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1996-06562 Wörter · 3 Min.

„Inside the Mind of Shakur“: Tupac bei VIBE Online (Juni 1996)

Im Sommer 1996 spricht Tupac mit VIBE Online über seinen Vater, Jugendprojekte, Gott und Kirche, die Suche nach einer Frau und den Streit mit Biggie.

Original: „Inside the Mind of Shakur“, Teil 1 einer Interviewreihe · VIBE Online · 1996 (laut Vibe-Buch Juni 1996) · Interviewer nicht genannt

Wann und wo

Dieses Gespräch erschien nicht im gedruckten Heft, sondern bei VIBE Online, dem damals jungen Internetauftritt der Zeitschrift. Es war der erste Teil einer Reihe mit dem Titel „Inside the Mind of Shakur“. Den Namen des Interviewers nennt der Archivtext nicht. Die Datierung „06/1996“ passt zu dem Buch, das die Vibe-Redaktion 1998 über Tupac herausgab: Es druckt Passagen des Gesprächs nach und datiert ein Zitat daraus auf Juni 1996. Tupac sitzt laut Text im Wohnzimmer seiner Wohnung vor dem großen Fernseher.

Die Lage im Sommer 1996

All Eyez on Me war seit dem 13. Februar auf dem Markt, Tupac war der Star von Death Row. Am 4. Juni 1996 erschien „Hit ‘Em Up“, Tupacs offener Angriff auf Biggie und Bad Boy. Die Redaktion leitet das Gespräch mit der Frage ein, ob Tupac nach der Haft reifer geworden sei.

Worüber gesprochen wurde

Was ihn antreibe? Armut, Bedürfnisse, Schmerz, sagt Tupac, und eine „militärische“ Denkweise, die er mit der Straße verbinden wolle. Er erzählt, er habe seinen Vater sein Leben lang für tot gehalten. Erst nach den Schüssen 1994 sei ein Mann aufgetaucht, der ihm aufs Haar glich (Billy Garland). Einen Bluttest gebe es nicht, und die Vaterfrage habe er hinter sich. Ihm geht es um etwas anderes: Junge Leute sollen sich gegenseitig großziehen, die Älteren Vorbilder für die Jüngeren sein.

Seinen in Vibe angekündigten Plan einer Jugendorganisation mit Mike Tyson setze er nun mit Death Row um. Er nennt das Projekt „A Place Called Home“ in Los Angeles und eine „Celebrity Youth League“, in der er, Hammer, Suge Knight und Sportler Jugendteams finanzieren wollen.

Freunde habe er keine mehr, nur Familie. Das habe er „auf dem Boden am Times Square“ gelernt: Angst sei stärker als Liebe.

Gott, Kirche und eine Königin

Am längsten spricht Tupac über Religion. Er bete jeden Abend, halte die Bibel aber für ein Werk von Menschen und kritisiert prunkvolle Kirchen in armen Vierteln. Auch mit der Lehre der Five Percenters, die er im Gefängnis kennengelernt hatte, rechnet er ab. Am Ende steht sein eigener Glaube:

„I believe God blesses those that hustle.“ Tupac Shakur, VIBE Online, 1996

Den Himmel beschreibt er als ruhigen Schlaf mit gutem Gewissen, die Hölle als Albtraum, in dem man die eigenen Taten immer wieder sieht. Gefragt nach der richtigen Frau, sagt er, er verliebe sich stets in die Frau, die jemand werden könnte. Als „König“ seiner selbst suche er nun eine „Königin“.

Ost gegen West

Den Vorwurf, er habe die Ostküste verraten, nennt er Unsinn. Er lebe seit Jahren im Westen, habe New York auf Me Against the World einen ganzen Song gewidmet und Biggie seine ersten Auftritte verschafft. Einen echten „Beef“ habe es nie gegeben, nur fehlenden Respekt. Wer Musik liebe, solle die Stile vor und nach ihrer Begegnung vergleichen. Die Bad-Boy-Seite stellt er als verunsichert dar:

„I’m alive; the ghost is walking around.“ Tupac Shakur, VIBE Online, 1996

Bedeutung

Das Gespräch zeigt Tupac zwischen den beiden großen Vibe-Interviews des Jahres 1996 (Februar, November). Es ist nachdenklicher als „Hit ‘Em Up“ und zugleich voller Kampfansagen. Seine Sätze über Gott, Himmel und Hölle wurden nach seinem Tod oft zitiert, unter anderem im Klappentext des Vibe-Buchs von 1998.

Personen in diesem Text

Billy GarlandSuge KnightMike Tyson