1995-04429 Wörter · 2 Min.
Ready to Live (Teil 5): Pläne nach der Haft
„Thug Life“ für tot erklärt, Reue gezeigt: Im Finale des Vibe-Interviews plant Tupac einen Neuanfang, kurz vor seiner Entlassung zu Death Row.
Original: „Ready to Live“ (Teil 5) · Vibe · Kevin Powell · April 1995
Aus der Zelle heraus verkündete Tupac Shakur eine Kehrtwende: „Thug Life“ sei für ihn tot, er habe es lange genug vorgelebt. Im fünften und letzten Teil des Vibe-Interviews von Kevin Powell (April 1995) zieht der 23-Jährige einen Schlussstrich und blickt nach vorn, kurz vor seiner Entlassung und dem Wechsel zu Death Row.
Pläne aus der Zelle: Rettung statt Straße
Nach der Haft, sagte Tupac, wolle er sich mit Mike Tyson und dem Autor Sanyika Shakur zusammentun, früher als Gang-Mitglied „Monster Kody“ bekannt. Gemeinsam planten sie eine Organisation namens „Us First“, um junge Männer zu retten. Niemand habe ihn gerettet.
40 Briefe, Entschuldigungen und der Vergleich mit Van Gogh
Rückhalt gaben ihm rund 40 Briefe, die er in Haft bekommen habe, und Menschen, die zu ihm hielten: Jada Pinkett, Jasmine Guy, Treach, Mickey Rourke, seine Plattenfirma Interscope und Madonna, die er früher abgekanzelt hatte. Bei Quincy Jones entschuldigte er sich für frühere Bemerkungen über dessen Ehen, ebenso bei den Hughes-Brüdern. John Singleton nahm er ausdrücklich aus, weil der ihn aus Higher Learning geworfen habe.
Angst vor dem Tod habe er keine; Rapper müssten mehr Verantwortung für ihre Texte übernehmen. Er verglich sich mit Marvin Gaye und Vincent van Gogh, deren Werk erst nach dem Tod geschätzt wurde. Zum Schluss sagte er, er sei 23, wolle sich selbst aus dem Dreck ziehen und alle stolz machen, die ihn abgeschrieben hätten: „I’m going to show them the man that my mother raised.“
1,4 Millionen Dollar Kaution: Was aus den Vorsätzen wurde
Die Vorsätze hielten nicht lange. Im Oktober 1995 holte Suge Knight Tupac mit einer Kaution von 1,4 Millionen Dollar aus dem Gefängnis. Tupac unterschrieb bei Death Row und trat härter auf als zuvor, das „Thug Life“-Tattoo stets sichtbar. „Us First“ wurde nie gegründet. Die Freundschaft mit Mike Tyson blieb: Nach dessen Kampf in Las Vegas am 7. September 1996 wurde Tupac niedergeschossen.
Manches aus dem Gespräch trat dennoch ein. Mit der Familie von Quincy Jones versöhnte er sich; 1996 war er mit dessen Tochter Kidada liiert. Dass Tupac aus Higher Learning flog, war nach Singletons Angaben übrigens eine Entscheidung des Studios, das den Film mit ihm nach seiner Festnahme nicht finanzieren wollte.
Und der Vergleich mit Van Gogh bekam eine bittere Pointe: Nach seinem Tod erschienen mehr Tupac-Alben als zu Lebzeiten, und sein Werk wird heute höher geschätzt als damals.
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