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Biggie & Tupac (2002)
Nick Broomfields Doku (2002) über die Morde an Tupac und Biggie: unterhaltsam, mit Suge-Knight-Szene im Gefängnis, in der Beweisführung aber spekulativ.
- Regie und Produktion
- Nick Broomfield; Ko-Produzentin Michele D’Acosta
- Kamera
- Joan Churchill
- Premiere
- 11. Januar 2002, Sundance Film Festival
- US-Kinostart
- 20. September 2002 (Roxie Releasing), später DVD bei Lions Gate
- Länge
- rund 108 Minuten
- Einspielergebnis
- in Nordamerika knapp 95.000 US-Dollar, ein Nischenfilm, der vor allem auf DVD und im Fernsehen sein Publikum fand
Biggie & Tupac ist der Film, mit dem der britische Dokumentarfilmer Nick Broomfield die Morde an Tupac Shakur (1996) und Christopher Wallace alias The Notorious B.I.G. (1997) aufklären wollte. Broomfield war bekannt für Filme wie Kurt & Courtney und Heidi Fleiss: Hollywood Madam, in denen er selbst mit Mikrofon und Kopfhörer durchs Bild stolpert. So auch hier.
Daten zum Film
Die DVD enthielt einen Kommentar von Broomfield, Fotos, Diskografien beider Rapper und Hinweise auf die Stiftung von Biggies Mutter. In Deutschland war sie ab 16 Jahren freigegeben.
Worum es geht
Broomfields roter Faden ist die Theorie des früheren LAPD-Detectives Russell Poole. Danach habe Suge Knight, Chef von Death Row Records, Tupac töten lassen, bevor dieser das Label verlassen konnte, und später auch Biggie, um den Verdacht auf eine Ost-West-Fehde zu lenken. Polizisten, die nebenbei für Death Row als Sicherheitsleute arbeiteten, sollen beteiligt gewesen sein; die Polizei habe das gedeckt.
Zu Wort kommen unter anderem Poole, Biggies Mutter Voletta Wallace, Tupacs leiblicher Vater Billy Garland, der frühere Death-Row-Leibwächter Kevin Hackie und ein inhaftierter Mann, der behauptet, Geld für den Mord an Biggie überbracht zu haben. Höhepunkt ist eine Szene im Gefängnis: Broomfield taucht ohne echten Termin bei Suge Knight auf, gibt vor, eine „Botschaft an die Kids“ aufnehmen zu wollen, und fragt dann nach den Morden. Knight weicht aus. Laut Ebert weigerte sich Broomfields Kamerafrau Joan Churchill, mit hineinzugehen.
Rezeption
Roger Ebert fand den Film „compulsively watchable“er ließ ausdrücklich offen, ob Broomfields These stimmt. Andere waren deutlich kritischer: Die New York Times nannte die Beweisführung weitgehend spekulativ, der Hartford Courant bezweifelte die Glaubwürdigkeit vieler Zeugen. Ein Zeuge, Kevin Hackie, sagte später der Los Angeles Times, er habe wegen Medikamenten Gedächtnislücken gehabt. Eine Klage der Familie Wallace gegen die Stadt Los Angeles, die sich auch auf solche Aussagen stützte, wurde 2010 abgewiesen.
Fast gleichzeitig mit dem Film erschien im September 2002 eine Recherche von Chuck Philips in der Los Angeles Times. Sie kam zu einem ganz anderen Ergebnis: Mitglieder der Southside Crips hätten Tupac aus Rache erschossen, weil er Stunden zuvor Orlando Anderson verprügelt hatte.
Einordnung
Biggie & Tupac ist gutes Kino, aber kein verlässlicher Ermittlungsbericht. Broomfield stellt Fragen, die die Polizei damals nicht stellte, und zeigt eindrucksvoll, wie viel Angst rund um Death Row herrschte. Seine Hauptthese blieb jedoch unbewiesen. Im August 2026 verurteilte eine Jury in Las Vegas Duane „Keffe D“ Davis, einen Anführer der Southside Crips, wegen Mordes an Tupac, ein Ergebnis, das der Rache-These näher steht als Broomfields Verschwörung. Mehr zu den Ermittlungen: Shooting 1996. Wer Pooles Theorie in Buchform nachlesen will: Labyrinth von Randall Sullivan.
Nicht zu verwechseln mit der Musikvideo-DVD Welcome to the Hood, die auch unter dem Titel „Biggie & 2Pac“ geführt wird.
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