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Lesane, Tupac, 2Pac, Makaveli: ein Leben in Namen
Vom Tarnnamen auf der Geburtsurkunde bis zu Makaveli: woher Tupacs Namen kommen und welchen Lebensabschnitt jeder von ihnen markiert.
Auf seiner Geburtsurkunde steht nicht Tupac. Der Name, unter dem ihn die Welt kennt, kam erst ein Jahr später, und danach folgten weitere: einer für die ersten Reime in Baltimore, einer für die Bühne, einer für die Zelle. Wer Tupacs Namen der Reihe nach liest, liest seine Lebensgeschichte, von der Black-Panther-Bewegung bis zu den letzten Monaten bei Death Row.
Ein Tarnname für das Panther-Baby
Als Tupac am 16. Juni 1971 in East Harlem zur Welt kam, hieß er Lesane Parish Crooks. Seine Mutter Afeni Shakur war einen Monat zuvor im Prozess gegen die Panther 21 freigesprochen worden. Ihr Sohn sollte nicht sofort als „Panther-Baby“ auffallen, also ließ sie einen unverfänglichen Namen eintragen. Auf der Urkunde steht er in der Reihenfolge „Parish Lesane Crooks“.
Den Nachnamen lieh sich Afeni von Carol Crooks, einer Freundin aus der gemeinsamen Haftzeit. So schildert es Staci Robinson in der autorisierten Biografie von 2023. Mit Billy Garland, dem leiblichen Vater, hat der Name nichts zu tun.
Benannt nach einem Rebellen aus den Anden
Etwa ein Jahr nach der Geburt benannte Afeni ihren Sohn um. Der neue Vorname erinnert an Túpac Amaru II., eigentlich José Gabriel Condorcanqui, einen indigenen Anführer aus dem Gebiet des heutigen Peru. Ab November 1780 führte er einen großen Aufstand gegen die spanische Kolonialherrschaft, am 18. Mai 1781 wurde er in Cusco hingerichtet. Seinen Kampfnamen hatte er von einem Vorfahren übernommen: Túpac Amaru, dem letzten Inka-Herrscher von Vilcabamba, den die Spanier 1572 töteten.
Der Name stammt aus dem Quechua. Thupaq bedeutet etwa „königlich“ oder „glänzend“, amaru „Schlange“ oder ein schlangenartiges Wesen der Andenmythologie. Afeni erklärte später, sie habe ihrem Sohn den Namen revolutionärer, indigener Menschen geben wollen. Er sollte wissen, dass er zu einer Weltkultur gehört und nicht nur zu seiner Nachbarschaft.
Den Nachnamen gab Lumumba Shakur, mit dem Afeni seit 1968 verheiratet war. Seine Familie prägte die radikale Bewegung so stark, dass andere Aktivisten den Namen als Zeichen der Zugehörigkeit annahmen, darunter Tupacs späterer Stiefvater Mutulu Shakur. Das Wort selbst kommt aus dem Arabischen: shakūr heißt „sehr dankbar“.
MC New York: Heimweh als Künstlername
Seine ersten Reime schrieb Tupac in Baltimore, wohin die Familie 1984 gezogen war. Dort nannte er sich MC New York, nach der Stadt, aus der er kam. Mit Dana „Mouse“ Smith und anderen gründete er die Gruppe Born Busy; ihre Kassetten gelten als seine ersten Aufnahmen.
Den Namen nahm er 1988 mit in die Bay Area. 1989 entstanden dort mit der Gruppe Strictly Dope erste Studioaufnahmen, die 2007 auf Beginnings: The Lost Tapes 1988-1991 erschienen.
Eine Ziffer macht den Bühnennamen
Als Tupac 1990 bei Digital Underground einstieg, brauchte er einen Namen für die Bühne. Er ersetzte die erste Silbe seines Vornamens durch eine Ziffer: 2Pac. So war er im Januar 1991 auf Same Song zum ersten Mal zu hören. Unter diesem Namen erschienen alle Soloalben zu Lebzeiten, von 2Pacalypse Now bis All Eyez on Me.
Für Freunde und Fans blieb er schlicht Pac. Die Kurzform steht auch in Albumtiteln wie Pac’s Life (2006).
THUG LIFE: ein Motto auf dem Bauch
THUG LIFE war kein Künstlername, sondern das Motto, das Tupac am stärksten prägte. 1992 ließ er sich die beiden Wörter in großen Buchstaben auf den Bauch tätowieren. Dahinter steckte ein Akronym: „The Hate U Give Little Infants Fucks Everybody“. Der Hass, den eine Gesellschaft ihren Kindern entgegenbringt, fällt am Ende auf alle zurück. Staci Robinsons Biografie gibt die Form „The Hate U Gave …“ wieder.
Die Idee war politisch gemeint. Sie wuchs aus einem früheren Plan: In jedem US-Bundesstaat wollte Tupac einen jungen Schwarzen Mann gewinnen und so ein Netz von Aktivisten nach dem Vorbild der Panther knüpfen. Auch dafür hatte er ein Akronym, N.I.G.G.A.Z., „Never Ignorant, Getting Goals Accomplished“. 1993 gab es seinem zweiten Album den Titel.
Mit Mutulu Shakur schrieb er 1992 einen „Code of Thug Life“, eine Art Verhaltenskodex für die Straße: keine Drogen an Kinder, keine Gewalt gegen Unbeteiligte, Schulen und Konzerte als neutraler Boden.
Thug Life hieß auch die Gruppe, die Tupac mit Mopreme Shakur, Big Syke, Macadoshis und The Rated R bildete; ihr einziges Album erschien 1994. In der Haft 1995 kündigte Tupac an, sich von THUG LIFE zu verabschieden. Das Motto überlebte ihn trotzdem: 2017 benannte die Autorin Angie Thomas ihren Roman The Hate U Give danach.
Makaveli: die Lektüre aus der Zelle
Im Gefängnis las Tupac 1995 Niccolò Machiavellis Der Fürst. Ihn reizte die Idee, Ziele mit strategischem Denken zu erreichen; den Autor selbst nahm er nicht zum Vorbild. Daraus wurde sein letzter Name: Makaveli, bewusst anders geschrieben als das Original, als eigene Marke.
Oft heißt es, Machiavelli habe empfohlen, den eigenen Tod vorzutäuschen. Nach 1996 nährte das die Gerüchte, Tupac lebe noch. In Der Fürst steht davon nichts.
Unter dem Namen Makaveli erschien am 5. November 1996, knapp zwei Monate nach seinem Tod, das Album The Don Killuminati: The 7 Day Theory. Es blieb sein einziges unter diesem Namen. Später griff auch die Modemarke Makaveli Branded den Namen auf.
Kampfnamen für die Crew
Seine Crew, die Outlawz, stattete Tupac 1995 und 1996 mit Namen nach Gegnern der USA aus: Yaki Kadafi, Hussein Fatal, Napoleon, E.D.I. Mean (nach Idi Amin), Kastro, Mussolini. Er selbst war in diesem Kreis Makaveli.
Und der Name aus den Anden lebt im Nachlass weiter. Afeni gründete 1997 das Label Amaru Entertainment, das Tupacs unveröffentlichte Aufnahmen herausgibt. Im Juni 2026 kündigte Sega an, dass Tupac im Spiel Stranger Than Heaven (Start Januar 2027) mit Genehmigung seines Nachlasses als Figur auftritt. Ihr Name: Amaru.