und begann zu rappen.
1,68 Meter Wut: Der Weg zu Death Row
Zu Tupac fand er über einen Kindheitsfreund: Yafeu Fula, den späteren Yaki Kadafi. In einem 2007 übersetzten Interview erzählte Beale, er habe als Teenager Kadafis Mutter nach ihrem Sohn gefragt und so den Kontakt zu Tupac bekommen. Dieser habe ihn wegen seiner Geschichte kennenlernen wollen. Ende 1993 stieß Beale zu dem Trio um Kadafi, Kastro und Malcolm Greenidge (E.D.I. Mean). Sie nannten sich nun Dramacydal und waren 1995 auf Me Against the World zu hören.
Nach Tupacs Haftentlassung 1995 folgte die Gruppe ihm zu Death Row nach Los Angeles. Den Namen Napoleon habe Tupac ihm gegeben, sagte Beale, wegen seiner Körpergröße von 1,68 Meter und „weil ich so böse war“. Er ist im Video zu Hit ‘Em Up zu sehen. Rückblickend beschrieb ihn die Los Angeles Times 2003 als jemanden, der damals hart trank und hart kämpfte: alle zwei Tage eine Flasche Cognac, immer eine Waffe dabei. Die Platten, auf denen er zu hören ist, verkauften sich nach seinen Angaben rund 40 Millionen Mal.
Zwei Tode im Herbst 1996
Am 13. September 1996 starb Tupac. Keine zwei Monate später, am 10. November, wurde Kadafi in Orange, New Jersey, erschossen. Nach Berichten von Gulf News (2012) und Complex (2015) fiel der Schuss durch einen Cousin Beales.
Wie sehr ihn das traf, schilderte Beale im Rückblick völlig verschieden. 2003 sagte er der Los Angeles Times, die Todesfälle hätten ihn kaum berührt, da er sein ganzes Leben lang Tod gesehen habe. 2012 dagegen erzählte er Gulf News, wie ihn der Tod seiner Großmutter und dann Tupacs in eine Depression stürzte. Er habe nicht mehr leben wollen, jeden Tag getrunken und sich geprügelt. Als Wendepunkt nennt Gulf News den Tod Kadafis.
Bier, Joints und eine Einladung in die Moschee
Den Anstoß zur Wende gab der Musikproduzent Mikal Kamil. Er lernte Beale in einem Studio in North Hollywood kennen, eine Dose Starkbier in der einen Hand, einen Joint in der anderen, und stellte überrascht fest, dass dessen Vorname islamisch war. Kamil lud ihn in die Moschee ein.
Beale selbst erzählte 2012 von einer anderen Szene: Ein Streit mit seinem jüngeren Bruder im Studio sei eskaliert. Ein Muslim habe die beiden getrennt und ihn gefragt, ob ihm klar sei, dass das Blut am Boden das seines Vaters und seiner Mutter sei.
Zur Wende wurde der Ramadan 2001. Beale fastete, hörte auf zu trinken und begann zu beten. Als Jahr seines Übertritts nennt er heute 2002, im Februar 2003 pilgerte er nach Mekka. Kurz zuvor hatte er noch Schlagzeilen gemacht: 2001 flogen die Outlawz von einer Probe für MTVs Jubiläumsshow, nachdem Beale Sean Combs das Mikrofon abgenommen hatte und es zum Gerangel kam.
Der Anruf von der Pilgerfahrt
Wann genau er die Gruppe verließ, wird unterschiedlich angegeben. Sein letztes Outlawz-Album war Neva Surrenda (2002). Nach seiner Schilderung in Gulf News waren die Outlawz auf Tour, als er von der Pilgerfahrt zurückkam. Er rief an und sagte, er komme nicht zurück. Das passt zu einer älteren Fanangabe (April 2003). Andere Darstellungen nennen 2005; aus den vorliegenden Quellen lässt sich das nicht genauer klären.
Zunächst versuchte er es mit Musik ohne Schimpfwörter. 2003 arbeitete er an einem solchen Album mit dem Titel Scriptures From a Thug’s Point of View. Das Geschäft unterstütze diese Musik nicht, sagte er 2012; er habe alles hinter sich lassen müssen. Seit seinem Übertritt höre er keine Musik mehr.
Ein neues Leben in Saudi-Arabien
Danach reiste Beale fast zehn Jahre als Motivationsredner um die Welt und warnte Jugendliche vor dem Gang-Leben und dem Musikgeschäft. 2012 erschienen der Dokumentarfilm Napoleon: Life of an Outlaw und eine gleichnamige Autobiografie, geschrieben mit Shafeeq Qasim. 2022 folgte Life Is Raw: The Story of a Reformed Outlaw: Der Autor Sulaiman Jenkins schrieb das Buch nach Gesprächen mit Beale und Weggefährten wie Young Noble und Storm; eine arabische Ausgabe erschien im Verlag Obeikan.
Um 2010 zog er nach Riad; die Angaben schwanken zwischen 2010 und 2011. Dort arbeitete er zunächst mit Jugendlichen, dann als Unternehmer. 2014 eröffnete er mit Partnern ein Café. Heute ist er Mitinhaber des Barbecue-Restaurants Smokey Beards, das auch eine Filiale in Fort Worth, Texas, hat, und berät Firmen beim Start in Saudi-Arabien.
Der Schuldspruch von 2026
Nach der Festnahme von Duane „Keffe D“ Davis 2023 sagte Beale bei The Art of Dialogue, Davis habe sich mit seinem vielen Reden selbst in diese Lage gebracht. Hätte Tupac überlebt, hätte er dennoch nicht gewollt, dass Davis ins Gefängnis kommt: „Pac würde keine Polizei einschalten.“ Als Zeuge trat Beale im Prozess 2026 nach den vorliegenden Berichten nicht auf.
Den Schuldspruch nannte er gegenüber The National überraschend, er habe mit einem Freispruch gerechnet. Sein Glaube gebe ihm Gewissheit: „Jeder bekommt, was er verdient. Wenn nicht in diesem Leben, dann im nächsten.“ Er halte Kontakt zu Tupacs Familie, sei aber „kein Sprecher der Familie“.
Davis wurde am 31. August 2026 des Mordes ersten Grades unter Einsatz einer tödlichen Waffe schuldig gesprochen, das Strafmaß ist für den 13. Oktober 2026 angesetzt. Er bestreitet die Tat und hat Berufung angekündigt; das Urteil ist nicht rechtskräftig (siehe Der Prozess gegen Duane Davis).
Über Tupac sagt Beale heute: „Er hat, mit Gottes Erlaubnis, die Richtung meines Lebens verändert.“ Wie Tupac selbst zum Glauben stand, ordnet die Seite Tupac und die Religion ein.