1996-02403 Wörter · 2 Min.
„All Eyes on Him“: Tupacs Telefoninterview für Vibe, Ende 1995
Aus fünf Minuten wurde über eine Stunde: Ende 1995 spricht Tupac am Telefon mit Kevin Powell über Suge Knight, Biggie und die zwei Männer in ihm.
Original: „All Eyes on Him“ · Vibe · Kevin Powell · Februar 1996
Geplant waren fünf Minuten, am Ende sprachen sie über eine Stunde lang. Für seine Death-Row-Titelgeschichte hatte Kevin Powell Tupac in Los Angeles verpasst; erst nach dem Mord an Stretch am 30. November 1995 erreichte er ihn am Telefon. Vibe druckte das Gespräch als Kasten neben dem Hauptartikel.
Suge Knight war der Einzige, der kam
Tupac bestreitet, bei Death Row Schutz gesucht zu haben. Suge Knight habe ihn im Gefängnis als Einziger regelmäßig besucht, sich um seine Fälle gekümmert und seiner Mutter ein Haus besorgt. Er wolle Death Row zum größten Label der Welt machen.
Seine Ehe sei annulliert, er sei zu schnell gewesen. Das Gerücht, ihm sei in Haft etwas angetan worden, weist er scharf zurück.
Wettstreit statt Gewalt: Das Angebot an Bad Boy
Zu Biggie und Puffy sagt er, er habe keinen Streit, lasse aber die Musik sprechen. Zugleich wirft er der Ostküste vor, die Westküste herabzusetzen, und Biggie, seinen Stil kopiert zu haben, und nennt ihn trotzdem seinen „Bruder“.
Statt Gewalt schlägt er einen Wettstreit vor: Bad Boy und Death Row bringen am selben Tag je ein Album heraus, wer mehr verkauft, gewinnt. Sein neues Album beschreibt er mit einem Wort: „Relentless“. Kinder sollten es nicht ohne Gespräch mit den Eltern hören.
Streit zweier Menschen: Black Panther und Draufgänger
Am Ende spricht Tupac über sich: Er wolle in die Politik und sei im Jahr 2000 „viel ruhiger“. In ihm stritten zwei Menschen, der Sohn einer Black Panther und der Draufgänger. Seine Mutter habe ihm eine bessere Welt gezeigt; er habe ihr beigebracht, in der echten zu leben. „She put heaven in my heart.“
Vom vorgeschlagenen Frieden zu „Hit ‘Em Up“
Das Interview zeigt Tupac wenige Wochen nach der Entlassung, voller Pläne und voller Widersprüche. Die Beteuerung, es gebe keinen Streit, hielt nicht: Im Juni 1996 erschien Hit ‘Em Up, einer der schärfsten Diss-Tracks der Rap-Geschichte, gegen Biggie, Bad Boy und weitere New Yorker. Der Vorschlag eines Verkaufswettbewerbs blieb eine Idee.
Das Jahr 2000 erlebte Tupac nicht. Er starb im September 1996, Biggie im März 1997. Der Satz über die zwei Menschen in ihm fasst den Widerspruch, den so viele in Tupac sahen, in seinen eigenen Worten zusammen.