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15.05.1997343 Wörter · 2 Min.

C. DeLores Tucker attackiert Time Warner wegen Lil' Kim

Mai 1997 im Apollo Theater: Rap-Gegnerin C. DeLores Tucker zitiert vor den Time-Warner-Aktionären Lil' Kim, und greift Konzernchef Gerald Levin an.

Original: „Gangsta rap debate hits Time Warner“ · Associated Press, abgedruckt in der Las Vegas Sun · ohne Autorenangabe · 15. Mai 1997

Die Stimmung war gut, die Aktie auf einem Rekordhoch: Im Mai 1997 fand die Hauptversammlung von Time Warner im Apollo Theater in Harlem statt, gedacht als Verbeugung vor der Kulturgeschichte des Viertels. Dann stand C. DeLores Tucker auf. Die Vorsitzende des National Political Congress of Black Women war die bekannteste Gegnerin des Gangsta-Rap, und sie las den Aktionären explizite Zeilen von Lil’ Kim vor.

„Gangsta porno rap“ vor den Aktionären

Lil’ Kim stand damals bei einem Label von Time Warner unter Vertrag. Tucker nannte die Musik „gangsta porno rap“ und wandte sich direkt an Konzernchef Gerald Levin: „Shame, shame, shame on our family Time Warner.“ Levin wies den Vorwurf zurück, ein Aktionär sprang ihm bei.

Hilary Rosen vom Branchenverband RIAA gab Tucker halb recht: Die Künstlerin sei „clearly oversexed“. Rosen fragte aber, wer entscheiden solle, welche Platten aus dem Regal fliegen. Die Alben trugen ohnehin den Warnhinweis für Eltern. Neben Lil’ Kim nannte Tucker Ol’ Dirty Bastard, Junior M.A.F.I.A. und Busta Rhymes.

Schon 1995 erzwang Tucker den Interscope-Verkauf

Der Auftritt war eine Fortsetzung. Tucker hatte Time Warner schon 1995 so lange unter Druck gesetzt, bis der Konzern im September 1995 seinen 50-Prozent-Anteil an Interscope abgab, dem Label, das Tupacs Musik vertrieb und den Vertrieb für Death Row machte. Im Februar 1996 übernahm MCA (später Universal) den Anteil.

Zehn Millionen Dollar: Klage gegen Tupacs Nachlass

Tupac verzieh Tucker das nie. Auf All Eyez on Me rappte er in How Do U Want It direkt über sie; auch Wonda Why They Call U Bitch bezog sie später auf sich. Im Sommer 1997, wenige Monate nach diesem Auftritt, verklagte Tucker deshalb Tupacs Nachlass auf zehn Millionen Dollar (siehe Rap-Gegnerin verklagt Tupacs Nachlass).

C. DeLores Tucker starb am 12. Oktober 2005 mit 78 Jahren. Im Nachhinein gilt ihre Kampagne als Teil einer größeren Auseinandersetzung um Rap, Moral und Hautfarbe in den 1990ern; der Podcast Slow Burn widmete ihr 2019 eine eigene Folge.