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Weitere Personen1987 bis 2025

Michael „Harry-O“ Harris

Geldgeber aus der Zelle: Michael Harris will Death Row mitgegründet haben. Was an der Geschichte belegt ist und wie sie Tupac berührt.

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Stand Oktober 2026: Michael Harris ist seit Januar 2021 frei; am 28. Mai 2025 hat ihn Präsident Trump vollständig begnadigt. Seine Darstellung, Death Row aus dem Gefängnis mitfinanziert zu haben, bestreitet Suge Knight.

In der Gründungsgeschichte von Death Row Records gibt es einen Mann, der nie einen Fuß in die Büroräume des Labels setzte. Michael Harris saß bereits hinter Gittern, als das Label entstand, und behauptet, er habe das Startkapital gegeben. Für Tupac war er weder Freund noch Feind. Doch Harris gehört zur Vorgeschichte jener Firma, die Tupac 1995 aus der Haft holte und mit der sein Nachlass später jahrelang vor Gericht stritt. Wie Death Row arbeitete, steht unter Death Row Records.

Vom Schuhputzer zum Drogennetz über die halben USA

Harris wuchs in Los Angeles an der 46th Street auf, in einer Gegend, die er selbst „the low bottom“ nannte. Als Junge putzte er Schuhe, später studierte er Marketing an einem Community College. Mit knapp 20 Jahren brach er das Studium ab und verkaufte Crack in South Central. Fünf Jahre später reichte das Geschäft, das er gemeinsam mit seinem Bruder David aufgebaut hatte, über die halben USA. Laut der Drogenbehörde DEA war es Teil eines Rings, der Gangs aus Los Angeles mit einem kolumbianischen Kokainkartell verband.

Daneben besaß Harris legale Firmen: einen Schönheitssalon in Beverly Hills, ein Feinkostgeschäft, einen Limousinenservice, einen Elektrobetrieb und eine Theaterproduktion. Diese finanzierte 1988 das Broadway-Stück Checkmates mit dem jungen Denzel Washington mit. Im selben Jahr ließ Bürgermeister Tom Bradley die Beschlagnahme von Harris’ Villen, Autos und eines Schnellboots öffentlich verkünden.

Verurteilt wegen versuchten Mordes: 33 Jahre hinter Gittern

1987 wurde Harris wegen Entführung und versuchten Mordes an einem Mitglied seines Drogenrings verurteilt, einem entfernten Verwandten, den er des Diebstahls verdächtigte. Der Mann sagte aus, er sei ins Antelope Valley gebracht, mehrfach angeschossen und liegen gelassen worden. Harris bestreitet, geschossen zu haben. Die Los Angeles Times sprach 1997 von einer 28-jährigen Strafe für Crack-Handel und versuchten Mord. Dazu kam ein Bundesurteil vom 26. November 1990: 235 Monate wegen Kokainhandels.

Die Angaben zu seinen Strafmaßen weichen voneinander ab. Das Weiße Haus nannte 2021 eine Strafe von 25 Jahren bis lebenslang wegen Verschwörung zum Mord. Nach einem Bericht von Spectrum News 1 aus dem Jahr 2022 widerrief das Opfer später seine Aussage. Fest steht: Harris verbrachte rund 33 Jahre in Haft.

1,5 Millionen Dollar aus der Zelle: Die Version von „Harry-O“

Harris schilderte seine Version 1997 der Los Angeles Times: Im Herbst 1991 habe er seinen Anwalt David Kenner mit Suge Knight bekannt gemacht. Im Oktober brachte Kenner Knight zu ihm ins Gefängnis, zunächst wegen einer Demoaufnahme seiner Frau Lydia, die als Sängerin arbeitete. Innerhalb weniger Monate habe er 1,5 Millionen Dollar für die Hälfte einer Firma namens GF Entertainment gegeben, zu der ein Plattenlabel namens Death Row gehören sollte. Überzeugt habe ihn Knights Zusage, dass Dr. Dre produzieren werde.

Teile dieser Darstellung sind dokumentiert. Laut Akten des Bundesstaats besuchte Knight Harris in 18 Monaten fast zwei Dutzend Mal im Gefängnis Tehachapi. Auf dem Video einer Party zum Start von Death Row am 22. Februar 1992 danken Knight und Kenner laut Informanten der Zeitung „Harry O“. Im Mai 1992 meldeten Lydia Harris und Kenner die Firma GFE Inc. an, kurz für Godfather Entertainment. Bis November 1992 hätten Knight und Dre dann ohne ihn den Vertrag mit Interscope geschlossen, sagt Harris.

