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801 Wörter · 4 Min.

Vinyl und Sammeln

Zwischen Plattenladen und Auktionshaus: Wie Tupacs Musik neu aufgelegt wird und persönliche Stücke für Millionen unter den Hammer kommen.

Wer Tupac sammelt, sucht nach Platten, Kassetten, Handschriften oder Schmuck, und bewegt sich dabei auf zwei völlig getrennten Märkten. Für Tonträger gelten feste Preise im Laden, für persönliche Gegenstände bestimmen Auktionshäuser und Gerichtsakten das Geschehen. Diese Seite dokumentiert beides: was offiziell neu aufgelegt wurde, welches Boxset nie erschien und welche Summen auf dem Sammlermarkt mit konkretem Datum und Preis belegt sind.

Runde Jubiläen bestimmen den Takt der Vinyl-Neuauflagen

Der Nachlass und das Label Interscope nutzen vor allem runde Jahrestage für Neuauflagen. Den Anfang machte am 16. Februar 2018 Strictly 4 My N.I.G.G.A.Z.: Zum 25. Jubiläum erschien das Album erstmals nach 1993 wieder auf Platte, wie Complex berichtete (Album). Erhältlich waren zwei Fassungen auf zwei LPs: die reguläre Standardausgabe im Handel und eine auf 1.000 Stück limitierte Deluxe-Edition, die der Nachlass exklusiv über die offizielle Website anbot. Sie erschien im Gatefold, zeigte ein Bild von Tupacs Notizbuch samt handschriftlicher Titelliste und war auf orange-rot marmoriertes Vinyl gepresst.

Am 24. November 2018 folgte zum 20. Jahrestag von Greatest Hits ein vierteiliges Vinyl-Set in Schwarz oder transparent. Laut Vibe enthielt die Box 21 bekannte Titel, die damals vier neuen Songs und den Original-Mix von California Love. Im März 2020 brachten Amaru und Interscope Me Against the World als 180-Gramm-Doppel-LP heraus; Hypebeast meldete dazu am 17. Februar Merchandise für 30 bis 95 Dollar. Zum 30. Jahrestag erschien 2025 eine Doppel-LP in „Midnight Mist“, laut Angaben des Museumsshops der Rock Hall mit neuem Verpackungsdesign und Poster.

Zu All Eyez on Me (1996) gibt es 2026 gleich zwei Jubiläumsausgaben mit jeweils neu gestaltetem Cover. Der Complex-Shop kündigte eine Vierfach-LP auf goldenem Vinyl im Gatefold mit 23 Titeln auf acht Seiten an, lieferbar ab Mitte Juli 2026. Der Musikshop uDiscover stellte für den 7. August 2026 beim Label Polydor eine Doppel-LP in „Concrete Swirl“ in Aussicht. Wie die Auflagen verteilt sind, nennen die Händler nicht. Einen Überblick über die Neuauflagen bietet die Discografie.

Kassetten kehren zurück, das Original-Boxset bleibt ein Versprechen

Auch die Musikkassette feierte ihr Comeback. Zum 30. Jahrestag von Death Row Records legte der Händler Tapehead City laut Consequence (12. März 2021) vier Alben neu auf. Darunter waren All Eyez on Me in durchsichtigem Rot und The Don Killuminati: The 7 Day Theory in Gold, ausgeliefert ab dem 20. April 2021. Für beide Titel gab es zusätzlich eine „Prison Tape“-Version mit klarem Gehäuse und ohne Cover.

Ein anderes Projekt blieb dagegen reines Wunschdenken: ein Boxset mit den unveränderten Originalaufnahmen. Am 13. April 2008 berichtete die damalige Fanseite über eine Aussage von Tre Maxie, dem Leiter des Tupac Amaru Shakur Center for the Arts. Tupac habe bei seinem Tod mehr als 300 unveröffentlichte Songs hinterlassen. Über ein Boxset werde gesprochen, bestätigt sei es nicht.

In der Fanszene sorgte das damals für Frust: Viele ärgerten sich darüber, dass offizielle Veröffentlichungen unter Afeni Shakur häufig neu produzierte Remixe statt der Originale enthielten. Stattdessen kursierten Bootleg-Reihen wie „Makaveli 2“ bis „Makaveli 17“. Ein solches Boxset erschien nie, und Pac’s Life (2006) blieb das letzte posthume Studioalbum (Pac’s Life). Wer Pressungen vergleichen will, findet Katalognummern und Matrizen auf Discogs, etwa zur US-Doppel-LP von Pac’s Life bei Interscope/Amaru.

Handschriften, Schmuck und Autos: Auf dem Sammlermarkt explodieren die Preise

Seit 2016 tauchen immer wieder persönliche Gegenstände im Handel auf. Der Händler Moments in Time bot 2016 drei Notizbücher an und verlangte im März 2017 für drei Seiten mit handgeschriebenen Zeilen von Dear Mama 75.000 Dollar (Dear Mama). Ende März 2017 reichte der Nachlass von Afeni Shakur drei Klagen gegen den früheren Manager, einen früheren Produktionspartner und diesen Händler ein, weil Memorabilien ohne Recht verkauft würden (Billboard, 29. März 2017).

Preise, die belegt sind:

DatumStückPreis
Januar 2019Zeichnung mit Liebesbrief von 1995 (Steiner Auction)21.155,75 Dollar
Juli 2019Häftlingsausweis vom 14. Februar 1995 (Heritage Auctions)30.000 Dollar, laut Haus ein Rekord für ein Tupac-Stück
Dezember 2021Handschriftliches Gedicht, Händlerangebot95.000 Dollar (Angebot)
26. Juli 2023Kronenring von den VMAs 1996 (Sotheby’s)1.016.000 Dollar
Januar 2026BMW 750iL aus dem Anschlag von 1996 (Inserat)1,75 Millionen Dollar (Angebot)

Der Ring wurde laut Sotheby’s für mehr als das Dreifache der Schätzung verkauft und war das erste Hip-Hop-Objekt über einer Million; Käufer war Drake. Beim BMW, schon 2017 für 1,5 Millionen Dollar angeboten, handelt es sich um Angaben des Händlers ohne unabhängige Prüfung der Herkunft. Bei Handschriften aus Privatbesitz stammen die Herkunftsangaben oft allein vom Einlieferer; echte Verkaufspreise unterscheiden sich von Schätzungen und Angebotspreisen.

Für Fans, die nur hören wollen, trennt sich das Erbe damit in zwei Welten: Die Musik gibt es streamend und auf Platte zu festen Preisen, während der Handel mit Originalen Summen aufruft, die mit dem Wert der Musik wenig zu tun haben. Zur Kleidung und zu Lizenzen siehe Merchandise und Mode, zur Wirkung der Alben in Zahlen Verkaufszahlen und Zertifizierungen.