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1996-12440 Wörter · 2 Min.

„All Eyez on Him“: RJ Smiths SPIN-Essay über einen gespaltenen Star

Weißer Spott, schwarze Trauer: Im Dezember 1996 fragt RJ Smith im SPIN, warum Tupac die Menschen so verschieden berührte. Ein kluger, harter Essay.

Original: „All Eyez on Him“ · SPIN · RJ Smith · Dezember 1996

In der Nacht vor Tupacs Tod entdeckt ein Lounge-Sänger in Las Vegas einen jungen schwarzen Mann mit Glatze im Publikum, ruft „ein Wunder!“ und lässt die Band California Love spielen. Stunden später ist Tupac tot. Zwischen dem Spott dieses weißen Entertainers und der Trauer schwarzer Fans vor dem Krankenhaus liegt für RJ Smith das Thema seines Essays: Kaum ein Popstar bedeutete so Verschiedenes für so verschiedene Menschen. Es ist die längste Geschichte zu Tupac im Archiv, und eine der klügsten.

Thug Life für Weiße, Exodus auf dem Rücken

Weiße kannten vor allem das „Thug Life“-Tattoo; kaum jemand wusste vom Bibelvers Exodus 18,11 auf seinem Rücken. Stimmen wie der Rapper E-40, der Schriftsteller Paul Beatty und der Soulmusiker Swamp Dogg beschreiben einen Menschen voller Schmerz und Widersprüche. Beatty bringt es auf den Punkt: „He’s a person you recognize.“ Smith listet die Gerüchte nach dem Mord auf, von Bloods gegen Crips bis „er lebt“, und verreißt das Video zu I Ain’t Mad at Cha als sentimentalen Kitsch.

Im Schatten von Suge Knight: Ein Pakt ohne Ausweg

Im letzten Drittel geht es um Herkunft und Abhängigkeit: die Panther-Mutter, Stiefvater Mutulu Shakur, Pate Geronimo Pratt, der Umzug nach Marin City 1988 und Afenis Crack-Sucht. Smith erinnert an Thanksgiving 1995, als Death Row in South Central Truthähne verteilte und Tupac im Schatten von Suge Knight stand. Sein Schluss: „His best performance was as a man who made a deal he couldn’t undo.“

Geronimo Pratt kam frei, das Makaveli-Album erschien

Smiths Fakten sind solide, sein Urteil bewusst zugespitzt. Tupacs Rap-Technik etwa nennt er „schwerfällig“, was viele Kritiker und Fans anders sehen. Einige Punkte haben sich seitdem weiterentwickelt: Geronimo Pratt, 1996 noch zu lebenslanger Haft verurteilt, kam 1997 frei, weil die Anklage entlastende Beweise zurückgehalten hatte. Mutulu Shakur wurde im Dezember 2022 schwer krank auf Bewährung entlassen und starb im Juli 2023.

Das Gerücht um ein Album namens Makaveli stimmte zur Hälfte: The Don Killuminati: The 7 Day Theory erschien am 5. November 1996 unter diesem Namen, zeigte auf dem Cover allerdings eine gemalte Kreuzigungsszene, kein Foto. Smiths Beobachtung, dass sich um Tupacs Tod sofort Mythen bildeten, bestätigte sich: Die „Er lebt“-Theorien halten sich hartnäckig, obwohl Autopsie und Ermittlungen eindeutig sind.

Die Mutter überwand die Sucht und verwaltete das Werk

Die Passagen über Afeni Shakur gehören ergänzt: Sie hatte ihre Sucht Anfang der Neunziger überwunden, Tupac würdigte sie dafür 1995 in Dear Mama. Ab 1997 verwaltete sie das Werk ihres Sohnes, bis zu ihrem Tod 2016.

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