GedichtTeil „Liberty Needs Glasses“
Liberty Needs Glasses
Zwei blinde Damen stolpern durchs System: In Tupacs bissigster Satire rempelt Justitia Mutulu Shakur und Geronimo Pratt an, und übersieht die Mächtigen.
- Buch
- The Rose That Grew from Concrete (1999)
- Teil
- Liberty Needs Glasses
- Originaltext
- nicht abgedruckt (Urheberrecht); nachzulesen im Buch
Die Freiheitsstatue braucht eine Brille, und Justitia an ihrer Seite sieht nicht besser: Beide stolpern blind wie Fledermäuse durch das System. Mit diesem Spottbild schuf Tupac das politischste und zugleich witzigste Gedicht seiner Sammlung. Liberty Needs Glasses gibt auch dem vierten und letzten Teil des Buchs The Rose That Grew from Concrete seinen Namen.
Justitia rempelt Mutulu an und stolpert über Geronimo Pratt
Im Gedicht zählt Tupac auf, wen die beiden Damen auf ihrem Weg treffen. Justitia rempelt Mutulu an und stolpert über Geronimo Pratt, zwei Männer aus seinem engsten Umfeld. Sein Stiefvater Mutulu Shakur war 1986 verhaftet und 1988 wegen des Brink’s-Überfalls von 1981 zu 60 Jahren verurteilt worden. Sein Pate Geronimo Pratt saß seit 1972 im Gefängnis. Sein Urteil wurde erst 1997 aufgehoben, weil die Anklage entlastende Beweise zurückgehalten hatte.
Über andere steigt Justitia dagegen einfach hinweg: über einen Oliver und seinen Partner Ronnie. Naheliegend, wenn auch vom Buch nicht erläutert, ist die Deutung auf Oliver North und Ronald Reagan und die Iran-Contra-Affäre der 1980er-Jahre. Auch Mandela, die amerikanischen Ureinwohner und die nie verurteilte Sklaverei tauchen auf, ebenso die gefährdeten Schwarzen Männer, gegen die die Justiz hart vorgehe.
Wer die Massen achtet, bringt beide zum Optiker
Am Ende bleibt Tupac im Bild: Wer das Leben und die Massen wirklich achte, solle die beiden zum Optiker bringen. Der Spott ersetzt hier den Zorn anderer Gedichte wie How Can We Be Free.
Wann das Gedicht entstand, ist nicht belegt. Laut Vorwort von Afeni Shakur stammen die Gedichte aus den Jahren 1989 bis 1991. Auf dem Album The Rose That Grew from Concrete (2000) liest Malcolm-Jamal Warner den Text unter dem Titel Lady Liberty Needs Glasses.
Mehr zum Buch in der Einführung.