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Weitere Personen1993 bis 2021

Jacques „Haitian Jack“ Agnant

Promoter aus Brooklyn, Mitangeklagter im Verfahren von 1993 und für Tupac ein Verräter: was über Jacques Agnant belegt ist und was er bestreitet.

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Stand Oktober 2026: Jacques Agnant wurde im Zusammenhang mit dem Überfall auf Tupac im November 1994 nie angeklagt und bestreitet jede Beteiligung. Tupacs Vorwürfe gegen ihn sind von keinem Gericht geprüft worden.

Für Tupac stand kaum ein Name so sehr für Verrat wie „Haitian Jack“. Jacques Agnant war Anfang der 1990er-Jahre eine feste Größe im New Yorker Nachtleben. 1993 wurde er mit Tupac verhaftet, später beschimpfte Tupac ihn in einem Song als Spitzel. Agnant hat das immer zurückgewiesen, und seine Klage gegen Tupacs Nachlass scheiterte. Was über ihn belegt ist und was nur behauptet wird, ordnet diese Seite.

Eine feste Größe in den Clubs von Brooklyn

Agnants Familie wanderte von Haiti ins New Yorker East Flatbush in Brooklyn ein. Ein Geburtsjahr nennen die Quellen nicht. Nach seiner eigenen Schilderung in der FX-Dokuserie Hip Hop Uncovered (2021) hielt er sich an die jamaikanischen Gangs des Viertels. Zur Zeit der Crack-Epidemie in den 1980ern war er dafür bekannt, bewaffnet in Clubs zu gehen. Anfang der Neunziger kannten Partyveranstalter und DJs in ganz New York seinen Namen, und mancher Musiker suchte bei ihm Schutz.

Die Begegnung am Set und der mysteriöse „Nigel“

Tupac und Agnant lernten sich 1993 in New York kennen. In seinem Vibe-Interview vom April 1995 erzählte Tupac von einem Mann namens „Nigel“, der sich bei den Dreharbeiten zu Above the Rim an ihn gehängt habe. Dieser Nigel habe ihn eingekleidet, ihm Gangster in Brooklyn vorgestellt und ihn in den Club Nell’s mitgenommen.

Viele Autoren und Fans halten „Nigel“ für einen Decknamen für Agnant. Tupac selbst verriet den echten Namen nicht, belegt ist die Gleichsetzung bis heute nicht (siehe Ready to Live, Teil 2). Agnant behauptete später, Tupac habe sich für eine Filmrolle einiges von seinem Auftreten abgeschaut.

Das Verfahren von 1993

Im November 1993 zeigte eine junge Frau an, sie sei in Tupacs Hotelsuite in Manhattan von mehreren Männern sexuell missbraucht worden. Ihr Name wird hier nicht genannt. Angeklagt wurden Tupac, sein Road Manager Charles Fuller und Agnant (mehr dazu unter Der Fall in New York 1993-1995).

Das Verfahren gegen Agnant wurde abgetrennt. Während Tupac und Fuller am 1. Dezember 1994 des sexuellen Missbrauchs schuldig gesprochen und von den schwereren Vorwürfen freigesprochen wurden, bekannte sich Agnant einige Monate später lediglich geringerer Vergehen schuldig. Ein Bundesgerichtsurteil von 1998, das sich auf Agnants eigene Aussage stützt, hält fest: Er erhielt drei Jahre Bewährung und eine Geldstrafe von 1.000 Dollar. Ins Gefängnis musste er nicht.

Für Tupac war diese milde Strafe der Beweis, dass Agnant mit den Behörden zusammenarbeitete. „Same crime, different trial“, rappte er später. Eine solche Kooperation ist nicht belegt, Agnant bestreitet sie strikt.

Der Vorwurf des Verrats und gefälschte Akten

In der Nacht zum 30. November 1994, kurz vor der Urteilsverkündung, wurde Tupac im Quad Studio am Times Square überfallen und angeschossen (siehe Das Shooting in New York 1994). Im Vibe-Interview deutete er an, „Nigel“ habe ihn mit jenem Mann bekannt gemacht, der ihn ins Studio holte. Auf dem posthumen Makaveli-Album vom November 1996 wurde er deutlicher: In Against All Odds bezeichnet er „Haitian Jack“ als Spitzel der Bundesbehörden und bringt ihn gemeinsam mit Jimmy Henchman mit dem Überfall in Verbindung.

Agnant hat jede Rolle bei der Tat bestritten. Als die Los Angeles Times ihn 2008 in einem Artikel als einen der Organisatoren nannte, zog die Zeitung den Bericht am 7. April 2008 zurück, ausdrücklich auch jede Aussage zu Agnants Beteiligung. Die Quelle hatte FBI-Dokumente gefälscht (siehe Der LA-Times-Skandal um Chuck Philips).

Die gescheiterte Klage gegen den Nachlass

1997 verklagte Agnant den Nachlass, Death Row, Interscope und weitere Firmen wegen Verleumdung auf 200 Millionen Dollar. Die Zeilen in Against All Odds hätten ihn als verdeckten Informanten hingestellt, seinen Ruf zerstört und verhindert, dass er noch angemessene Arbeit finde.

Bundesrichter Michael Mukasey wies die Klage am 16. Dezember 1998 ab. Aus den Akten ging hervor, dass Agnant seit Ende 1994 oder Anfang 1995 ununterbrochen als A&R-Direktor bei Undeas Entertainment arbeitete, der Firma seines Jugendfreundes Lance „Un“ Rivera. Dort hatte er in den Jahren 1995 und 1996 nach eigener Aussage rund 120.000 Dollar verdient und war mit seiner Stelle zufrieden.

Nach einer Schießerei aus den USA abgeschoben

2004 musste Agnant nach einer Schießerei in einem Nachtclub in Los Angeles ins Gefängnis. 2007 wurde er aus den USA abgeschoben; zurückgekehrt ist er seitdem nicht. 2021 lebte er nach eigenen Angaben in der Dominikanischen Republik.

Zu Tupac äußerte er sich aus der Ferne mehrfach. In einem Interview mit HipHopWired beklagte er 2015, man gebe ihm bei dem Thema stets die Schuld. Er behauptete zu wissen, wer hinter dem Überfall stecke, nannte öffentlich aber keinen Namen und wies erneut zurück, mit der Regierung zusammengearbeitet zu haben.

2017 berichtete der Hollywood Reporter, Regisseur Benny Boom solle eine Miniserie über Agnants Leben drehen, mit Agnant als Berater und Interscope-Mitgründer Ted Field als Produzent. Einen Sender gab es damals nicht; dass die Serie entstand, ist nicht bekannt. 2021 trat Agnant in Hip Hop Uncovered auf und nannte Tupac einen Freund, der nur bei schönem Wetter zu einem halte.

Was belegt ist und was nicht

Belegt ist: Agnant war 1993 Mitangeklagter, bekannte sich geringerer Vergehen schuldig, verlor seinen Prozess gegen Tupacs Nachlass, saß später in Kalifornien in Haft und wurde abgeschoben. Nicht belegt ist, dass er Informant war oder etwas mit dem Überfall im Quad zu tun hatte. Tupacs Sicht auf ihn ist Teil seiner Geschichte, aber kein Beweis. Die übrigen Namen dieser Monate stehen auf den Seiten Jimmy Henchman und Rechtsfälle.