18.09.1996457 Wörter · 2 Min.
Nachruf von Music Wire (1996): „Konnte der Gewalt nicht entkommen“
Fünf Tage nach seinem Tod sah Music Wire in Tupac vor allem einen Mann der Gewalt. Ein Nachruf mit mehreren Fehlern, die hier richtiggestellt werden.
Original: „Tupac Shakur Couldn’t Escape Violence“ · Music Boulevard (Music Wire) · Lynda Lane · 18. September 1996
Fünf Tage nach Tupacs Tod zog Music Wire Bilanz, unter einer Überschrift, die den Tenor vieler Nachrufe jener Woche traf: Der Gewalt konnte er nicht entkommen. Lynda Lane fasst die Schüsse in Las Vegas zusammen und blättert dann durch Karriere und Strafakte: Digital Underground, das Debütalbum, die Filme Juice, Poetic Justice und Above the Rim. Danach listet sie die Vorfälle in Michigan und Atlanta 1993 auf, den Missbrauchsprozess in New York, die Schüsse in einem Studio am Times Square, Haft, Heirat, die Nummer 1 mit Me Against the World und den Neustart bei Death Row.
Im letzten Teil schreibt sie, Tupac sei im Gefängnis zur Welt gekommen, weil seine Mutter als Black Panther in Haft gewesen sei. Er kenne nichts als Ärger und fürchte den Tod nicht, zitiert sie ihn aus Interviews. Laut Reuters wurde er am Wochenende im engsten Kreis eingeäschert, für den 19. September war eine Trauerfeier im Wilshire Ebell Theatre in Los Angeles angekündigt. Den Abschluss bildet der Hinweis auf seinen letzten Film mit Tim Roth.
Frei geboren und falsch einsortiert
Das Gerüst stimmt, mehrere Details nicht. Tupac wurde nicht im Gefängnis geboren: Afeni Shakur saß während der Schwangerschaft im Panther-21-Prozess in Haft, wurde im Mai 1971 freigesprochen, und Tupac kam am 16. Juni 1971 in East Harlem zur Welt.
Auch musikalisch irrt der Text. Das Debütalbum heißt 2Pacalypse Now, erschien im November 1991 (nicht 1992) und bei Interscope, nicht bei Priority. Auch Me Against the World (März 1995) war eine Interscope-Platte. Sein Film mit Tim Roth heißt Gridlock’d und kam im Januar 1997 in die Kinos.
Die juristischen Fakten von 1993 und 1994
Auch bei den Verfahren stimmen Details nicht. Der Vorfall mit einem anderen Rapper bei einem Konzert an der Michigan State University war im April 1993. Verurteilt wurde Tupac erst im September 1994 wegen eines Vergehens: 30 Tage Haft, davon 20 auf Bewährung.
In Atlanta schoss Tupac im Oktober 1993 auf zwei Polizisten außer Dienst; die Anklage wurde später fallengelassen. Nach Aussagen mehrerer Zeugen hatte einer der Beamten zuerst geschossen.
Am 30. November 1994 wurde Tupac in der Lobby der Quad Studios fünfmal getroffen und ausgeraubt. Einen Tag später sprach ihn die Jury des sexuellen Missbrauchs schuldig und von den übrigen Vorwürfen frei.
Mehr als ein Mann der Gewalt
Die Erzählung vom Mann, der der Gewalt nicht entkommt, prägte 1996 fast alle Nachrufe, etwa auch den der New York Times. Doch sie greift zu kurz: Tupac war ebenso ein politisch geprägter Künstler, Schauspieler und Dichter. Diese Seite seines Werks rückte erst nach seinem Tod stärker in den Blick.
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Personen in diesem Text
Afeni Shakur: Panther, Mutter, NachlassverwalterinSuge KnightDeath Row Records