GedichtTeil „Just a Breath of Freedom“
The Sun and the Moon
Sechs Zeilen über eine Kraft, die wärmt und blendet: In „The Sun and the Moon“ zeichnet Tupac das Porträt einer Gestalt, deren Zeit abläuft.
- Buch
- The Rose That Grew from Concrete (1999)
- Teil
- Just a Breath of Freedom
- Originaltext
- nicht abgedruckt (Urheberrecht); nachzulesen im Buch
Sechs Zeilen genügen Tupac für ein Porträt ohne Namen. Das kurze Gedicht trägt keine Widmung und spricht ein „Du“ an, ohne zu sagen, wer gemeint ist. Veröffentlicht wurde The Sun and the Moon im dritten Teil von The Rose That Grew from Concrete, „Just a Breath of Freedom“.
Wer zu lange hinsieht, wird geblendet
Tupac vergleicht die angesprochene Person mit den Strahlen der Sonne: warm für viele, für manche zu stark. Je mehr sie gebraucht wird, desto heller scheint sie. Doch wer zu lange hinsieht, wird geblendet. Gemeint sind die „sterblichen Menschen“, die ihr mit Untergang drohen. Die Schlusszeile verbindet Bedauern und Notwendigkeit: Die Menschen sehen die Sonne ungern untergehen, aber nun ist es Zeit für den Mond.
Das Gedicht spielt mit der Doppelseite von Stärke: Dieselbe Kraft, die Wärme gibt, macht anderen Angst. Untergang ist hier kein Scheitern, sondern ein natürlicher Wechsel. Auf den Tag folgt die Nacht, auf eine Figur eine andere.
Eine Führungsfigur, ein Freund oder Tupac selbst
Der Buchteil, in dem das Gedicht steht, versammelt Texte über Mut und Verlust: über Nelson Mandela in Just a Breath of Freedom und über den ermordeten Black-Panther-Gründer Huey P. Newton in Fallen Star, das direkt danach folgt.
In dieser Umgebung lässt sich The Sun and the Moon als Gedicht über eine politische Führungsfigur lesen, die von Gegnern bedroht wird und deren Zeit abläuft. Genauso gut kann es um eine Mutter, einen Freund oder um Tupac selbst gehen. Belegt ist keine dieser Deutungen.
Schlusstrack auf dem Album von 2000
Auf dem Album The Rose That Grew from Concrete (2000) bildet das Gedicht den Schlusstrack, gesprochen von Chief Okena Littlehawk. Wann es entstand, ist nicht belegt; laut Vorwort stammen die Gedichte aus den Jahren 1989 bis 1991.
Mehr zum Buch und alle Gedichte in der Einführung.