Knight bestreitet diesen Ablauf. Death Row sei mit Geld aus Verträgen mit Sony, Interscope und Time Warner gestartet; Harris erfinde Geschichten, um aus dem Gefängnis freizukommen. Kenner berief sich auf die anwaltliche Schweigepflicht. Harris hielt dagegen: „I am not a rat.“ In den gängigen Darstellungen gelten Knight, Dr. Dre, The D.O.C. und Dick Griffey als Gründer.

107 Millionen Dollar vor Gericht: Lydia Harris treibt das Label in die Pleite

Den Streit vor Gericht führte vor allem Lydia Harris. 2005 sprach ihr ein Gericht in Los Angeles 107 Millionen Dollar gegen Knight zu, für ihren Anteil an Death Row und entgangene Einnahmen. Knight zahlte nicht. Als ein Richter das Label unter Zwangsverwaltung stellen wollte, meldeten Knight und Death Row im April 2006 Insolvenz an. „Mr. Knight doesn’t have $107 million“, sagte sein Anwalt. Michael Harris forderte in seinem Scheidungsverfahren die Hälfte der Summe. 2009 wurden die Rechte von Death Row für 18 Millionen Dollar versteigert. 2022 kaufte Snoop Dogg das Label.

Keine direkte Begegnung mit Tupac, aber derselbe Anwalt

Eine direkte Verbindung zwischen Harris und Tupac ist nicht belegt. Als Tupac im Oktober 1995 bei Death Row unterschrieb, saß Harris seit acht Jahren in Haft. In den ausgewerteten Quellen findet sich kein Treffen und kein Gespräch der beiden.

Indirekt kreuzen sich ihre Wege dennoch. David Kenner, den Harris nach eigener Aussage mit Knight zusammenbrachte, wurde Anwalt von Knight und Death Row. Im April 1997 verklagte Afeni Shakur Death Row, Knight und Kenner auf Tantiemen und die unveröffentlichten Aufnahmen ihres Sohnes (Meldung von 1997). Im selben Jahr ermittelte eine Bundes-Grand-Jury, ein Geschworenengremium für Anklagen nach Bundesrecht, wegen möglicher Verbindungen des Labels zu Gangs, Drogen und Geldwäsche. Harris wurde vorgeladen und sagte nach Informationen der Los Angeles Times aus (Meldung vom September 1997).

Trumps Begnadigung und die Rückkehr zu Death Row

Im Gefängnis wurde Harris Chefredakteur der Häftlingszeitung San Quentin News und baute Hilfsprogramme für Mitgefangene auf. Aus der Landeshaft kam er auf Bewährung frei. Mehrere Anträge auf vorzeitige Entlassung aus der Bundesstrafe scheiterten, zuletzt 2020 ein Vorstoß wegen der Corona-Gefahr.

Am 20. Januar 2021, kurz vor dem Ende seiner ersten Amtszeit, gab das Weiße Haus bekannt, dass Präsident Donald Trump die Bundesstrafe umgewandelt hatte. Snoop Dogg hatte sich laut Medienberichten dafür eingesetzt. Kurz darauf war Harris frei. Er arbeitete danach mit Snoop am neuen Death Row, nach Angaben von Spectrum News als Chief Operating Officer, gründete eine gemeinnützige Organisation und unterstützte im Oktober 2024 Trumps Präsidentschaftskandidatur. Am 28. Mai 2025 begnadigte Trump ihn vollständig.

Randfigur für Tupac, Schlüsselfigur für das Label

Für Harris’ Rolle bei der Gründung von Death Row sprechen die Dokumente, die die Los Angeles Times 1997 beschrieb, und das Gerichtsurteil für Lydia Harris von 2005. Knight bestreitet die Beteiligung nach wie vor. In Tupacs Geschichte bleibt Harris eine Randfigur: kein Zeuge, kein Verdächtiger, aber ein Teil der Antwort auf die Frage, wem jenes Label gehörte, das Tupacs letzte Jahre bestimmte.