550 Wörter · 3 Min.
Murder Rap: Inside the Biggie and Tupac Murders (2015)
Michael Dorseys Doku nach Ermittler Greg Kading: Wie Keffe Ds Tonband-Geständnis 2026 zum Schuldspruch im Mordfall Tupac Shakur beitrug.
- Titel
- Murder Rap: Inside the Biggie and Tupac Murders
- Regie und Produktion
- Michael (Mike) Dorsey
- Vorlage
- Greg Kadings Buch Murder Rap: The Untold Story of the Biggie Smalls & Tupac Shakur Murder Investigations
- Erscheinungsjahr
- 2015; digital zunächst bei iTunes, 2016 auch bei Netflix, später auf DVD
- Länge
- rund 113 Minuten
- Mitwirkende
- Greg Kading, die Autorin Cathy Scott sowie Schauspieler in nachgestellten Szenen, etwa als Orlando Anderson und Duane „Keffe D“ Davis
Im Verhörraum des Los Angeles Police Department lief das Tonband mit, als ein Bandenführer über die Schüsse auf Tupac Shakur auspackte. 2015 brachte Michael Dorsey diese Aufnahmen an die Öffentlichkeit: Sein Dokumentarfilm Murder Rap stützt sich auf Detective Greg Kading, der in den 2000er-Jahren zu einer behördenübergreifenden Sonderermittlungsgruppe zu den Morden an The Notorious B.I.G. und Tupac Shakur gehörte. Nach seiner Pensionierung 2010 schrieb er darüber das Buch Murder Rap (2011). Dorseys Film brachte diese Ermittlungen auf den Bildschirm, und bekam Jahre später ein Gewicht, das damals niemand ahnen konnte.
Vom Buch zum Film: Die Eckdaten
Geständnis im Cadillac und schwere Vorwürfe
Der Film stützt sich auf Ermittlungsakten, Interviews mit Kading und Zeugen sowie auf Tonaufnahmen von Vernehmungen. Die wichtigste ist die Aussage von Duane „Keffe D“ Davis, einem Anführer der Southside Compton Crips. Er schilderte Kading und dessen Kollegen 2008/2009 in einer geschützten Vernehmung (einer Proffer-Vereinbarung zum Schutz vor direkter Selbstbelastung), dass er in dem weißen Cadillac saß, aus dem auf Tupac geschossen wurde.
Den tödlichen Schuss habe sein Neffe Orlando Anderson abgegeben; er selbst habe die Waffe nach hinten gereicht. Anderson war Stunden zuvor von Tupac und dessen Begleitern im MGM Grand verprügelt worden. Er bestritt jede Beteiligung, wurde nie angeklagt und starb 1998 bei einer anderen Schießerei.
Kading präsentiert außerdem zwei Behauptungen, die weit über den Fall Tupac hinausgehen. Erstens: Laut Davis habe Sean Combs ein Kopfgeld auf Tupac und Suge Knight ausgesetzt. Combs hat das bestritten und Kadings Darstellung als „pure fiction“ bezeichnet; angeklagt wurde er in diesem Fall nie. Zweitens: Suge Knight habe als Vergeltung den Mord an Biggie in Auftrag gegeben. Auch das ist eine Ermittlerthese, kein Gerichtsurteil. Kading selbst fasste seine Sicht so zusammen: Die Fälle seien nicht ungelöst, sondern nur nicht angeklagt.
Vom Dokumentarfilm vor Gericht: Das Urteil 2026
Davis wiederholte seine Geschichte später in Interviews und 2019 in einem eigenen Buch, diesmal ohne den Schutz einer vertraulichen Vernehmung. Im September 2023 wurde er in Las Vegas festgenommen und wegen Mordes angeklagt.
Am 31. August 2026 sprach ihn eine Jury des Mordes an Tupac schuldig. Die Anklage sah in ihm den Organisator, nicht den Schützen. Im Prozess sagte auch Murder-Rap-Produzent Michael Dorsey als Zeuge aus. Davis kündigte Berufung an; die Strafmaßverkündung war für den 13. Oktober 2026 angesetzt (Stand: 2. Oktober 2026). Mehr dazu unter Shooting 1996.
Aktenlage statt Mythen: Die Einordnung
Murder Rap liefert eine nüchterne Ermittlerperspektive: sachlicher als die Verschwörungsfilme, aber ganz aus der Sicht eines Mannes erzählt, der seine eigenen Ergebnisse verteidigt. Der Teil über Tupacs Tod ist durch das Urteil von 2026 im Kern gestützt. Die Aussagen über Combs und über den Mord an Biggie bleiben dagegen unbewiesene Vorwürfe.
Wer verstehen will, warum der Fall Tupac fast 30 Jahre bis zu einem Urteil brauchte, findet hier einen tiefen Einblick in die Ermittlungsakten. Zum Vergleich lohnt Nick Broomfields ganz anders gelagerter Film Biggie & Tupac.
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