Zur Einordnung: Was Greg Kading über Auftraggeber schreibt, sind Thesen eines Ermittlers, keine Gerichtsurteile. Sean Combs wurde im Fall Shakur nie angeklagt und bestreitet jede Beteiligung; Suge Knight wurde im Fall The Notorious B.I.G. nie angeklagt. Die Verurteilung von Duane „Keffe D“ Davis vom 31. August 2026 ist nicht rechtskräftig (Stand Oktober 2026).
Greg Kading war nie für den Fall Tupac zuständig. Als Detective der Polizei von Los Angeles (LAPD) sollte er den Mord an The Notorious B.I.G. aufklären. Trotzdem gilt er als einer der Männer, ohne die es im Fall Shakur nie einen Prozess gegeben hätte: 2008 schilderte Duane „Keffe D“ Davis ihm und seinem Partner zum ersten Mal seine Rolle in jener Nacht. Jahre später machte Kading dieses vertrauliche Geständnis öffentlich.
22 Dienstjahre und ein ungelöster Fall: Die Biggie-Taskforce
Kading war 22 Jahre lang Polizist in Los Angeles, zuletzt in der Abteilung für Raub und Mord. 2006 wurde er dem Fall Christopher Wallace zugeteilt, dessen Spuren seit dem 9. März 1997 ins Leere liefen. Parallel lief eine Zivilklage der Familie Wallace gegen die Stadt, die Polizisten eine Verwicklung in den Mord vorwarf; sie wurde später fallen gelassen. Kading leitete eine gemeinsame Ermittlungsgruppe von LAPD und Bundesbehörden, sein Partner war Detective Daryn Dupree.
Druckmittel Drogenhandel: Keffe D bricht sein Schweigen
Die Taskforce suchte Druckmittel und fand sie: Wegen Handels mit PCP und Kokain drohte Davis lebenslange Haft. 2008 suchten Kading und Dupree ihn auf und boten ihm an, zu reden. In der vertraulichen Vernehmung (einer Proffer-Vereinbarung, die vor Selbstbelastung schützen soll) sagte Kading laut Mitschnitt: „Nothing you say today can be used against you.“ Davis bestritt jede Beteiligung am Mord an Biggie, erzählte aber ungefragt vom Mord an Tupac: Er habe die Waffe besorgt und nach hinten gereicht, sein Neffe Orlando Anderson habe geschossen. Dass das Gespräch aufgezeichnet wurde, wusste Kading nach eigenen Worten nicht.
Davis lieferte auch eine Behauptung über Sean Combs: Der habe über einen Mittelsmann Geld für den Mord an Tupac und Suge Knight geboten. Belegt wurde das nie. Combs bestreitet es, die Anklage im Prozess 2026 erhob keinen Vorwurf gegen ihn, und Davis nannte die Geschichte nach dem Urteil selbst erfunden.
Ein Auftragsmord für Suge Knight? Kadings Biggie-These
Im Mai 2009 nahmen LAPD und FBI die Aussage einer Frau auf, die Suge Knight nahestand. Nach Kadings Darstellung ließ Knight, damals in Haft, über sie Wardell „Poochie“ Fouse anheuern, der Biggie vor dem Petersen Automotive Museum erschossen habe. Fouse wurde 2003 bei einer Schießerei getötet, die mit dem Fall nichts zu tun hatte, und konnte nie befragt werden. Knight wurde im Fall Wallace nie angeklagt und reagierte auf Anfragen zu der These nicht. Für die Polizei von Los Angeles ist der Fall weiterhin offen; Kading nennt ihn „gelöst, aber nicht angeklagt“.
Gestoppte Ermittlungen: Kading verlässt den Dienst
Zu einer Anklage kam es nicht. Kading wurde vom Fall abgezogen, die Taskforce aufgelöst. Zur gleichen Zeit geriet er wegen Unstimmigkeiten in einem anderen, nicht verwandten Verfahren in die Kritik; nach einem Bericht von Grantland wurde er später entlastet. Sein früherer Vorgesetzter Kevin McClure sagte, die Ermittlungen seien schlicht ins Stocken geraten, weil sich die Geständnisse nicht bestätigen ließen. 2010 schied Kading enttäuscht aus dem Dienst aus.
„Murder Rap“: Ein Buch bringt die Tonbänder ans Licht
Im Oktober 2011 veröffentlichte Kading im Selbstverlag Murder Rap. Das Buch machte die Davis-Gespräche und die Biggie-These öffentlich und warf der Polizei Versäumnisse vor. Combs ließ erklären, die Geschichte sei „pure Fiktion und völlig lächerlich“. Perry Sanders, Anwalt der Familie Wallace, warf Kading vor, eine mögliche Verwicklung von Polizisten zu übergehen. 2015 folgte der Dokumentarfilm Murder Rap, 2018 die Fernsehserie Unsolved, in der Josh Duhamel Kading spielte (Meldung).
Druck auf Las Vegas: Davis wiederholt sein Geständnis öffentlich
Kading drängte jahrelang auf eine Festnahme. Seine Begründung: Davis habe seine Geschichte ab 2018 im Fernsehen, auf YouTube und im eigenen Buch wiederholt, und diese Aussagen seien, anders als die von 2008, nicht geschützt. 2019 sprach er bei CBS Los Angeles von „eindeutig hinreichendem Tatverdacht“ (Meldung), 2020 nannte er Davis einen „Selbstbekenner“. Nach der Hausdurchsuchung 2023 sagte er der AP, erst Davis’ öffentliche Erklärungen hätten Las Vegas die Mittel für eine Anklage gegeben. Nach Darstellung der Anklage hatte gerade Kadings Buch Davis dazu gebracht, sich öffentlich zu äußern.
Vor Gericht attackiert, im Urteil bestätigt: Der Prozess 2026
Im Prozess stand Kading als möglicher Zeuge bereit, wurde aber nicht aufgerufen. Die Verteidigung griff ihn trotzdem an, nannte ihn einen in Ungnade gefallenen Ex-Polizisten und warf ihm vor, Ermittlungsakten mitgenommen zu haben. Staatsanwalt Marc DiGiacomo hielt im Schlussplädoyer dagegen, es gebe keinen Beleg, dass Kading etwas falsch gemacht habe. Kading sagte dem Rolling Stone, er habe nur Kopien angefertigt, eine interne Untersuchung habe den Diebstahlsvorwurf zurückgewiesen; Davis sei nie Anonymität versprochen worden.
Den Schuldspruch verfolgte er im Livestream. „Es fühlt sich an wie eine Bestätigung“, sagte er. Davis wiederum behauptete nach dem Urteil, Kading habe mit dem Fall von Anfang an Geld verdienen wollen. Heute arbeitet Kading als Privatermittler.
Was das Urteil bestätigt und was Spekulation bleibt
Kadings Kernaussage zum Fall Tupac, dass Davis im Cadillac saß und die Schüsse eine Rache für die Prügel an seinem Neffen waren, deckt sich mit dem Urteil der Jury. Wer schoss, ist bis heute nicht geklärt. Seine weitergehenden Thesen zu Auftraggebern in beiden Fällen sind unbewiesen.
Zum Weiterlesen: Die Ermittlungen, Verdächtige im Überblick und Der Prozess gegen Duane Davis.