01.08.1997341 Wörter · 2 Min.
Rap-Gegnerin C. DeLores Tucker verklagt Tupacs Nachlass
Zehn Millionen Dollar für ein ruiniertes Sexleben: Wie Rap-Kritikerin C. DeLores Tucker 1997 Tupacs Nachlass verklagte und vor Gericht scheiterte.
Original: „Woman sues rapper’s estate“ · Associated Press, abgedruckt in der Las Vegas Sun · ohne Autorenangabe · 1. August 1997
Zehn Millionen Dollar für ein ruiniertes Sexleben
Viele hielten die AP-Meldung im August 1997 zunächst für einen Witz: C. DeLores Tucker, eine der lautesten Gegnerinnen des Gangsta-Rap, verklagte Tupacs Nachlass vor einem Bundesgericht in Philadelphia auf zehn Millionen Dollar. Die Zeilen über sie auf dem Doppelalbum All Eyez on Me hätten ihr „great humiliation, mental pain and suffering“ zugefügt, große Demütigung, seelischen Schmerz und Leid. Die sexuellen Anspielungen hätten sogar die Beziehung zu ihrem Ehemann beschädigt.
Nachlassverwalter Richard Fischbein reagierte trocken: „It’s hard for me to conceive how these lyrics could destroy her sex life.“ Die Meldung erinnerte daran, dass Tucker 1994 zusammen mit dem früheren Drogenbeauftragten der US-Regierung, William Bennett, eine Kampagne gegen Rap gestartet hatte.
Gegenschlag auf „All Eyez on Me“
Tupac hatte Tucker auf All Eyez on Me direkt angegriffen. In How Do U Want It nennt er sie beim Namen und wirft ihr vor, Schwarze zu zerstören statt ihnen zu helfen. Auch Wonda Why They Call U Bitch bezog Tucker auf sich. Hintergrund war ihr Druck auf Time Warner, der 1995 zum Ausstieg des Konzerns bei Interscope geführt hatte (siehe Tucker attackiert Time Warner).
Vor Gericht abgewiesen: Meinungsfreiheit schützt die Zeilen
Die Klage war Teil einer ganzen Welle von Verfahren gegen den Nachlass. Im Februar 1998 meldete MTV, ein Gericht habe Tuckers Klage wegen Verleumdung, Verletzung der Privatsphäre und vorsätzlicher Zufügung seelischen Leids zugelassen. Am Ende scheiterte sie: Das Bundesgericht in Philadelphia wies die Klage ab. Das Bundesberufungsgericht (3rd Circuit) bestätigte 2001 in Tucker v. Fischbein, dass die Zeilen als geschützte Meinungsäußerung nicht einklagbar sind.
Eine weitere Verleumdungsklage Tuckers gegen zwei Zeitungen aus Philadelphia, die ihren Fall als Streit um ihr Sexleben beschrieben hatten, nahm der Supreme Court 2006 nicht zur Entscheidung an. Ihr Mann hatte sie nach ihrem Tod weitergeführt.
Tucker starb am 12. Oktober 2005. Die Zeilen über sie bleiben eines der bekanntesten Beispiele dafür, wie Tupac Kritik mit Gegenangriff beantwortete.
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