Für den jungen Tupac war er das, was einem Vater am nächsten kam: Kenneth Saunders, genannt „Legs“. Er lebte eine Zeit lang als Afenis Partner an ihrer Seite. In vielen Fan-Darstellungen kommt er nicht vor, in den großen Tupac-Biografien schon. Weil vieles über ihn nur aus wenigen Quellen bekannt ist, bleibt diese Seite bewusst knapp.
Ein Leutnant von Nicky Barnes an Afenis Seite
Laut der autorisierten Biografie von Staci Robinson (2023) lernte Afeni Shakur Legs während des Panther-21-Prozesses kennen. Sie sammelte damals Spenden für die Verteidigung und verbrachte ihre Abende in einem Lokal in der Bronx: Sterling’s Den. Dort begegnete sie Saunders, nach Robinsons Darstellung ein Leutnant des berüchtigten Drogenbosses Nicky Barnes. Seinen Spitznamen verdankte er den langen Beinen.
Nach der kurzen Affäre mit Billy Garland ließ sich Afeni auf Legs ein und hoffte auf etwas Dauerhaftes. Doch wegen eines Verstoßes gegen Bewährungsauflagen wurde er wieder inhaftiert.
Garland oder Saunders: Gewissheit erst nach Tupacs Tod
Als Afeni im November 1970 merkte, dass sie schwanger war, wusste sie laut Robinson selbst nicht, ob Garland oder Saunders der Vater war. Vanity Fair schrieb 1997, sie habe stets erklärt, sich nicht sicher zu sein. Geklärt wurde die Frage erst nach Tupacs Tod: Im Erbstreit 1997 ergab ein DNA-Test, dass Billy Garland der leibliche Vater ist.
Vaterfigur zwischen Notunterkunft und Gefängnis
Auch in Tupacs Kindheit gehörte Legs zum Leben der Familie. Vanity Fair nennt ihn in einer Reihe mit den Schlägen, die die Familie in New York trafen: Afeni verlor ihre Arbeit, und Legs kam wegen Kreditkartenbetrugs ins Gefängnis. Die Familie lebte zeitweise von Sozialhilfe und in Obdachlosenunterkünften.
Als Afeni 1984 mit den Kindern nach Baltimore gezogen war, rief sie im Gefängnis an. Dort erfuhr sie, dass Legs mit 41 Jahren an einem durch Crack ausgelösten Herzinfarkt gestorben war. Tupac erzählte später dem Journalisten Kevin Powell, er habe nicht einmal weinen können. Er habe einen Vater gebraucht, der ihm zeigt, wie das Leben läuft, „und ich hatte keinen“.
Ein letzter Gruß an „Brother Leggs“
In Mutulu Shakurs Abschiedsbrief an Tupac von 1996, der 2004 ins Deutsche übersetzt wurde, wird ein „Brother Leggs“ unter den verstorbenen Weggefährten genannt, denen Tupac Grüße ausrichten solle. Ob damit Kenneth Saunders gemeint ist, sagt der Brief nicht ausdrücklich; der Name und der Zusammenhang sprechen dafür.
Was in den Quellen fehlt
Geburtsdatum, genaues Todesjahr und die Jahre, in denen Legs mit der Familie zusammenlebte, sind in den hier geprüften Quellen nicht belegt. So stützt sich das heutige Wissen über ihn auf zwei Werke: Staci Robinsons autorisierte Biografie, die auf Gesprächen mit Afeni und der Familie beruht, und die Vanity-Fair-Reportage von 1997, die Tupacs eigene Aussagen gegenüber Kevin Powell zitiert.