Andre Young, geboren am 18. Februar 1965 in Compton, war 1995 der wichtigste Produzent der Westküste: Mitgründer von N.W.A, Mitgründer von Death Row, Architekt von The Chronic und Snoop Doggs Doggystyle. Als Tupac im Oktober 1995 zu Death Row kam, trafen zwei der größten Namen des Genres aufeinander. Ein halbes Jahr später waren sie Gegner.
„California Love“
Das wichtigste Ergebnis ihrer Zusammenarbeit war California Love (mit Roger Troutman): Dre produzierte den Song, rappte die erste Strophe und drehte mit Tupac das Endzeit-Video im Stil von Mad Max. Als Doppel-A-Seite mit How Do U Want It erreichte die Single 1996 Platz 1 der Billboard Hot 100, für beide der erste Nummer-eins-Hit. Auf All Eyez on Me stammen außerdem Can’t C Me und der Remix von California Love von Dre. Mitunter heißt es, Dre habe den Song zunächst für sein eigenes Album gewollt; Suge Knight habe entschieden, ihn auf Tupacs Doppelalbum zu nehmen. Belege dafür gibt es nicht.
Der Bruch
Im März 1996 verließ Dre Death Row und gründete Aftermath Entertainment, ebenfalls mit Interscope als Partner. Als Gründe nannten Berichte einen Vertragsstreit und Dres wachsendes Unbehagen über Suge Knights Führungsstil und die Gewalt im Umfeld des Labels. Dre hielt sich aus dem Ost-West-Konflikt bewusst heraus.
Für Tupac und Knight war der Abgang Verrat. Im Death-Row-Lager hieß es unter anderem, Dre habe Snoop Dogg während dessen Mordprozess nicht beigestanden; so wird es häufig dargestellt. Tupac griff ihn in mehreren Songs an: in Against All Odds, in To Live & Die in L.A. und vor allem in Toss It Up. Dessen erste Fassung imitierte bewusst Dres Produktion für Blackstreets Hit No Diggity; nach einer Unterlassungsforderung von Blackstreet-Kopf Teddy Riley musste der Beat ersetzt werden, und dabei kam eine neue Strophe gegen Dre hinzu. Einige der Angriffe spielten mit homophoben Unterstellungen, typisch für die Diss-Kultur jener Jahre, hier nur als Tatsache vermerkt.
Dres Haltung
Dr. Dre antwortete nie mit einem Diss-Track gegen Tupac. Er äußerte später Respekt und Bedauern, dass es vor Tupacs Tod zum Bruch gekommen war. Häufig zitiert werden dazu Zeilen aus einem späteren Song, in dem Dre sinngemäß sagt, es sei schade, dass sie sich vor Tupacs Tod zerstritten hätten; die genaue Fundstelle ließ sich nicht prüfen.
Am deutlichsten wurde Dres Haltung im April 2012: Beim Coachella-Festival standen er und Snoop Dogg mit einer digitalen Projektion Tupacs auf der Bühne, ein Auftritt, über den weltweit berichtet wurde. Der Konflikt war, wenn man so will, von Dres Seite aus nie einer. Mehr zum Label unter Death Row Records.