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27.10.1995538 Wörter · 2 Min.

Am Strand von Venice: Tupac bei Tabitha Soren (MTV News, Oktober 1995)

Zwei Wochen nach der Haft spaziert Tupac mit MTV-Reporterin Tabitha Soren über Venice Beach, und spricht über Kindheit, Gefängnis, Schüsse und Neuanfang.

Original: Fernsehinterview · MTV News · Tabitha Soren · Venice Beach, Kalifornien · 27. Oktober 1995

Wann und wo

Häufig wird dieses Gespräch unter dem 27. August 1995 geführt, ein Zahlendreher beim Monat: Im August saß Tupac noch in Haft. Aufgezeichnet wurde es am 27. Oktober 1995, gut zwei Wochen nach seiner Entlassung aus der Clinton Correctional Facility in Dannemora. MTV-News-Reporterin Tabitha Soren, die Tupac schon früher interviewt hatte, spazierte mit ihm über die Strandpromenade von Venice Beach in Los Angeles. MTV sendete damals Ausschnitte und kündigte das Gespräch als sein erstes ausführliches Fernsehinterview nach der Haft an. Die vollständige, rund 20 Minuten lange Fassung veröffentlichte der Sender erst im September 2019, zum 23. Todestag.

Die Lage im Oktober 1995

Am 12. Oktober hatte Death Row die Kaution von 1,4 Millionen Dollar gestellt; Tupac war frei, solange seine Berufung lief. Verurteilt worden war er im Dezember 1994 wegen sexuellen Missbrauchs in zwei Fällen, von den Vorwürfen der Sodomie und den Waffendelikten wurde er freigesprochen. Kurz vor dem Urteil war er im New Yorker Quad-Studio niedergeschossen worden. Jetzt nahm er Tag und Nacht für Death Row auf.

Kindheit, Mutter, Thug Life

Soren fragte nach seiner Kindheit. Als Kind sei er das Gegenteil des heutigen Tupac gewesen: still, zurückgezogen, ein Leser, der Gedichte schrieb. Mit dem „Thug Life“ sei er in Berührung gekommen, als er obdachlos und hungrig war, in Baltimore, Marin City und Oakland hätten sich damals nur Kriminelle um ihn gekümmert. Seine Mutter Afeni Shakur sei in dieser Zeit „verloren“ gewesen; gerade weil sie sein Vorbild war, habe das so wehgetan. Zwischendurch scherzte er über einen seiner nur zwei Jobs, in einer Pizzeria, und über die Badegäste an der Promenade.

Gefängnis, Prozess und Schüsse

Bedroht gefühlt habe er sich in Haft nicht von Mitgefangenen, sondern von Wärtern. Die Vorwürfe der jungen Frau bestritt er; er habe nur eines falsch gemacht: im Hotelzimmer eingeschlafen zu sein, bevor alle gegangen waren. Er sah eine Doppelmoral im Umgang mit schwarzen Künstlern. Was ihn vom wilden Image abgebracht habe? Seine Antwort:

„Five hot bullets.“ Tupac Shakur zu Tabitha Soren, MTV News, Oktober 1995

Wer auf ihn geschossen hatte, wisse er nicht. Offen sprach er über Selbstmordgedanken während des Prozesses. Das Gefängnis habe ihn nicht „rehabilitiert“; er sei gereift, aber nicht wegen der Haft.

Musik, Ehe und ein neues Image

Er kündigte ein Doppelalbum mit dem Arbeitstitel „Euphanasia“ an, mit Snoop Doggy Dogg als Gast, es erschien im Februar 1996 als All Eyez on Me. Unverantwortlich seien Raptexte, die über Mord sprechen, aber nicht über Schmerz, Gefängnis und Verrat. Als „Gangsta-Rapper“ sah er sich nicht: Marlon Brando sei ja auch kein „Gangsta-Schauspieler“. Die Ehe mit Keisha Morris, geschlossen im April 1995 im Gefängnis, sei gescheitert; er habe aus Einsamkeit geheiratet. Früher sei er bekannt für sein großes Mundwerk gewesen, heute hoffentlich für etwas anderes:

„I’m known as a survivor now.“ Tupac Shakur zu Tabitha Soren, MTV News, Oktober 1995

Bedeutung

Das Venice-Beach-Interview zeigt Tupac zwischen Flirt, Witz und Verletzlichkeit, kaum ein anderes Gespräch bündelt so viele Seiten von ihm. Er wünschte sich die zweite Chance, die Hollywood Stars wie John Travolta gegeben habe. Weniger als ein Jahr später war er tot.

Weiterlesen: Los Angeles Times, Oktober 1995 · Shooting 1994