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594 Wörter · 3 Min.

Dear Mama: The Saga of Afeni and Tupac Shakur (2023)

Zwei Leben parallel: Allen Hughes montiert Afeni Shakurs Panther-Jahre und Tupacs Aufstieg zur fünfteiligen FX-Doku-Serie. In Deutschland bei Disney+.

Filmplakat Dear Mama (2023)
Filmplakat: FX
Regie
Allen Hughes; Drehbuch Hughes und Lasse Järvi
Umfang
fünf Folgen zu je etwa 50 bis 66 Minuten
Premiere
21. April 2023 auf FX, am Folgetag bei Hulu
In Deutschland
bei Disney+ abrufbar
Musik
Atticus Ross, Leopold Ross und Claudia Sarne
Produktion
unter anderem Amaru Entertainment, Defiant Ones Media Group, MACRO und Interscope Films; zu den ausführenden Produzenten zählen Jamal Joseph, Quincy Jones III und die Autorin Staci Robinson

Zwei Biografien, parallel erzählt: Dear Mama stellt Tupacs Lebensweg neben den seiner Mutter Afeni Shakur. Regisseur Allen Hughes springt zwischen den Jahrzehnten hin und her und zeigt, wie sehr die Geschichte der Black-Panther-Aktivistin das Leben ihres Sohnes prägte. Den Titel verdankt die Serie Tupacs Song Dear Mama aus dem Jahr 1995.

Fünf Folgen zwischen FX und Disney+

Angekündigt wurde das Projekt 2019 noch unter dem Arbeitstitel Outlaw: The Saga of Afeni and Tupac Shakur.

Vom Gerichtssaal der Panther 21 auf die Rap-Bühne

In New York gehörte Afeni Shakur zu den führenden Stimmen der Black Panther Party. Als eine der „Panther 21“ wurde sie der Verschwörung gegen den Staat beschuldigt. Einen großen Teil ihrer Schwangerschaft verbrachte sie in Haft, vor Gericht verteidigte sie sich ohne juristische Ausbildung selbst. Später kämpfte sie mit einer Drogensucht, die das Leben ihrer Kinder prägte. Die Serie erzählt diese Jahre parallel zu Tupacs Weg vom Schauspielschüler über den Rapstar bis zu seinem Tod 1996.

Zu Wort kommen Familienmitglieder wie Tupacs Tante Gloria Cox und sein leiblicher Vater Billy Garland, frühere Panther wie Jamal Joseph, Tupacs erste Managerin Leila Steinberg sowie sein Schauspiellehrer. Auch Snoop Dogg, Dr. Dre und Mike Tyson sprechen vor der Kamera. Dazu kündigte Hughes bis dahin unveröffentlichtes Ton- und Filmmaterial an.

Rauswurf bei „Menace II Society“: Hughes vor der eigenen Kamera

Der Regisseur hat eine eigene Geschichte mit seinem Thema. Gemeinsam mit seinem Bruder Albert drehte Allen Hughes Tupacs frühe Musikvideos, darunter Brenda’s Got a Baby. 1993 kam es zum Bruch: Tupac flog aus dem Film Menace II Society der Hughes-Brüder, nachdem er Allen Hughes angegriffen hatte. Wegen dieses Angriffs saß Tupac Anfang 1994 für 15 Tage in Haft. In der Serie tritt Hughes selbst vor die Kamera und spricht darüber.

Rekordquote bei FX, zwei Emmy-Nominierungen und Preise

Beim Senderstart sorgte die Produktion für eine Bestmarke: FX meldete die meistgesehene Premiere einer nicht fiktionalen Serie in der Geschichte des Senders. Die Kritiken fielen überwiegend positiv aus. Variety nannte die Serie ein bewegendes, leidenschaftliches Porträt. Nick Allen von RogerEbert.com lobte den Ehrgeiz, fand das ständige Springen zwischen den Zeitebenen aber teils holprig. Daniel Fienberg vom Hollywood Reporter hielt die rund fünf Stunden für überfrachtet, sah darin aber echte Einsichten in das Verhältnis von schwarzem Aktivismus und Popmusik.

Bei den Emmys 2023 war Dear Mama zweimal nominiert: als beste Dokumentar- oder Sachserie und für das beste Drehbuch einer Sachproduktion (Hughes und Järvi). Hinzu kommen die Grammy-Nominierung 2024 als bester Musikfilm sowie Auszeichnungen: der Independent Spirit Award 2024 als beste neue Dokumentar- oder Sachserie (gewonnen) und der Black Reel Award 2023 für die beste TV-Dokumentation (gewonnen), laut Wikipedia und ABC7.

Mehr als die „Mutter von“: Fünf Stunden Familiengeschichte

Mit rund fünf Stunden bietet Dear Mama deutlich mehr Raum als jeder einzelne Kinofilm über Tupac, auch mehr als Tupac: Resurrection. Wie dort war der Nachlass über Amaru beteiligt: Die Serie ist also autorisiert, aber deutlich vielstimmiger.

Ihr Verdienst ist, Afeni Shakur als eigenständige historische Figur zu zeigen und nicht nur als „Mutter von“. Spekulationen über den Mord stehen nicht im Zentrum. Im Fokus bleibt das Porträt einer Mutter und ihres Sohnes, deren Geschichten sich gegenseitig erklären.