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716 Wörter · 3 Min.

Tupac-Zitate mit Quelle: Echtes, Unbelegtes, Erfundenes

Zwölf belegte Tupac-Zitate mit Datum und Medium und fünf Kriterien, an denen sich frei erfundene Sprüche im Internet sofort entlarven lassen.

Auf Kalenderblättern, Instagram-Karten und Kaffeetassen kursieren zahllose Sätze unter Tupacs Namen, für die niemand Interview, Datum oder Medium nennt. Kaum ein Rapper wird so oft zitiert, und bei kaum einem sind so viele falsche oder herrenlose Zitate im Umlauf. Diese Seite sammelt Aussagen, deren Fundstelle sich exakt nachweisen lässt, und ordnet den Rest sachlich ein. Die vollständigen Gespräche stehen im Bereich Interviews.

Zwölf Aussagen halten der Quellenprüfung stand

Zur Gangster-Frage. „Let me say for the record, I am not a gangster and never have been.“ Los Angeles Times, Chuck Philips, 25. Oktober 1995, kurz nach seiner Entlassung (Interview).

Zur Haft. „The addict in Tupac is dead. The excuse maker in Tupac is dead.“ Und: „I’m in jail now, but I’m free. My mind is free.“ Beides stammt aus dem Vibe-Gespräch mit Kevin Powell auf Rikers Island, geführt Anfang Januar 1995 und erschienen im April 1995 (Ready to Live).

Zur Gewalt. „I don’t want it to be about violence. I want it to be about money.“ Vibe, Februar 1996, Kevin Powell (Live from Death Row). Er sagte es über den Streit mit Bad Boy.

Zu zwei Seiten. „Mess with me and I turn into Bishop real fast. Leave me alone and I will be Lucky.“ Right On!, 1993 (Right On! 1993). Bishop bezieht sich auf seine Rolle in Juice, Lucky auf die in Poetic Justice.

Zum Hustle. „I believe God blesses those that hustle.“ VIBE Online, 1996 (laut dem Vibe-Buch von 1998 im Juni 1996; Inside the Mind of Shakur).

Zum Namen Makaveli. „I idolize that type of thinking where you do whatever’s gonna make you achieve your goal.“ Rob Marriott, Vibe, November 1996 (Last Testament). Er meinte das Denken, nicht den Autor (mehr dazu bei Makaveli und Machiavelli).

Zur Haftentlassung. „I wanna be smaller than life when I’m out.“ Jamie Foster Brown, Sister 2 Sister, 1995 (Sister 2 Sister).

Zur Freundschaft mit Snoop. „We’re gonna tag team all day.“ MTV News, April 1996 (MTV und Snoop Dogg).

Zum Kino. „We get treated like the bad messenger and he gets treated like King Solomon.“ Tupac über Quentin Tarantino, MTV News, April 1996 (dieselbe Seite).

Zu Death Row East. „If you believe in God, believe in Death Row East.“ MTV, am Rand der Video Music Awards, 4. September 1996 (MTV Music Awards).

Zur Gesellschaft. In Changes rappt er: „I see no changes. All I see is racist faces.“ Diese Zeile stammt aus dem Song, 1992 aufgenommen und 1998 veröffentlicht (siehe Changes).

Beliebte Sprüche lassen sich nirgends nachweisen

Besonders weit verbreitet sind motivierende Sätze über Träume, Veränderung der Welt oder Durchhalten. Dazu gehört die Behauptung, er wolle das Gehirn entzünden, das die Welt verändert („spark the brain that will change the world“), ebenso wie das kurze „Reality is wrong. Dreams are for real.“ Für beide Aussagen ließ sich bislang keine Fundstelle mit Interview, Datum und Medium bestätigen; sie tauchen hier deshalb nicht als Zitate auf. Sie können echt sein, belegt sind sie nicht. Ähnlich steht es um Sprüche über „die Rose im Beton“: Sie lehnen sich an den Gedichtband The Rose That Grew from Concrete an, werden im Umlauf aber oft umformuliert.

Ein Sonderfall ist der Satz „I didn’t create T.H.U.G. L.I.F.E., I diagnosed it.“ Er wird Tupac zugeschrieben und soll im Film Tupac: Resurrection vorkommen; die Einordnung steht bei THUG LIFE.

Fünf Kriterien entlarven die Fälschung

  1. Keine Angabe von Medium und Datum. Echte Zitate lassen sich auf ein Interview oder einen Song zurückführen. „Tupac sagte einmal“ ist keine Quelle.
  2. Zu glatt. Tupac sprach Alltagssprache mit Flüchen, Härte und Brüchen. Wo ein Satz wie ein Kalenderspruch klingt, lohnt der Zweifel.
  3. Anachronismen. Wörter, Themen oder Plattformen, die es vor 1996 nicht gab, sind ein sicheres Zeichen für spätere Erfindungen.
  4. Abgewandelte Songzeilen. Aus Liedern wird gern frei zitiert und der Text dabei eigenmächtig umgeschrieben. Bei Songs gilt stets der Wortlaut auf der Platte.
  5. Der Fundort. Ein Interview auf dem Server eines Magazins, in einem Buch mit Seitenangabe oder in einem Archiv wiegt mehr als eine anonyme Zitatesammlung.

Die deutschen Übersetzungen der Aussagen auf den Interviewseiten dieses Archivs sind redaktionell; maßgeblich bleibt der englische Wortlaut, der hier dokumentiert ist.

Personen in diesem Text

Snoop DoggSuge Knight