1995-04390 Wörter · 2 Min.
Ready to Live (Teil 4): Tupacs Version der Tatnacht
Vibe, April 1995: Tupac schildert den Vorfall von 1993, der ihn ins Gefängnis brachte, aus seiner Sicht. Gericht und Betroffene sahen es anders.
Original: „Ready to Live“ (Teil 4) · Vibe · Kevin Powell · April 1995
Im November 1993 endete eine Nacht in Tupacs Hotelsuite in Manhattan mit einem Polizeieinsatz. Eine junge Frau beschuldigte ihn und Männer aus seinem Umfeld des sexuellen Missbrauchs. Im vierten Teil des Interviews fragt Kevin Powell nach dem Verfahren, das Tupac dafür ins Gefängnis brachte. Hier gibt er seine Version der Tatnacht zu Protokoll.
Erstarrt und weggesehen
Eine Begegnung mit der Frau einige Tage zuvor im Club Nell’s, zu dem ihn „Nigel“ und „Trevor“ mitgenommen hatten, schildert Tupac als einvernehmlich. Für den Abend der Tat erzählt er, wie die Frau ins Hotel kam und er mit ihr in ein Zimmer ging. Dann seien andere Männer hereingekommen. Tupac sagt, er sei erstarrt, habe den Raum verlassen und sich nebenan schlafen gelegt.
Als er geweckt wurde, sei die Frau aufgelöst gewesen und habe ihm vorgeworfen, er habe das zugelassen. Kurz darauf traf die Polizei ein. Er selbst habe nichts getan, beteuert Tupac, er schäme sich aber für sein Schweigen. Er habe dazugehören wollen.
Wut und Wandel im Gefängnis
Das Verfahren veränderte seinen Blick auf Frauen. Während der Anklage, gibt er zu, habe er schwarze Frauen gehasst, weil ihn nach Keep Ya Head Up niemand verteidigt habe. Erst im Prozess und später in Haft, unter anderem durch Wärterinnen, habe sich sein Blick geändert. Zum Schluss des Abschnitts erwähnt er sein neues Album Me Against the World und erklärt „Thug Life“ für tot.
Die Antwort des Gerichts
Tupacs Erzählung ist eine Darstellung in eigener Sache, der das Gericht nicht vollständig folgte. Am 1. Dezember 1994 sprach die Jury ihn in zwei Fällen des sexuellen Missbrauchs ersten Grades schuldig, von den schwereren Vorwürfen sprach sie ihn frei.
Bei der Strafmaßverkündung im Februar 1995 entschuldigte sich Tupac unter Tränen bei der Frau, beharrte aber darauf, kein Verbrechen begangen zu haben. Das Verfahren gegen Jacques Agnant, nach verbreiteter Darstellung „Nigel“, wurde abgetrennt. Es endete mit einem Schuldbekenntnis zu einem Vergehen ohne Haft. Eine Zivilklage der Frau wurde später mit einem Vergleich beigelegt.
Die Betroffene ließ Tupacs Schilderung nicht stehen. Kurz nach dem Erscheinen des Interviews widersprach sie ihm in einem eigenen Brief an Vibe entschieden. Ihre Sicht gehört fest zu diesem Text dazu.